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fahrbericht
12/14/2018

Kia e-Niro: Nicht mehr nur ein Zweitauto

Mit der Batterie-elektrischen Version des Niro bieten die Koreaner ein Familienauto ohne Verbrennungsmotor aber mit Langstreckenqualitäten.

von Horst Bauer

Jetzt hat die Kundschaft die Qual der Wahl beim familientauglichen Niro von Kia.

Neben einem klassischen Hybridantrieb (E-Motor als Unterstützung des Verbreners) und so einem mit Stecker (Plug-in-Hybrid für kurze Strecken im rein elektrischen Betrieb und Normalbetrieb mit Benzinmotor), wird für den Niro jetzt auch ein reiner E-Antrieb angeboten. Und der auch noch in zwei Leistungsstufen (100 bzw. 150 kW) und dementsprechend unterschiedlich leistungsfähigen Batterien (39,2 kWh bzw. 64 kWh).

Reichweite

Um die zentrale Frage bei jedem neuen Elektroauto gleich abzuhaken: Die Normreichweite nach dem neuen WLTP-Verfahren liegt bei 289 bzw. beachtlichen 455 km (je nach Batterie).

In der tatsächlichen Fahrpraxis wird’s das natürlich wie bei allen anderen E-Autos auch nicht ganz so spielen. Was für den Normverbrauch von 14,2 bzw. 14,9 kWh für 100 km ebenso gilt.

Nach den ersten Testfahrten mit einem e-Niro mit 150 kW Leistung im südfranzösischen Mischverkehr von Autobahn, engen, verwinkelten Küstenstraßen und zahllosen Ortsdurchfahrten kann aber zumindest konstatiert werden, dass die im Cockpit angezeigte Anfangs-Reichweite (nach Vollladung lag der Wert immer über 400 km) im Praxis-Fahrbetrieb nicht gleich dramatisch kollabierte.

Der errechnete Rückgang der Reichweite spielte sich vielmehr in einer überschaubaren Bandbreite im Vergleich zu den tatsächlich gefahrenen Kilometern ab. Und die Verbrauchsanzeige im Cockpit pendelte stetig rund um 17 kWh/100 km.

Solide Verarbeitung

Das Vertrauen in die Alltagstauglichkeit des E-Niro wird auch von der äußerst soliden Verarbeitung und einigen technischen Besonderheiten unterstützt. So gibt Kia – im Gegensatz zu anderen Herstellern – den Piloten die Möglichkeit in die Hand, die Rekuperationsstufen (und damit die Schärfe der Verzögerung ohne Einwirkung der klassischen Bremsen) in drei Stufen via Schalter am Lenkrad selbst zu bestimmen. Mit der stärksten Stufe kann die Fuhre durch Betätigung des linken Schalters auch bis zum Stillstand abgebremst werden, ohne das Bremspedal zu betätigen.

Bleibt man im Automatik-Modus und lässt sich von der serienmäßigen Navigation (mit 7 Jahren Software-Update inklusive) leiten, sorgt die Bordelektronik dafür, dass etwa auf Steigungen automatisch die geringste und auf Gefällestrecken die höchste Rekuperationsstufe verwendet wird.

Darüber hinaus stehen vier unterschiedliche Fahrstufen zur Wahl (von Sport bis EcoPlus als Reichweitenverlängerer mit reduzierter Motorleistung und abgeschalteter Klimaanlage) und jede davon kann individuell programmiert werden.

Von den Platzverhältnissen gibt’s gegenüber den anderen Niro-Versionen keine nennenswerten Einschränkungen, beim Kofferraumvolumen (451 – 1405 l) ist der e-Niro sogar Klassenprimus.

Ladezeiten

Geladen wird die Lithium-Ionen Polymer-Batterie via eines Kabels mit CCS-Stecker (Typ 2). Die Ladezeiten reichen von rund 29 bzw. 18 Stunden an der Heimsteckdose (64 kWh-Batterie bzw. 39,2 kWh) über 9,35 bzw. 6,10 Stunden an der Wallbox mit 6,6 kW bis zu 75 bzw. 57 Minuten am Gleichstrom-Schnelllader mit 50 kW.

Unterm Strich ergeben die ersten Praxis-Erfahrungen mit dem e-Niro ein vertrauenserweckendes Bild eines soliden, geräumigen E-Autos, das sein Dasein im Familien-Fuhrpark nicht mehr nur als reichweitenbeschränktes Zweit- bis Drittauto fristen müsste.

Preis

Die Österreich-Premiere feiert der Kia e-Niro Mitte Jänner auf der Vienna Autoshow. Die Preisliste startet bei € 36.690,– (100 kW/136 PS) bzw. € 41.090,– (150 kW/ 204 PS) inklusive 7 Jahre Garantie (auch für die Batterie).