EMobility
19.06.2016

Hoverboards gleiten in der Grauzone

Immer mehr Menschen fahren mit Elektro-Boards auf der Straße. Legal ist das nicht.

Nur ein leises Surren kündigt ihn an. Wenige Augenblicke später kommt Peter Forstner hinter dem Gewächshaus in Alterlaa hervor. Der Anblick irritiert im ersten Augenblick – denn Forstner scheint sich regungslos fortzubewegen. Erst bei genauerem Hinsehen fällt der Blick auf das Elektro-Board unter seinen Füßen. Die sogenannten "Self Balancing Boards" mit Elektromotor und ohne Lenkstange sieht man immer häufiger – auch auf Wiens Straßen.

Peter Forstner bietet diese Geräte, die an "Zurück in die Zukunft" erinnern, seit einem Jahr in seinem "Funshop" an. Die meisten Käufer seien zwischen 8 und 25 Jahren. Wer möchte, kann das Fahren mit den Boards bei ihm in Alterlaa üben.

Fahren Wie Justin

Den ersten richtigen Boom habe Forstner vergangenen Dezember erlebt. "Viele Mädchen sind mit Fotos von Justin Bieber auf einem Hoverboard gekommen und haben gesagt: ,So etwas möchte ich auch haben." Denn die E-Board-Firma IO habe es schlau gemacht, erläutert Forstner, und Hollywood-Stars mit dem Hoverboard ausgestattet – in der Annahme (die sich bewahrheitet hat), dass treue Fans dieses Spielzeug auch besitzen wollen.

Doch das Problem mit diesen Geräten: Fahren darf man laut StVO damit nur auf Privatgrund oder in Wohnstraßen – nicht jedoch auf der Straße oder am Gehsteig. Dem Youtube-Star Azad brachte das Fahren mit so einem Board auf der Straße in Deutschland kürzlich eine Strafanzeige ein.

Ein Wiener, der so gut wie täglich mit einem Solowheel (einem Einrad, das bis zu 40 km/h fahren kann) unterwegs ist und seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, berichtet dem KURIER von einem bis dato "äußerst positiven Austausch" mit Polizisten. "Viele fragen interessiert, was das denn genau ist und kann."

Bedenklich

Die Autofahrerclubs beobachten die Entwicklung jedenfalls mit Sorge. ARBÖ-Sprecher Sebastian Obrecht dazu: "Es ist äußerst bedenklich, wenn Personen auf diesen Geräten durch die Gassen glühen." Der Gesetzgeber sei gefordert, rasch klare Regeln aufzustellen.

Auch Gregor Bartl vom Institut "Gute Fahrt" mahnt zur Vorsicht: Er bezweifelt, dass die Fahrer die Geschwindigkeit, mit der sie unterwegs sind, richtig einschätzen können. Und: "Wir sehen nicht mit den Augen, sondern mit dem Gehirn. Wenn wir etwas Ungewöhnliches wahrnehmen, erschrecken wir – das erhöht die Unfallgefahr."

Wenn es tatsächlich zu einem Zusammenstoß auf der Straße kommt, stehen die Nutzer der "Self Balancing Boards" vor einem gravierendem Problem. Da sie mit einem Gerät unterwegs sind, das nicht für die Straße zugelassen ist, wird die Versicherung etwaige Unfall- und Folgekosten nicht übernehmen.

Funshop-Besitzer Peter Forstner kann die Aufregung nicht nachvollziehen: Der Verkaufsklassiker, das Angelboard, fahre maximal 12 km/h. "Es ist ein Spiel- und Spaßgerät wie das Skateboard. Und das ist am Gehsteig ja auch verboten." Zudem werden Gleichgewichtssinn und Koordination bei den Elektro-Boards besonders gefordert und gefördert. Forstner wünscht sich daher, dass die Boards für Radwege zugelassen werden.

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