Baden Fahrrad Mountainbike Fahrradhändler christian Pfannberger

© KURIER/Markus Foschum

Radfahren
03/04/2017

Stylisch und elektrisch: Der Trend auf zwei Rädern

200 Jahre nach Erfindung des Fahrrads boomt der Markt. Sechs von zehn Österreichern treten zumindest ab und zu in die Pedale – immer öfter mit Elektro-Hilfe. Und dafür gibt man gerne einiges aus.

von Markus Foschum

Sogar im Stand drückt diese Rennmaschine ( Fahrrad kann man da schwer sagen) nur eines aus: Geschwindigkeit. Mattschwarzer Carbonrahmen, gefährlich dünn anmutende Reifen, innenliegende Schalt- und Bremszüge. "Heb es mal auf", sagt Christian Pfannberger lächelnd. Ganze viereinhalb Kilo bringt der Renner auf die Waage. Von "Drahtesel" ist da keine Spur mehr.

Pfannberger betreibt in Baden (NÖ) seit einem Jahr ein Rad-Fachgeschäft. Bei dem ehemaligen Staatsmeister finden Bike-Freunde keine Massenware, sondern gehobene Qualität zum gehobenen Preis. Doch der ist kein Problem. "Die teuersten Modelle verkaufen sich fast am besten. Bei den E-Bikes etwa ist die Kategorie um rund 5000 Euro unser Bestseller", erklärt Pfannberger. Die günstigsten Räder gibt es ab 2700 Euro.

Neben den Gravel-Bikes (Rennräder mit breiteren Reifen) sind E-Bikes überhaupt das Thema. Da führt derzeit kein (Rad-)Weg vorbei. "Fast jeder, der damit eine Probefahrt macht, kauft dann auch eines", meint Pfannberger. Vor allem bei Trekking- und Mountainbikes ist die Unterstützung der Muskelkraft durch den Elektromotor beliebt. "Oft sind es Leute, die nur ab und zu fahren. Man kann damit Strecken und Höhenmeter bewältigen, die sonst nicht möglich wären. Und wenn man zu zweit oder in Gruppen unterwegs ist, gleicht das E-Bike Leistungsunterschiede aus. Und mit den derzeit aktuellen breiteren Reifen fährt man über Wurzeln drüber, als ob sie nicht da wären." Die "normalen" Fahrräder verkaufen sich – vor allem im sportlichen Bereich – zwar auch weiterhin gut, die E-Bikes "entwickeln sich aber fast schon zu unserem stärksten Segment", sagt Pfannberger.

Elektrisierend

E-Bikes sind natürlich nicht nur in Baden der Renner, sondern österreichweit. "Das Pedelec (Anm., Pedal Electric Cycle) hat seinen Imagewandel weg vom Seniorenfahrzeug bereits abgeschlossen. Der Markt ist kontinuierlich und stark steigend", analysiert etwa der Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ). Mehr als 80.000 E-Bike-Käufer im Vorjahr können nicht irren. Dieser Trend elektrisiert auch generell den Fahrradmarkt. Denn während seit einigen Jahren die Gesamtverkäufe auf hohem Niveau von rund 400.000 Rädern stagnieren, erlebt das E-Bike einen steilen Höhenflug.

"Im Jahr 2015 wurden in Österreich pro Million Einwohner rund 8980 E-Fahrräder verkauft. Das ist in Europa nach den Niederlanden und Belgien der dritte Platz. Insgesamt sind in Österreich bereits mehr als 300.000 Elektro-Fahrräder im Einsatz", sagt Markus Gansterer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Und nicht nur in der Freizeit erobert sich das E-Bike seinen Platz, sondern "auch im Alltag. Immer mehr fahren damit etwa auch in die Arbeit, weil man so nicht ins Schwitzen kommt. Außerdem haben es die Hersteller geschafft, dass die E-Fahrräder nun auch cool ausschauen", sagt Gansterer.

