Kommentar
11/28/2019

Die unterschätzte Gefahr

Es braucht dringend Rahmenbedingungen, damit auch in Europa ein großserientaugliches Recycling entsteht.

von Maria Brandl

„Früher brannte ein Entsorgungsbetrieb alle 7 bis 12 Jahre“, so Werner Bleiberger, Geschäftsführer der Kärntner Abfallbewirtschaftung GmbH, auf einer Veranstaltung der Wirtschaftskammer zum Thema Lithium-Batterien. Inzwischen habe sich das radikal geändert. Allein in Kärnten müsse die Feuerwehr im Schnitt einmal pro Woche wegen einer brennenden Lithium-Batterie ausrücken.

Lithium-Batterien sind die neuen Wunderwaffen in vielen Bereichen. Dank ihrer Vorteile, wie der vergleichsweise hohen Energie- und Leistungsdichte sowie sehr langen Lagerfähigkeit, sind sie nicht nur für batterieelektrische Fahrzeuge derzeit konkurrenzlos, sondern finden sich auch in immer mehr Haushaltsgeräten.

Die Nachteile sind vielen weniger bekannt. Zu den gefährlichsten zählt ihre Brandgefahr durch Selbstentzündung, wenn sie etwa mechanisch beschädigt oder zu heiß werden. Das Besondere daran: Lithium-Batterien verbrennen explosionsartig. Heißt, schon kleine Knopfzellen, die nicht im Altbatterie-Behälter, sondern im Papiercontainer entsorgt werden, können Entsorgungs-Lkw, aber auch Entsorgungsbetriebe in Brand setzen. Sogar gelöschte Lithium-Batterien können nach Stunden erneut brennen. Verschärft wird das Problem dadurch, dass viele Kunden nicht wissen, wo Lithium-Batterien überall enthalten sind.

Info-Initiativen wie lithium-info.at sind eine große Hilfe. Aber es braucht mehr. Die Politik muss sich des brennenden Problems annehmen, das sich nicht auf verkohlte E-Autos beschränkt. Es braucht dringend Rahmenbedingungen, damit auch in Europa ein großserientaugliches Recycling entsteht. Und zwar nicht erst in 15 Jahren.

Es geht um mehr Sicherheit für Mensch und Umwelt, um Ressourcenschonung, geringere Kosten, aber auch um neue Geschäftsmodelle.