© Werk/Maximilian Lottmann

Classic
08/18/2019

Zeitreise in die 80er: Mit dem Renault Fuego Turbo

Wir fahren die schärfste Version des Renault- Coupés aus den 80er Jahren.

von Michael Andrusio

1983 war ein Jahr, an das man sich bei Renault nur bedingt gerne erinnert. Nachdem man in der Formel-1 ab Ende der 70er Jahre Pionierarbeit in Sachen Turbo geleistet hatte, war es Nelson Piquet mit dem Brabham-BMW, der den Titel „erster Turbo-Weltmeister“ einheimste. Zwei Punkte vor Alain Prost mit dem Renault Turbo. Jean-Pierre Jabouille, der 1979 für Renault das erste Formel-1-Rennen mit einem Turbomotor gewonnen hatte, ärgert sich noch heute: „Die haben mit dem Sprit betrogen“.

Es gab aber auch Lichtblicke für die Franzosen. Im Sog der Formel-1 hielt die Turbotechnologie auch bei den Serienautos Einzug. Natürlich denken viele dabei zuerst an den ausgeflippten Renault 5 mit seinen Monsterbacken. Ein Auto, das ab 1983 in den Genuss der Turbotechnolgie kam, war der Fuego. Und das war auch notwendig.

Der Fuego (der Name kommt aus dem Spanischen und bedeutet „Feuer“) war ab 1980 ein sportliches und auf den ersten Blick sehr aerodynamisch gestyltes  Coupé bei den Franzosen. Allein, die anfänglich angebotenen Motorisierungen mit 64 und 97 PS kamen mit dem flotten Äußeren nicht wirklich mit. Erst der TX und der GTX mit 110 PS waren diesbezüglich eher standesgemäß.

1983 kam dann der Fuego als Turbo. Im Motorraum kam ein 1,6-l-Vierzylinder zum Einsatz, wie ihn Renault auch in den 18 Turbo steckte. Allerdings sollte der Turbo im Fuego mehr auf Leistung getrimmt werden und weniger auf Verbrauchsoptimierung, wie in der Familienkutsche Renault 18. Dank Aufladung mittels Garrett T3 Turbolader kam man im Fuego auf 132 PS. Das klingt nicht nach rasend viel, aber dank der aerodynamischen Karosserie war der Fuego Turbo gut 200 km/h schnell und beschleunigte in 9,5 Sekunden auf 100 km/h.

Renault lässt uns kurz ans Steuer eines Fuego Turbo aus der historischen Sammlung. Wir steigen ein und versinken augenblicklich in einer weichen Plüschwelt. Sitze, Teppiche, Türverkleidungen – alles weich und anschmiegsam. War halt so, damals Anfang der 80er. Der Fuego war ja auch nicht als reinrassiger Sportwagen gedacht, sondern als alltagstauglicher Gran Turismo. Alltagstauglich ist er ja durchaus, schon allein wegen der großen Glasheckklappe, die den Zugang zu einem brauchbaren Laderaum freigibt.

Der Motor springt willig an und klingt eigentlich unspektakulär. Der Fuego Turbo beschleunigt gut, wobei mit Ansteigen des Ladedrucks – ein Instrument gibt stets Auskunft darüber – auch die Agilität dazugewinnt. Ein echtes Turboloch, bei dem es nach seiner Überwindung einen richtigen Kick gibt, hat der Renault-Turbo aber nicht – man würde ohnehin nur noch tiefer in den weichen Sitzen versinken.

Die Lenkung ist eher auf der indirekten Seite, dafür verzögern die Bremsen den Franzosen anstandslos – kein Wunder, verbaute doch Renault gleich vier Scheibenbremsen.

Eine Klimaanlage hatte der Fuego Turbo ebenso serienmäßig dabei wie „Honeycomb“- Leichtmetallfelgen von BBS. Ein „Turbo“-Schriftzug findet sich gezählte sechs Mal am Auto – am prominentesten an den Flanken des Autos.

In unserem Exemplar war zudem eine Soundanlage verbaut, mit dem man der absolute Platzhirsch auf jedem Disco-Parkplatz gewesen wäre. Was hätte man damals wohl gehört? Na zum Beispiel Nena mit 99 Luftballons bzw. in Frankreich eher Cook da Books mit Your eyes, die Filmmusik zu "La Boum2 – Die Fete geht weiter".

Schade, dass der Renault Fuego heute praktisch gänzlich aus unserem Straßenbild verschwunden ist. 1986 stellte Renault die Produktion nach rund 265.000 gebauten Autos ein (ohne einen echten Nachfolger bei der Hand zu haben). Bei Renault Argentina lief die Fuego-Produktion allerdings noch bis ins Jahr 1995.