© Grafik,APA/AFP

Nachhaltigkeit
02/20/2021

Elektroautos: Autobauer in der Verantwortung

Auch Elektroautos brauchen viele Ressourcen und machen bei der Herstellung Schmutz. Was Autohersteller tun, um E-Autos möglichst nachhaltig zu machen

von Andrea Hlinka

Wir stehen am Anfang eines spannenden Jahrzehnts für Automobilhersteller: 2019 wurden 2,26 Millionen reine Elektroautos (BEV) und Plug-in-Hybride (PHEV) weltweit verkauft, 2020 waren es bereits 3,24 Millionen. Diese Dynamik wird sich fortsetzen, bis Ende des Jahrzehnts werden Stromer das Straßenbild prägen, sind sich Experten einig. Um diese Mobilitätswende zu gestalten, denken und optimieren die Autobauer, schmieden Allianzen und bauen neue Fabriken. Die EU und Staaten lenken mit. Denn die Technologie bringt Probleme.

Rohstoffe

Die relevanten Rohstoffe für die Batterie von Elektroautos sind Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan und Grafit. Lithium und Kobalt stehen hierbei am stärksten in der Kritik. Lithium, da bei der Gewinnung aus den Salzseen in Chile, Argentinien und Bolivien, die Wasserknappheit massiv verschärft wird. Kobalt wird zu 60 Prozent in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut. 15 bis 20 Prozent davon werden aus dem Kleinbergbau gewonnen, wo teils unter gefährlichen Bedingungen gearbeitet wird und auch Kinderarbeit üblich ist. Für die Autohersteller wird es immer wichtiger, dass die Bedingungen entlang der Wertschöpfungskette menschenrechtlich und ökologisch korrekt ablaufen. Konsumenten fordern echte Nachhaltigkeit, kein Greenwashing.

An Gesetzen wird gefeilt: Die EU-Kommission versucht aktuell, mit einem Gesetzesvorschlag für eine neue Batterieverordnung die Verantwortung klar zu regeln. Kerstin Meyer von der Agora Verkehrswende bewertet das als positives Zeichen. Obwohl die Diskussion, laut Meyer, erst am Anfang steht, könnte es bereits 2023 in Kraft treten. Ab 2023 soll in Deutschland jedenfalls das neue Lieferkettengesetz gelten, das große Unternehmen – auch Autobauer – dazu verpflichtet, gegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltsünden bei ihren ausländischen Zulieferern vorzugehen. In Österreich ist Vergleichbares noch in weiter Ferne.

Bis die Gesetze greifen, arbeiten Automobilhersteller in Eigeninitiative. Manche mehr, manche weniger. „Lieferketten zu überblicken ist schwierig, aber nicht unmöglich“, sagt Meyer. Als vorbildlich gilt BMW (Details unten).

Um die Abhängigkeit von Rohstoffen zu minimieren setzen Autobauer auch beim Batterierecycling an. VW etwa hat Ende Jänner eine Pilotanlage in Salzgitter (D) eröffnet.

Umweltbilanz

In der Kritik stehen auch der hohe Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen bei der Herstellung der E-Auto-Batterien. Laut einem Bericht des Fraunhofer Instituts fallen, je nach Energiequelle, Energieeffizienz der Produktion und Batteriegröße, zwischen 70 und 130 Prozent höhere Treibhausgasemissionen an als bei der Produktion eines Diesel oder Benziners. Doch das macht ein E-Auto, da es abgasfrei fährt, schnell wett. Die Bilanz fasst Kerstin Meyer so zusammen: „Ein Elektroauto hat über den gesamten Lebenszyklus gesehen, einen geringeren -Fußabdruck als ein Verbrenner.“ Für Österreich gelte das noch mehr als für Deutschland, da mehr Strom aus alternativen Energien gewonnen wird. Agora errechnete, dass ein E-Auto seinen Nachteil durch den deutschen Strommix nach 60.000 bis 80.000 Kilometer aufgeholt hat. Tendenz sinkend.

Eine Bewegung ist auch bei den Produktionsstandorten von Batterien zu sehen. Mit dem Anwachsen der Märkte kommt es, so Axel Thielmann vom Fraunhofer ISI, zu einer Verlagerung. „Es ist nicht nachhaltig die Batteriezellen für Europa in den künftig benötigten Mengen in Asien herzustellen. Es entstehen in ganz Europa Hotspots.“ Die Fortschritte in der Batterieentwicklung sind rasant. Mehr Kapazität, mehr Reichweite – zu geringeren Kosten und mit weniger kritischen Rohstoffen, das steht auf der Agenda der Autobauer weit oben.

BMW

E-Modelle: Bis   2023:  25 elektrifizierte  Autos,  mehr als die Hälfte davon vollelektrisch 

Rohstoffe: Für die kommende, fünfte Generation an Batteriezellen wurden die Lieferketten neu strukturiert: Kobalt und Lithium ab 2020 – ohne Zwischenhändler – direkt eingekauft und die Rohstoffe den Batteriezellen-Herstellern zur Verfügung gestellt. Kobalt wird   künftig  direkt aus Minen in Australien und Marokko bezogen, Lithium u. a.  aus Australien 

Batterien: BMW hat mit  seinen Zellherstellern vertraglich vereinbart, dass bei der Produktion der 5. Generation  nur Grünstrom verwendet wird.  Mit  dem schwedischen Batteriehersteller Northvolt und Umicore, einem belgischen Entwickler von   Batteriematerialien, wird aktuell eine nachhaltige Wertschöpfungskette für Batteriezellen aufgebaut.

