meinung
08/22/2019

Kilowattstunde statt Liter

Der Tarif-Dschungel an den heimischen Ladesäulen ist eine der vermeidbaren Hürden auf dem Weg in die Elektro-Mobilität.

von Horst Bauer

Der Zug fährt in Richtung Elektroauto. Zumindest medial und politisch. Bei jenen Kunden, die sich einen modischen Stromer nicht als Dritt-Wagen für sozialprestigeträchtige Ausfahrten zwischen Schule und Golfplatz leisten können, ist er noch nicht angekommen.

Das soll sich, auch nach dem Willen der Autohersteller, ab dem nächsten Jahr ändern, brauchen sie doch jede E-Auto-Zulassung zur Abminderung der Strafzahlungen für einen zu hohen Flottenverbrauchsdurchschnitt. Ob die angepeilte Kundschaft da auch mitspielen wird können, muss sich aber erst zeigen.

Dabei werden sich die Autokäufer nicht nur mit dem Preisvergleich etwa zwischen einem VW Golf und dessen Elektro-Pendant I.D.3 beschäftigen, sondern auch auf den Abrechnungs-Dschungel an den heimischen Strom-Ladesäulen stoßen. Den hat die Arbeiterkammer in einer aktuellen Studie eindrucksvoll aufgezeigt. Ergebnis: Die Konsumenten haben keine Chance, Preise und Angebote der Stromanbieter zu vergleichen. Statt wie an der Zapfsäule klare Preise pro Liter Kraftstoff vorzufinden, wird am Großteil der Ladesäulen nicht pro kWh Strom bezahlt, sondern meist nach – zudem unterschiedlich getakteten – Zeiteinheiten. Dies obwohl die Schnelligkeit der Stromaufnahme vom Ladestand des Akkus abhängt.

Eine zusätzliche Hürde für den allseits gewünschten Siegeszug des E-Autos. Die aber mit etwas politischem Willen zu beseitigen wäre.