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Bauers Fahrtenbuch

Revolutionäre Batterie – produziert mit Strom aus der Steckdose

Keine Antwort ist auch eine Antwort. Notizen zum Lokalaugenschein in China zwischen Batterie-Produktion, Strom aus Kohle und düsteren Erinnerungen

von Horst Bauer

07/28/2023, 03:00 AM

Die Antwort war ernüchternd. Nachdem sehr beflissene und kompetente Mitarbeiter des chinesischen Batterie- und Auto-Herstellers BYD der kleinen Delegation aus europäischen Fachjournalisten die Produktion der revolutionären Blade-Batterie im riesigen Werk in Bishan bei Chongqin bis ins letzte Detail erklärt hatten, brachte sie eine simple Frage aus dem Konzept:

Wo denn die Energie herkomme, die für die Produktion der Batteriezellen gebraucht werde?

Die entwaffnende Antwort lautete schlicht: „Aus dem Netz.“ Also quasi aus der Steckdose.

Die Nachfrage, wie hoch denn der Anteil erneuerbarer Energie an der „im Netz“ gelieferten Stromproduktion sei, ging ebenfalls ins Leere.

Worauf die begleitende, mit den Eigenheiten europäischer Journalisten und deren Schwerpunktthemen besser vertraute PR-Truppe versuchte, die Situation zu retten. Der Hinweis, dass sich in der Nähe des Werks ja ohnehin der große Drei-Schluchten-Staudamm befinde, wo viel Strom aus Wasserkraft produziert werde, löste bei den Europäern aber eher Bilder von der mit dem Bau verbundenen gigantischen Umweltzerstörung aus, als das Thema zu entschärfen.

Die Episode nur auf schlechte Vorbereitung von auf andere Themen spezialisierte Mitarbeiter zu schieben, greift jedoch zu kurz. Zumal der BYD-Konzern, der sich gerade anschickt, den europäischen Elektroautomarkt zu erobern, dabei seinen Anteil zur Begrenzung des durch den Klimawandel bedingten Temperaturanstiegs auf der Erde als Werbebotschaft vor sich herträgt.

Denn auch beim Besuch der BYD-Zentrale in Shenzhen war zum Thema Nachhaltigkeit wenig Konkretes zu erfahren. Beim Briefing der europäischen Journalisten durch Manager aus der chinesischen Konzernführung und der europäischen Importorganisation ließ Brian Luo, vorgestellt als Assistent von Konzerngründer Wang Chuanfu, entsprechende Fragen mit vielen umschreibenden Worten unbeantwortet. Ein konkretes Zieldatum, bis wann BYD plane, C02-frei zu produzieren, war ihm nicht zu entlocken.

Auch wenn solche freiwilligen Verpflichtungen, die bei europäischen Autoherstellern inzwischen zum Standardrepertoire der Konzernkommunikation zählen und als Marketing-Strategie eingesetzt werden, von der damit umworbenen Kundschaft nicht überprüfbar sind. Ganz ohne irgendeine verbindliche Perspektive in diese Richtung nennen zu können, wird es über kurz oder lang auch für die chinesischen Hersteller bei ihrem Feldzug nach Europa wohl nicht gehen.

Nur billiger zu sein als die eingesessene Konkurrenz und ihr gegenüber batterietechnische Vorteile zu haben, dürfte gerade bei der auf Klimathemen sensibilisierten Kundschaft von E-Autos in Europa auf Dauer nicht reichen.

Die könnte sich nämlich bald daran stoßen, dass die tollen Batterien letztlich mit einem verheerenden Strommix produziert werden. Laut des aktuellen 5-Jahres-Plans der chinesischen Regierung sollen erneuerbare Energiequellen bis 2025 nur 33 % des gesamten Strombedarfs des Landes decken. Der überwiegende Rest wird weiterhin aus der Verbrennung von Kohle gewonnen werden.

Das relativiert nicht nur die Werbeaussagen der chinesischen Hersteller über die Klimarelevanz ihrer Elektroautos für Europa.

Es lässt in mir auch Bilder aus dem Jahr 2006 auftauchen, als Mercedes mit einer Flotte von E-Klasse-Modellen vom Pariser Autosalon zur Autoshow in Peking fuhr und die Etappe in China zum Teil durch das Kohlerevier in der Inneren Mongolei führte. Zwischen den Millionenstädten Yinchuan und Wuhai zeigte sich dabei ein apokalyptisches Bild.

Zitat aus dem Reisetagebuch: „Die Luft ist geschwängert mit Kohle, Ruß und anderen Substanzen. Die ganze Gegend liegt unter einer dichten Smogwolke und selbst auf und neben den Straßen liegt Kohlenstaub in rauen Mengen, der bei jedem der vorbeifahrenden (Kohlen-) Laster wieder aufgewirbelt wird, welche die Kraftwerke mit Brennstoff versorgen.“

Auch wenn inzwischen einige Jahre vergangen sind und für die Bewohner der Gegend zu hoffen ist, dass sich die Bedingungen in dem Kohlerevier mit seinen Kraftwerken und Chemiefabriken verbessert haben. Die Ankündigung Chinas, neben dem Ausbau der Photovoltaik weitere Kohlekraftwerke zu bauen, um den steigenden Strombedarf zu decken, nagt doch nachhaltig am Glauben an der Klimaretter-Heilsbotschaft vom Elektroauto mit chinesischen Batterien.

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