E-Mobility
09.09.2018

Mercedes EQC: Das Zehn-Milliarden-Projekt

Wie die Marke auch bei der E-Mobilität künftig eine Führungsrolle einnehmen will.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um mit einem eigenen, reinen E-Modell in den Ring der E-Mobilität zu steigen und den bisherigen Vorreitern auf dem Gebiet, die vor allem aus Frankreich, den USA und China kommen, Paroli zu bieten. Und um künftig auch auf diesem Gebiet, so Entwicklungsvorstand und voraussichtlich künftiger Daimler-Chef Ola Källenius, „eine Führungsrolle“ einzunehmen.

Der erste reine Elektro-Mercedes heißt EQC und ist ein knapp 4,8 m langer SUV. In solchen Fahrzeugen sind sowohl die großen und schweren Batterien wie ihr hoher Preis leichter unterzubringen. Zudem wächst das Kompakt-SUV-Segment weltweit.

- Start Begonnen wurde mit der Entwicklung 2015. Mercedes konnte dabei schon auf jahrzehntelange Erfahrung mit E-Fahrzeugen aufbauen. Schon in den 1970er-Jahren wurden E-Transporter gebaut. Sie hatten auch Tauschbatterien, ein Konzept, das Jahrzehnte später Shai Agassi auch für moderne E-Autos einführen wollte, damit aber Schiffbruch erlitt. In China gibt es nun neue Versuche.

- Innovation Grundsätzlich erfindet Mercedes mit dem EQC die Stromwelt nicht neu. Zu den Innovationen zählen etwa außen neue Lichtbänder vorne und hinten sowie der erstmals beleuchtete Mercedes-Stern. Auch der Kühlergrill wurde beibehalten, obwohl bei einem E-Auto ohne Funktion. Er sei unerlässlich für das „Gesicht“ des EQC.

Auf die Frage, ob Mercedes ohne Tesla nicht noch länger mit einem reinen E-Auto gewartet hätte, meinte Källenius bei der Vorstellung des EQC in seiner Heimatstadt Stockholm: „Es gibt grundsätzlich einen Trend zur -Reduktion. Der Schneeball wurde geworfen und die Lawine losgetreten.“

- Keine Abstriche Der EQC liefert sich mit dem Model X von Tesla weder vom Aussehen noch von den Batterien her ein Wettrennen. Stattdessen betonte Källenius, dass es beim EQC keine Abstriche bei Mercedes-Tugenden gebe. Der EQC wurde sogar „Schlechtstromqualitäten“ ausgesetzt wie Verbrennungsmotoren diversen „Schlechtkraftstoffen“.

- Digitalisierung Stark genützt wurden bei der Entwicklung die neuen Möglichkeiten durch die Digitalisierung. Die Entwicklung des nächsten Elektro-Modells könne dank der neuen Technologien bereits um neun Monate verkürzt werden, so Källenius.

In den nächsten Jahren will Daimler 10 Mrd. Euro in die Entwicklung neuer E-Fahrzeuge investieren, dazu gehören auch einige Batteriewerke, nicht aber eine eigene Batteriezellenproduktion. Da ist Mercedes wie alle EU-Autohersteller voll von asiatischen und US-Lieferanten abhängig. Gebaut wird der EQC im Werk Bremen, wo unter anderem auch der GLC vom Band läuft, was auf die Nähe des EQC zum GLC schließen lässt.

Die neuen elektronischen Möglichkeiten werden auch im Cockpit des EQC genützt. Er erhält das neue Multimediasystem MBUX. Großer Wert wurde auf eine erweiterte Sprachbedienung gelegt. Die Technik könne erkennen, ob der Lenker oder der Beifahrer spricht und dann etwa die Heizung punktgenau ausrichten. Die Anzeigen erfolgen auf dem gleich breiten Bildschirm (10 Zoll) wie in der A-Klasse, er ist Serie.

Der EQC soll nicht nur elektrisch fahren, sondern sich auch „elektrisch“ anfühlen. Wobei Källenius in einer Diskussionsrunde am Rande der Vorstellung erzählte, dass er selbst als Entwicklungsvorstand nicht alle Funktionen im Auto sofort verstehe. Aber man könne sich alles erklären lassen, digital wie analog.

Teil der EQC-Strategie ist Nachhaltigkeit. Die Sitze in Sportmaterialdesign bestehen zum Teil etwa aus recycelten PET-Flaschen. Wer im EQC-Sitz schwitzt, leistet also einen Beitrag für die Umwelt, könnten Lästermäuler behaupten.

- Batterien Ganz traditionell ist der Speicher, eine Lithium-Ionen-Batterie mit Pouch-Zellen. Für die Idee eines Teilnehmers, die Batterie durch Solarzellen zu ersetzen, sah Källenius mittelfristig keine Zukunft. Vorher müssten Solarzellen 22 kW pro Stunde liefern können.

- Laden Auch beim Laden bleibt der EQC traditionell, nämlich beim Kabelladen mit Wechsel- oder Gleichstrom. Daimler ist Partner des Schnellladeprojektes Ionity, das bis 2020 400 Schnellladestellen in Europa anpeilt. Bereits installiert sind laut Mercedes derzeit sechs (in Deutschland, Frankreich und der Schweiz). Zudem ist ein eigenes Roaming-Projekt für Laden mit einer Karte bei verschiedenen Anbietern geplant, das 2019 auch für Österreich erwartet wird.

Für induktives Laden ist der EQC nicht vorgesehen. Sinn mache diese Variante nur mit 7 kW Leistung und da hätten viele Eigenheim-Besitzer Angst vor der Strahlung.

Mercedes EQC: Die Technik (vorläufige Angaben)

Maße L x B x H 4761 x 1884 x 1624 mm, Radstand 2873 mm, Laderaum ca. 500 l. Gewicht ab 2425 kg, Gesamtgewicht 2930 kg, Zuladung 505 kg, Anhängelast 1800 kg.

Antrieb 2 Asynchron-E-Maschinen, gesamt 300 kW/408 PS, 765  Nm, Allradantrieb. Lithium- Ionen-Batterien, 80 kWh, 650 kg.

Fahrleistung/Verbrauch Spitze 180 km/h, 0–100 in 5,1 sec, Reichweite (neue Norm WLTP): ca. 400 km. Stromverbrauch (alte Norm NEFZ): 22,2 kWh/100 km.

Laden Für Wechselstrom (7,4 kW) und für Gleichstrom (Schnellladen mit bis zu 110 kW) geeignet. Mit Schnellladen 80 % Ladestand in rund 40 min. Kein induktives Laden vorgesehen.

Start Sommer 2019.

Preis Steht noch nicht fest.