Volkswagen

E-Modelle Bis 2029: 75 reine E-Modelle, plus 60 Hybrid-Modelle 

Rohstoffe: VW hat 2020 ein „Raw Material Due Diligence Management System“ eingerichtet. Darin werden die Rohstoffketten nach ihrem jeweiligen Risiko eingestuft. Beim Rohstoffeinkauf richtet sich VW nach den Regeln der OECD. VW ist Partner verschiedener  Initiativen,  
wie der „Cobalt for Development“ und der „Global Battery Alliance“
 
Batterien:
Gemeinsam mit Northvolt wird in Salzgitter  (D) eine  gemeinsame Fabrik zur Herstellung von Lithium-Ionen-Batteriezellen  gebaut, die 2024 starten soll. Bereits Ende Jänner hat VW die neue  Batterie-Recycling-Anlage in Salzgitter in Pilotbetrieb genommen. VW arbeitet unter anderem mit LG Chem, Samsung, SKI und  CATL zusammen.

Mercedes

E-Modelle: Bis Ende  2021: Fünf vollelektrische Modelle und mehr als 20 PHEV-Modellvarianten. Bis 2025 soll der  Absatz der elektrischen Fahrzeuge auf 15 bis 25 Prozent des Gesamtabsatzes steigen 

Rohstoffe: Zukünftig bezieht Daimler ausschließlich Batteriezellen mit Kobalt und Lithium aus zertifiziertem Abbau. Zudem versucht Daimler, den Anteil an kritischen Rohstoffen zu reduzieren. Das langfristige Ziel ist, durch Post-Lithium-Ionen-Technologien mit neuen Materialzusammensetzungen ganz auf Materialien wie Kobalt verzichten zu können

Batterien: Daimler hat die „Ambition 2039“ ausgerufen: Bis dahin  will man eine  -neutrale Neuwagen-Flotte und Produktion realisieren.  CATL und Farasis Energy haben zugesichert, Batteriezellen zu liefern, die mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen gefertigt werden.

Tesla

Tesla results

E-Modelle 2020: Vier Modelle, insgesamt wurden 499.550 Elektroautos ausgeliefert, davon  das Model 3 365.000 Mal. Damit ist es das weltweit meistverkaufte Elektroauto  

Rohstoffe Tesla will in seinen  Batterien ganz ohne Kobalt auskommen. Lithium  will Tesla nun selbst abbauen und hat sich  die Rechte an einem großen Lithium-Vorkommen in Nevada gesichert – genug,  um Terawattstunden an Batterie-Zellen zu produzieren, sagt  Gründer Elon Musk 

Batterien Tesla baut aktuell eine  Gigafabrik  in Grünheide (D). Dort soll zukünftig – ab wann ist noch unklar – neben den Autos auch    ein neuer Akku entstehen, der sechsmal mehr Leistung hat als bisherige Batterien. Tesla arbeitet mit verschiedenen Batteriezellenherstellern zusammen, darunter Panasonic, LG Chem und CATL.

Renault

E-Modelle Bis 2025:  24 neue Modelle,  mindestens zehn davon vollelektrisch 

Rohstoffe  Jedes Jahr werden ca. 80 % des Beschaffungsvolumens von Groupe Renault einer Bewertung in den Bereichen Arbeitsbedingungen und Menschenrechte, Einhaltung von Vorschriften und ethischen Grundsätzen, Umwelt und nachhaltiges Lieferkettenmanagement unterzogen. Diese Bewertungen werden von zertifizierten Drittfirmen durchgeführt. Die Groupe Renault verpflichtet alle Zulieferer, sich an die Renault Ethik Charta zu halten 

Batterien Die Batterien stammen allesamt von LG Chem, die Rohstoffe dafür aus zertifizierten Minen. Darüber hinaus handhabt die Groupe Renault den gesamten Lebenszyklus der Batterie seiner Elektrofahrzeuge nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft.

Peugeot

E-Modelle Bis 2025: Alle Modelle der  Ex-PSA-Gruppe (mittlerweile Stellantis)  mit ihren Marken Peugeot, Citroën, DS Automobiles und Opel, sollen  ein elektrifiziertes Pendant bekommen. DS wird zur reinen E-Automarke 

Rohstoffe Bei der Beschaffung der Rohstoffe wird vor allem auf  Einhaltung vereinbarter Standards gesetzt, alle Zulieferer müssen etwa  die  Groupe PSA Responsible Purchasing Charter unterzeichnen 

Batterie Die Batteriezellen für die  Ex-PSA-Marken werden aktuell aus China bezogen.  PSA, Opel, Total und Saft haben  das  Joint Venture „Automotive Cells Company“ (ACC) gegründet:  Gemeinsam werden zwei  Gigafabriken, eine   in   Douvrin (F) und eine in Kaiserslautern (D) zur Herstellung von Batterien  aufgebaut. Ab 2023 soll produziert werden  

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