E-Mobility
13.03.2018

Schnellladen für Elektroautos: Fehlende Infrastruktur

Die Herausforderungen des Schnellladens an Autobahnen

„Ohne Steckdose keine Elektroautos“ titelte vor einiger Zeit ein deutsches Magazin. Heute stehen 46 Mio. Pkw in Deutschland 14.500 Tankstellen zur Verfügung, für eine Million E-Autos, die Deutschland bis 2020 auf der Straße haben will, muss eine entsprechende Infrastruktur aber erst geschaffen werden. Das gilt auch für Österreich.

-Schnellladen Unerlässlich für die Einsatzfähigkeit von E-Autos auch auf längeren Strecken sind Schnellladestationen an Autobahnen. Nils Kreth von der TU Clausthal untersuchte, mit welchen Problemen und Kosten dabei zu rechnen ist. Die Ergebnisse zeigte er im Feber auf dem Energiekongress „EnInnov“ der TU Graz.

Derzeit hat Deutschland 35.000 Batterie-elektrische Pkw, bis 2030 sollen es 6 Mio. sein. Dafür müssen, so Kreth in seinem Rechenbeispiel, 7100 Schnellladestationen mit 350 kW Ladeleistung errichtet werden, wo innerhalb von 15 Minuten 70 kWh geladen werden können. Damit ist ein Anschluss an ein Mittelspannungsnetz Voraussetzung.

 

-Speicher vor Ort An wenig befahrenen Autobahnen, wo lange Kabel zum nächsten Umspannwerk nötig sind, sei ein Batteriespeicher mit 50 kWh bis 1,8 MWh vor Ort günstiger. Die Lebensdauer des Energiespeichers wird mit 10 Jahren angenommen. Dieses System sei auch modular aufbaubar, allerdings geht beim Stromspeichern Energie verloren.

Für große Tankstellen in einem gut ausgebauten Stromnetz, wo nur kurze neue Leitungen verlegt werden müssen, käme ein Netzausbau billiger (siehe Grafiken). Nachteilig ist die geringe Auslastung der Betriebsmittel.

-Direktversorger Interessant hält Kreth Schnellladestationen direkt bei Wind- oder Solarparks. Dort gebe es garantiert grünen Strom. Das System könne baukastenförmig gestaltet werden, ab 20 MW installierter Leistung sei es billiger als die beiden anderen Varianten. Allerdings ist die Lage nicht immer vorteilhaft und die Frequenz somit unsicher. Und es müsse dafür ein eigenes Netz aufgebaut werden.

Kosten

Kabelverlegen: Für Schnellladestationen an Autobahnen rechnet man in Deutschland pro  km mit ca. 80.000 €, in Österreich laut EVN-Sprecher Stefan Zach je nach Bodenbeschaffenheit mit netto 100.000 bis 150.000€.
Trafostation: Nils Kreth, TU Clausthal, geht in Deutschland von 30.000 € aus, die EVN pro Trafostation für größere Ladepunkte mit netto 70.000 bis 150.000 €.
CO2-Bilanz: Die Ökobilanz eines Kleinau-tos mit Diesel: 100 g/km , E-Antrieb mit deutschem Strommix: ca. 140 g/km , mit Ökostrom: weniger als 20 g/km .