meinung
10/04/2019

Der Diesel ist tot, es lebe der Diesel

So einfach ist der Diesel nicht zu ersetzen.

von Maria Brandl

Die vergangenen Jahre waren für die europäische Autowelt turbulent. Die Gesetzgeber führten ungewohnt rasch deutlich strengere Grenzwerte ein, diese werden Jahr für Jahr verschärft. Die jüngste Änderung trat mit 1. September dieses Jahres in Kraft.

Gleich blieb dabei die EU-Vorgabe punkto Flottenverbrauchsmittel für Neuwagen von 95 g/km CO2 bis 2020/’21. Das sind 4 Liter Benzin bzw. 3,6 Liter Diesel/100 km – von Beginn an ein ehrgeiziges Ziel. Dabei war da noch keine Rede von neuen Normzyklen mit spürbar höheren Verbräuchen oder von Dieselbetrugsproblemen und damit verbundenem Umstieg auf weniger sparsame Benzinmodelle. Aber die Vorgabe war durchaus als Förderung der E-Mobilität gedacht. Doch bis 2020/’21 scheint diese nicht ausreichend in Schwung zu kommen, um den Flottenverbrauch auf 95 g/km COzu senken.

Wollen die Autohersteller nicht Strafen in Milliardenhöhe an die EU abliefern, müssen sie schnell reagieren. Und da kommt der Diesel wieder ins Spiel, wie eine Fachtagung der TU Graz vor Kurzem zeigte: Er ist inzwischen ausreichend sauber, noch immer viel sparsamer als ein vergleichbarer Benziner und kostet zudem viel weniger als ein E-Antrieb. Folge: In verbrauchsstarken Modellen werden Benzin- wieder durch Dieselmotoren ersetzt, etwa bei Audi S-Modellen. Anderswo werden Händler zu verstärktem Dieselverkauf „motiviert“.

Das wird sich kurzfristig wohl noch verstärken. So einfach ist der Diesel nicht zu ersetzen.