E-Mobility 15.05.2018

Elektromobilität: „Alles ist möglich, aber nicht jeder Preis“

© Bild: WERK/Nissan

Im Gespräch: Gareth Dunsmore, Direktor Elektrische Fahrzeuge bei Nissan, über Batterien, Ladeinfrastruktur, Preise

Wenn es um Erfahrungen mit Elektro-Mobilität geht, steht Nissan ganz oben. Mehr als 320.000 Kunden entschieden sich in den vergangenen Jahren weltweit für das E-Auto Leaf.

Der Motor-KURIER sprach auf dem Automobilsalon in Genf heuer mit Gareth Dunsmore, bei Nissan Leiter Elektrische Fahrzeuge, darüber, was in den nächsten Jahren bei den Kernthemen von E-Autos, nämlich Preis, Reichweite, Batterien und Ladeinfrastruktur zu erwarten ist.

Gareth Dunsmore über/darüber ...

... das Laden von E-Autos: 80 % unserer 320.000 Leaf-Kunden weltweit laden zu Hause. Als Nächstes müssen wir uns bemühen, auch für Laternenparker Lademöglichkeiten zu schaffen. Das ist eine Herausforderung. Wir verbringen viel Zeit mit Stadt- und Gemeindeverantwortlichen auf der Suche nach einer einfachen Lösung, z. B. in Straßenlaternen mit LED-Licht Stecker einzubauen, wo E-Autos laden können. Fahren mit E-Autos muss für die Kunden möglichst einfach und komfortabel sein.

... Schnellladen:Von unserem Ladesystem Chademo (Anm. japanischer Ladestandard auf Gleichstrom-Basis, verwendet vor allem von Nissan, Mitsubishi, Honda, Toyota. Weltweit gibt es ca. 18.000 damit ausgerüstete Ladepunkte, die meisten in Japan mit mehr als 7000 und in Europa mit mehr als 6000) wurde vor Kurzem eine 200- sowie eine 400-kW-Variante vorgestellt.

Da die Batterien für die E-Autos immer größer werden, steigt auch der Bedarf an Ladesystemen mit mehr kW und Volt. Schon Schnellladen mit 150 kW an Autobahnen benötigt zusätzliche Investitionen. Am einfachsten erscheint mir, den nötigen Strom dafür in großen Batterien vor Ort zu speichern, das ist günstiger als kilometerlange neue Kabel zu verlegen. Auch wird das Netz damit relativ wenig belastet.

Aber mit 800-V-Systemen, wie sie einige deutsche Konzerne fordern, stößt man an gewisse Grenzen, allein der Kühlaufwand für die Ladekabel ist enorm. Laden an solchen Hochvolt-Stationen könnte Kunden ein Vermögen kosten. Das macht nur Sinn für teure Elektro-Sportwagen. Alles ist möglich, aber nicht jeder Preis.

Wichtig wäre es, in ganz Europa günstiges und leicht zugängliches 50-kW-Laden zu ermöglichen.

... billigere Batterien und somit günstigere E-Autos:Wir rechnen damit, dass zwischen 2020 und 2025 die Batteriepreis auf unter 75 $/kWh sinken wird (Anm. derzeit beträgt er 145 $/kWh). Aber es geht um mehr, als in diesem Preis enthalten ist. Etwa um das richtige Batterie-Package, damit die Batterien optimal geladen werden und bei Kälte und Hitze nicht frühzeitig altern.

... den Technologiesprung durch Festkörper-Batterien, die in rund fünf Jahren serienreif sein sollen: Zwischen den Festkörper- und den aktuellen Lithium-Batterien liegt noch sehr viel Zeit. Ihre Massenproduktion erwarte ich nicht vor 2030.

Der Elektro-Antrieb wird bereits vorher billiger werden als ein Diesel-Antrieb. Viele Hersteller reden heute nur deshalb über Festkörper-Batterien, weil sie nichts anderes haben.

... das Recycling gebrauchter Lithium-Batterien:Die gebrauchten Autolithiumbatterien finden als Heimspeicher einen zweiten Einsatz. Die Lebenszeit der Batterien wird so deutlich auf rund 22 Jahre verlängert. Unser Partner Eaton hat diesen Part übernommen und wird auch den Verkauf der Heimspeicher übernehmen.

Das Recycling am Ende der Lebenszeit werden wir natürlich selbst übernehmen. Es geht vor allem um die Wiederverwertung der Edelmetalle. Die ist sehr teuer, aber wir können das. Derzeit erhalten wir jedoch zu wenige gebrauchte Batterien zurück, damit sich das rechnet.

... ob Nissan auch mit Lithium-Batterien Großspeicher wie Tesla in Australien mit mehr als 100 Megawattstunden plant: Wir haben einen Speicher mit gebrauchten Leaf-Batterien für das Fußballstadion in Amsterdam gemacht, der schafft 3 Megawattstunden.

... wo die meisten Leaf verkauft werden: In den vergangenen Jahren wurden die meisten in Europa verkauft.

... ob Nissan auch E-Mobilität mit Brennstoffzellen plant: Wir bauen Brennstoffzellenautos für Brasilien, aber auch diese verfügen über Lithium-Batterien zusätzlich, was die Kosten des Antriebs zusätzlich erhöht.

In Japan sind wir an einem Projekt mit Toyota auf dem Gebiet beteiligt.

( motor.at ) Erstellt am 15.05.2018