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© Volvo

E-Mobility
01/31/2020

Volvo: Die Schweden machen Ernst mit der Elektrifizierung

2025 soll jeder zweite verkaufte Volvo rein elektrisch fahren. Was Volvo neben dem XC40 Recharge plant und warum Strom im ersten Jahr für Plug-in-Hybridfahrer gratis ist.

von Maria Brandl

In Mailand wurde das bisher kleinste SUV, der XC40, geboren, so Volvo. In Mailand fand vor Kurzem auch die große Europa-Präsentation der batterieelektrischen Version des XC40, des XC40 Recharge, statt. Er ist der erste vollelektrische Volvo, jährlich soll ein weiterer folgen.   Bis 2025 soll weltweit die Hälfte  aller verkauften  Volvos einen batterieelektrischen Antrieb haben. 

Beim XC40 Recharge handelt es sich dabei um eine Topversion mit elektrischem Allradantrieb und einer Systemleistung von 402 PS und 660 Nm, die den 2,2-Tonner in weniger als 5 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigt (siehe technische Daten). Die 78 kWh-Batterien erlauben eine Norm-Reichweite von mehr als 400 km, soweit die vorläufigen Daten.

Der Volvo XC40 befindet sich damit in guter Gesellschaft mit der deutschen Konkurrenz. Später werden Versionen mit Frontantrieb und kleineren Batteriepaketen folgen, so Björn Annwall, Volvo-Sprecher. Genaueres wollte er aber nicht verraten.

-Batterien Die rund 500 kg schweren, flüssigkeitsgekühlten Batterien befinden sich im Unterboden und erforderten entsprechende Anpassungen bei der Vorder- und der Hinterachse sowie bei der Dämpfung. Die Reifen sind hinten breiter als vorne. Die Gewichtsverteilung ist nun dank Batterien optimal 50:50 zwischen vorne und hinten.

Anhänger-Betrieb

Sehr stolz ist Volvo, dass der Elektro-XC40 bis zu 1,5 Tonnen Anhängelast schafft, das sind nur 100 kg weniger als bei der Minimalanhängelast der „normalen“ Version. Das mache ihm in seiner Klasse keiner nach. Die Bodenfreiheit ist mit 175 um 36 mm geringer als bei der „normalen“ Version, auch das Ladevolumen ist etwas eingeschränkt (siehe technische Daten). Anders als seine Brüder hat der E-XC40 vorne anstelle des Verbrennungsmotors ein rund 30 Liter großes Gepäcksfach mit Deckel. Der Innenraum für die Passagiere wird laut Volvo durch die Batterien nicht geschmälert.
 
-Laden Die Garantie für die Batterien beträgt die üblichen 8 Jahre bzw. 160.000 km. Geladen werden kann er mit Schukostecker oder an der Wallbox bzw. Ladestation mit Wechselstrom (dreiphasig) oder mit 150 kW an Schnellladestationen mit Gleichstrom. Dort können die Batterien, deren Zellen vom koreanischen Hersteller LG Chem kommen, in 40 Minuten zu 80 % geladen werden, an der Wallbox mit 11 kW dauert eine 100-%-Ladung knapp 8 Stunden.

Der erste batterieelektrische Volvo bietet neben dem abgasfreien Fahren noch weitere Neuheiten: So verfügt er als Erster über eine Sensor-Plattform, die alle Helferlein vereinigt, die für die immer zahlreicheren Fahrassistenten eingesetzt werden. Die Sensoren „verstecken“ sich etwa unter dem auffallenden Kühlergrill des Elektro-XC40. Die Software dafür kommt von Zenuity, eine Firma, an der Volvo beteiligt ist.

-Digitalisierung Premiere im Elektro-XC40 feiert Google-Android-Infotainment-System samt Google Assist, Google Maps und Google Play Store. Volvo und Google arbeiten seit Jahren zusammen. Allein durch die Sprachbedienung von Klimatisierung, Navigation oder Musikdiensten soll der Lenker entlastet werden. Die Google-Dienste sollen schrittweise für alle Volvos verfügbar sein.

