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Classic
07/31/2022

Zeitreise in die 70er: Mit dem Renault R5 GTL

Der R5 wird heuer 50 - wir machen eine kurze Ausfahrt mit dem kleinen Franzosen in einer ungewöhnlichen Variante.

von Michael Andrusio

1979 war ein herausragendes Jahr für Renault. Nicht unbedingt deswegen, weil im Herbst des Jahres eine fünftürige Version des R5 das Modellprogramm ergänzte. Aber 1979 gewann in der Formel-1 erstmals ein Renault-Auto mit Turbomotor ein Rennen. Das war am 1.Juli in Dijon, gefahren wurde der RS-10 von Jean-Pierre Jabouille, der maßgeblich an der Entwicklung des Renault-Turbo mitgearbeitet hatte.

Stichwort Formel-1. 1979 zog sich Niki Lauda fürs erste aus der Formel-1-zurück (mit der legendären Begründung, dass er keine Lust mehr habe, im Kreis zu fahren), Weltmeister wurde Jody Scheckter auf Ferrari.

Was ist sonst 1979 passiert? Die Sowjetunion ist in Afghanistan einmarschiert, Margaret Thatcher gewann die Wahlen in Großbritannien und in Österreich hat Bruno Kreisky wieder eine Regierung gebildet.

Welche Musik hat man damals aktuell gehört? Zum Beispiel ABBA, Blondie, Boney M. oder Village People.

Ausfahrt mit GTL

Wir starten einen ersten Versuch, in einem Renault R5 von damals Platz zu nehmen. Versuchen deshalb, weil jemand das Auto sorgsam auf einem herrlich sonnigen Parkplatz irgendwo bei Paris im Juli abgestellt hat und die Plastiksitze gefühlt die Temperatur einer Herdplatte haben. Kurz darauf haben wir uns darauf eingestellt, auch darauf, dass es in diesem Auto keine Klimaanlage gibt und sind unterwegs - in einem fünftürigen R5 GTL.

Renault brachte die fünftürige Variante des R5 im Oktober 1979 auf den Markt. Ursprünglich hatte es den R5 nur als Zweitürer mit Heckklappe gegeben - allen Unkenrufen der Händlerschaft zum Trotz. Sieben Jahre nach Marktstart des R5 wurde der Fünftürer dann nachgereicht. Technisch gesehen war die Integration der zusätzlichen Türen kein Problem. Es gab zu diesem Zeitpunkt bereits eine Renault 7 getaufte Version des R5 für den spanischen Markt mit Stufenheck und vier Türen und das nutzte man für den fünftürigen R5.

Was einem augenblicklich auffällt, wenn man in einem kleinen Auto von anno dazumal fährt, ist die fantastische Rundumsicht. Gut, den Außenspiegel auf der Beifahrerseite hat man eingespart, aber einmal kurz nach hinten schauen, und man weiß, wo das Auto aufhört. Trotz der Kürze von 3,53 Meter hat man durchaus ausreichend Platz auf den hinteren Sitzen.

Der Motor, ein 1,3-l-Vierzylinder, leistet 45 PS. Das ist nicht viel, auf der anderen Seite sind nur 775 kg Fahrzeuggewicht zu bewegen. Wir fahren zu dritt und trotzdem wirkt der Kleine auf den Überlandstraßen rund um Paris nicht überfordert. Die Höchstgeschwindigkeit würde 137 km/h betragen - mit entsprechend Anlauf wohl durchaus machbar (haben wir aber nicht ausgetestet). Freileich ist es so, dass der R5 beim Geradeausfahren mehr Lenkarbeit braucht als ein modernes Auto auf einer Serpentinenstraße.

Wie sieht es mit der Sicherheit aus? Sicherheitsgurte sind vorhanden, Kopfstützen hat unser R5 aber nicht.

Der Motor ist so kompakt, dass vorne im Motorraum auch noch das Reserverad Platz findet. So hat man im Heck mehr Kofferraumvolumen - das Ladevolumen entspricht dabei der Füllmenge eines Einkaufswagerls.

Gewöhnungsbedürftig sind die eng beisammen liegenden Pedale, vor allem Gas- und Bremspedal. Liegt vielleicht daran, dass der R5 für weibliche Kundschaft gedacht war und man dachte, dass die zarten Beine der Fahrerinnen kein Problem mit der Bedienung haben würden. Hatten sie auch nicht, wenn man die Verkaufszahlen ansieht. Ein Drittel der R5-Kundschaft war weiblich. Geschaltet wird mittels Vierganggetriebe (Ende der 70er war die Revolverschaltung der ersten Generation kein Thema mehr) und das ist kein Problem, nur der dritte Gang braucht ein wenig Feingefühl und eine entsprechende Ortung beim Eingelegtwerden.

Die Einfachheit der Instrumente wirkt angenehm, Infotainment funktioniert nur biologisch (heißt, man kommt nicht umhin, mit dem Beifahrer zu sprechen) und Radio ist in unserem Auto auch keines verbaut. Allerdings hätte man statt Radio seinerzeit auch schon Walkman hören können. Den hat Sony 1979 auf den Markt gebracht.

Bis 1985 wurden rund 5,5 Millionen R5 hergestellt, dann wurde er durch den Super Cinq ersetzt.

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