meinung 10.04.2018

Halbwahrheiten

Die Wahrheit ist meist komplexer, als es die moderne Schlagwörter-Kommunikation vermittelt. Klarstellungen werden als Störung empfunden.

Die weiterverbreitete Botschaft ist immer einfach. Sonst würde sie in den  täglich aus den digitalen Medien strömenden Neuigkeiten  untergehen. In der öffentlichen Wahrnehmung  kommt meist nur ein Bruchteil der Fakten  an. Meist jener, der den Verbreitern am besten in den jeweiligen Kram passt bzw. deren Meinungen  festigt.
So gilt es etwa als fix, dass China voll auf Elektro-Autos setzt und Verbrennungsmotoren dort keine Zukunft hätten. Gerne zitiert, um den europäischen Umgang  mit  E-Autos zu kritisieren. Bleibt man bei den Fakten, dann  ist die Botschaft etwas differenzierter.   Zwar soll der weitere Zuwachs des chinesischen Auto-Marktes von 27 Millionen im Vorjahr auf 35 Millionen im Jahr 2025 von   E-Autos gespeist werden.   Was aber eben  bedeutet, dass  diese  dann rund 15 % des Gesamtmarktes ausmachen werden. Der überwiegende Rest der Neuwagen  wird weiter mit  Verbrennungsmotoren fahren . Weshalb Investitionen in deren Weiterentwicklung wichtig bleiben.
Aber Halbwahrheiten werden auch in anderen Fällen gern genommen. Vor allem, wenn sie zu PR-Zwecken eingesetzt werden  oder die Klickrate von Online-Medien verbessern können. Siehe das Video eines Tesla im angeblichen Autopilot-Modus auf der Höhenstraße. Räumt man den Hype ums autonome Fahren beiseite, bleibt dort auch nur ein Bildausschnitt über, der keine Beurteilung darüber zulässt, ob das Auto nicht ohnehin vom Fahrer selbst gelenkt wurde.

( motor.at ) Erstellt am 10.04.2018