Der Elektro-XC40 ist zudem der erste Volvo, der Software- und Betriebssystem-Updates wie Smartphones „over the air“  (drahtlos über den Äther) erhält. Wie dies genau erfolgen wird und was passiert, wenn etwa das Auto gerade in Gegenden mit schlechtem Empfang unterwegs, wo keine großen Datenmengen empfangen werden können, konnte der Volvo-Sprecher noch nicht beantworten.

Plug-in-Hybrid

Volvo hat bereits mehrere Plug-in-Hybridversionen im Programm, vor Kurzem wurde in Wien auf dem Rathausplatz auch der XC40 mit Hybridantrieb zum Anstecken gezeigt. Marktstart ist heuer im Sommer. Seine E-Reichweite soll bis zu 50 km betragen.

Plug-in-Hybride sind für Volvo Türöffner zur reinen E-Mobilität, da sie die Kunden an das elektrische Fahren gewöhnen und zugleich die gewohnte Reichweite erlauben. Um die Kunden zu animieren, möglichst oft die Batterien zu laden und somit Kurzstrecken elektrisch zurückzulegen, ersetzt Volvo Plug-in-Hybridkunden die Stromkosten für das Laden im ersten Jahr. Eigene Ladestellen will Volvo aber nicht errichten, Volvo habe auch keine Benzintankstellen gebaut.

Die Nachfrage nach diesem Antrieb ist bei Volvo in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass heuer die Produktionskapazitäten verdreifacht werden. Das Ziel für Europa lautet für 2020, einen Plug-in-Hybrid-Anteil von 25 % zu erreichen. Ähnlich hoch soll der Anteil des rein elektrischen XC40 im Folgejahr sein, wenn er voll verfügbar ist. Bei den anderen Antrieben (Benziner, Diesel, Mild-Hybrid-Antrieb) rechnet der Volvo-Sprecher mit einem Rückgang. In Österreich erwartet Volvo 2020 beim XC40 einen Plug-in-Hybrid-Anteil von 20 %, der 2021 auf 30 % steigen soll. Den batterieelektrischen Anteil bei XC40 schätzt man mit 15 % 2021 halb so hoch ein.

Alle Antriebe mit Ladekabel fasst Volvo künftig unter dem Sammelbegriff „Recharge“ zusammen, also alle batterieelektrischen und Plug-in-Hybrid-Versionen.

Ausblick

Obwohl Volvo vor Jahren als einer der Ersten ein induktives Ladesystem vorstellte, ist derzeit keines in Planung. „Zu teuer und zu aufwendig“, meinte lapidar der Volvo-Sprecher. Für die Markteinführung sei es kein entscheidendes Merkmal, es diene allein dem Komfort.

Zukunftsmusik sind für Volvo auch die von vielen als großer Hoffnungsträger gepriesenen Feststoffbatterien, die eine viel geringere Brandgefahr als aktuelle Lithium-Batterien aufweisen und zudem höhere Reichweiten erlauben.

Ebenfalls warten müssen Interessierte auf Modelle von Polestar, der Luxusmarke von Volvo. Vorerst ist kein Österreich-Start von Polestar geplant.

XC40 Recharge

Batterieelektrischer Antrieb mit E-Motor vorne und hinten (je 150 kW); E-Allradantrieb, max. Leistung 300 kW/ 402 PS, 660 Nm. 0–100 in 4,9 sec, Spitze 180 km/h, 78 kWh-Batterien, E-Reichweite laut EU-Norm WLTP mehr als 400 km (vorläufige Daten). Laden: dreiphasig mit Wechselstrom, Schnellladen mit 150 kW (Gleichstrom), Gewicht ab 2150 kg, Gesamtgewicht 2680 kg, Bodenfreiheit 175 mm, Ladevolumen 413 l  hinten + 31 l vorne, 
Anhängelast 1500 kg. 
Marktstart in Österreich: 
1. Quartal 2021.
Preis: ab ca. 52.000 € netto. 

XC40 T5 Twin Engine

Plug-in-Hybrid mit Dreizyl.-Turbobenziner (180 PS, 1,5 l Hubraum) und 82-PS-E-Motor. Systemleistung 262 PS, 425 Nm, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb, E-Reichweite laut EU- Norm WLTP bis zu 50 km,  in g/km 50–56. Ladevolumen 460–1336 l.
Marktstart/Österreich: Sommer 2020.
Preis: ab 45.700 € brutto.

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