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E-Mobility

Was es braucht, damit die Elektromobilität schneller wachsen kann

Die Mobilitätswende ist zu langsam. Verbund und Smatrics haben nun 5 Punkte definiert, um die E-Mobilität voranzubringen

10/18/2022, 05:00 AM

Rund 100.000 Elektroautos sind in Österreich unterwegs, erzählte der Verbund CEO Michael Schrugl, bei einer Pressekonferenz am Montag. Wirklich viele sind das noch nicht, wenn man bedenkt, dass Ende 2021 rund fünf Millionen Pkw in Österreich zugelassen sind. Dass 2035 die Dekarbonisierung des Verkehrsbereichs weit fortgeschritten sein soll (konkret sollen keine neuen Verbrenner innerhalb der EU zugelassen werden), treibt so manchem, angesichts dieser Zahlen, die Schweißperlen auf die Stirn. Was also tun, damit die Elektromobilität weiter und vor allem in einem schnelleren Tempo voranschreiten kann? Verbund und Smatrics haben hierzu einen "Masterplan Ladeinfrastruktur 2030" erstellt, den sie an diesem Montag präsentiert haben. Dieser sieht folgendes vor: 

1. Dringliche gesetzliche Maßnahmen umsetzen, Überregulierung vermeiden

Auf der einen Seite steigen die regulatorischen Anforderungen für E-Mobilitätsdienstleister konstant. In Summe entwickeln sie sich immer mehr zum Flaschenhals der E-Mobilität. So sehen gesetzliche Vorgaben etwa verpflichtende Kreditkartenterminals bei Ladestationen vor, obwohl ein etabliertes System mit Ad-hoc-Bezahlung via App und Kreditkarte existiert. Auch für Dienstwagenfahrer:innen und deren Arbeitgeber wird es steuerlich kompliziert, wenn die Stromkosten vom Arbeitgeber an Mitarbeiter:innen refundiert werden sollen. Auf der anderen Seite fehlen immer noch regulatorische Minimalanforderungen wie einheitliche Abrechnungsstandards (Ladezeit in Minuten versus tatsächlichem Verbrauch nach Kilowattstunden) oder Garantien beim Recht auf eine eigene Ladestationen.

2. Energieintegration und Prozesse verbessern

Ladestationen sind Anlagen, die insbesondere im High-Power-Bereich eine hohe Leistung am Ort der Abgabe erfordern. Sowohl für Infrastrukturerrichter als auch Verteilnetzbetreiber (VNB) ist der Netzzutritt bzw. die Netzbereitstellung für Ladeinfrastruktur aktuell eine große Herausforderung. Um die VNB zu entlasten, ist es sinnvoll, österreichweit einheitliche und digitalisierte Prozesse zu etablieren. Auch sollten die VNB finanziell und personell besser ausgestattet werden, sodass sie der E-Mobilität eine hohe Priorität einräumen können. Eine weitere Herausforderung betrifft die Netzentgelte: Obwohl aus öffentlicher Ladeinfrastruktur heute fast ausschließlich Grünstrom fließt, ist für sie zusätzlich eine Erneuerbaren-Förderpauschale zu zahlen. Infrastruktur, die Ökostrom vermarktet und somit fördert, zahlt also wieder für die Erneuerbaren Energien. Aus Sicht der Infrastrukturbereitsteller sollte sich das ändern.

3. Maximaler Raum für die Mobilitätswende

Um die E-Mobilität für den Massenmarkt attraktiv zu machen, ist Ladeinfrastruktur in der breiten Fläche essenziell. Dazu müssen Parkplätze entsprechend ausgerüstet und dem Ladeprozess gewidmet werden. Was bereits existiert, aber stärker gefördert werden sollte, ist die Verknüpfung von nachhaltigen Verkehrsmitteln, beispielsweise die Ausstattung von Park-and-Ride-Parkplätzen an Bahnhöfen mit Ladeinfrastruktur.

4. Attraktivierung durch Förderungen

Eine optimale Steuerungsmöglichkeit für die Energiewende und den Ausbau der E-Mobilität bietet unter anderem die Kraftstoffverordnung (KVO) – sofern sie ausgebaut und verschärft wird. Die KVO regelt unter anderem, wie Inverkehrbringer von fossilen Kraftstoffen Treibhausgase kompensieren müssen. Der zu leistende Ausgleichsbetrag, wenn CO2-Ziele verfehlt werden, beträgt derzeit 15 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent. Zum Vergleich, der entsprechende Ausgleichsbetrag in Deutschland beträgt 600 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent. Unabhängig davon ist es im aktuellen Marktumfeld schwierig bis kaum möglich, Ladestationen kostendeckend zu errichten bzw. zu betreiben. Aus diesem Grund müssen Förderprogramme für öffentliche Ladestationen aufrechterhalten werden, um eine flächendeckende Infrastruktur bereitstellen zu können – auch wenn diese noch nicht wirtschaftlich ausgelastet werden kann.

5. Ausbildung von Fachkräften

In der Elektromobilität wird wie in allen digitalen Branchen intensiv nach qualifizierten Fachkräften gesucht, hierbei insbesondere Fachleute in der IT sowie der Elektrotechnik. Zum einen braucht es Ausbildungsprogramme und Lehrgänge für Berufe mit elektrotechnischem Hintergrund. Selbiges muss auch in Form von Bildungs- bzw. Studienwegen für IT-Berufe erfolgen. In beiden Fällen sollten bereits Spezialisierungen für die branchenspezifischen Anforderungen der E-Mobilität angeboten werden. Zum anderen muss der Anwerbung von ausländischen Fachkräften stark vereinfacht werden (vereinfachter Zugang zur Rot-Weiß-Rot-Karte, Klassifizierung als Mangelberufe bzw. systemkritische Berufsgruppen).

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