meinung
26.07.2018

Hausverstand

Nicht alle Tempolimits, die auf Expertisen von Sachverständigen zurückgehen, müssen für Praktiker nachvollziehbar sein.

Wundersames hat sich auf der Südautobahn in Kärnten ereignet. Zumindest wenn man seine Schlüsse aus der Faktenlage zieht. Da wurden nämlich nicht nur zwei Tunnel auf dem Teilstück der A2 zwischen Griffen und St. Andrä  saniert, während dessen scheint sich auch der Kurvenradius der Fahrbahn zwischen den Tunnels verändert zu haben. Denn seit diese von der Baustelle befreit ist, gilt dort ein Limit von 100 km/h, wo seit 1986  problemlos Tempo 130 gefahren werden konnte. Begründung der Behörde, so die Asfinag: Laut einem neuen Gutachten sei der Kurvenradius zu gering für Tempo 130.

In Wahrheit hat sich aber natürlich nicht die Straße selbsttätig stärker gekrümmt, sondern die Verordnung, die der Erstellung  von Tempolimits zugrunde liegt, wurde geändert. Und plötzlich gilt als unsicher, was in über 30 Jahren keinen Unfallhäufungspunkt begründet hat. Und das nicht einmal mit Autos, die mit den heutigen hinsichtlich Fahrwerkstechnologie in keinem Punkt mithalten konnten.

Die Expertitis schlägt aber auch in die andere Richtung aus. So wurde auf der durch den Biosphärenpark  Nockberge führenden Nockalmstraße  das 70-km/h-Limit durch den üblichen Landstraßen-100er ersetzt. Ursache – erraten – ein Sachverständigen-Gutachten. Tenor: Es brauche kein niedrigeres Limit, weil  man auf der steilen, kurvigen Straße ohnehin nicht schneller fahren könne.

Schade, dass der Hausverstand von einer Supermarktkette gekapert wurde und als Gegengewicht zu Expertenhörigkeit offenbar zunehmend ausfällt.