Nicht nur die E-Bikes sind cool, das Radeln hat generell sein Image entstaubt. "Das Fahrrad wird immer mehr vom reinen Fortbewegungsmittel zum Lifestyle-Produkt und Statussymbol und damit zum Autoersatz", heißt es etwa in einer Studie der MODUL University Vienna von 2015. Eng damit hängt zusammen, dass Radfahren im Alltag nicht mehr nur auf Menschen zutrifft, die entweder sehr sportlich sind oder sich kein Auto leisten wollen (können). "Die Einteilung der Bevölkerung in ,die Autofahrenden‘ oder die ,Radfahrenden‘ ist nicht mehr zeitgemäß. Auch 60 Prozent der Autofahrenden nutzen das Fahrrad als Verkehrsmittel im Alltag", heißt es in einer VCÖ-Studie.

Lasten und Falten

Das Fahrrad unterstreicht die eigene Persönlichkeit und Individualität, auch weil der Handel für die verschiedensten Nischen Fahrräder anbietet. "Ein Segment, in dem sich derzeit einiges tut, sind Transportfahrräder", sagt VCÖ-Experte Markus Gansterer. Genutzt werden sie einerseits in der Wirtschaft, etwa bei Zustelldiensten, andererseits aber auch von Familien. "In Kopenhagen etwa hat schon jede vierte Familie ein Transportfahrrad", sagt Gansterer.

Stark im Kommen sind derzeit auch Falträder (nicht zu verwechseln mit Klapprädern). "Besonders im urbanen Bereich sind sie immer beliebter. Man kann sie gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln kombinieren, weil sie klein zusammenklappbar sind und man sie problemlos in Straßenbahn und U-Bahn mitnehmen kann", sagt Gansterer.

Generell gilt: Radfahren liegt im Trend. Sechs von zehn Österreichern im Alter von 16 bis 69 Jahren treten im Alltag in die Pedale.

Hier zurück zum Themenschwerpunkt.

Urlaub auf zwei Rädern: Das Angebot wird immer größer

"Jeder fünfte Gast fährt zumindest einmal im Urlaub mit dem Rad, bei den Urlaubsarten liegt der Radurlaub auf Platz fünf. Radfahren hat in Österreich im Tourismus große Bedeutung", sagt Klaus Bichler von der Österreich Werbung.

Ein Klassiker im Angebot ist der Donauradweg. Die 330 Kilometer lange Route von Passau bis Wien erfreut sich auch mehr als 30 Jahre nach Gründung steigender Beliebtheit. 2016 waren hier gesamt 682.000 Radfahrer unterwegs – ein Plus von 6,4 Prozent zum Vorjahr. Davon waren 177.000 Gäste mehrtägige Urlauber, 119.000 Kurzurlauber, 226.000 Tagestouristen und 279.000 Alltagsradler. Und der Rad-Tourismus zahlt sich aus: 57 Euro werden pro Tag und Kopf bei mehrtägigen Radtouren ausgegeben, bei Kurzurlaubern sind es 73 Euro.

Ein weiteres Zielpublikum sind die Mountainbiker. Mehr als 800.000 Urlauber wollen mit dem Radl die österreichischen Berge kennenlernen. Als Vorbild gilt dabei Tirol mit seinem Mountainbikemodell 2.0: Durch die Freigabe von Wald- und Almwegen stehen 5345 Kilometer an Mountainbike-Routen zur Verfügung, 186 Kilometer an Singeltrails und 50 Bergbahnen bringen die Sportler in luftige Höhen.

Stark auf den Radtourismus setzen will künftig auch der Wienerwald in Niederösterreich. Von Schaffung des "E-Bike-Paradieses Wienerwald" spricht dabei der Geschäftsführer der Tourismusdestination, Mario Gruber. 800 Kilometer Mountainbike-Routen gibt es bereits im Wienerwald, doch diese sind großteils seit Jahren unverändert. "Das Angebot soll von der Streckenlänge her nicht groß verändert werden, aber attraktiver gemacht werden. Die Mountainbiker wollen nicht nur auf Waldwegen fahren", sagt Gruber.

Die Möglichkeiten werden noch heuer untersucht, auch die in die Jahre gekommene Beschilderung wird dann erneuert. "Angedacht sind zudem 15 reine Mountainbike-Trails sowie E-Bike-Verleihstationen an zehn Standorten in der Region", sagt Gruber. Zudem soll es künftig auch verstärkt geführte Mountainbike-Touren geben, in Kombination mit Angeboten der Vermieter der Region. Zwei bis drei Jahre plant man für die Umsetzung.