meinung
06/14/2019

Unverwundbar

Warum die Autos schrittweise "in Watte" gepackt werden.

Die große Vision für den autonomen Verkehr, die selbstfahrenden Fahrzeuge, sind null Unfälle, null Verletzte im Straßenverkehr.
Einen Beitrag dazu stellte vor Kurzem der deutsche Auto-Zulieferer ZF vor. Er präsentierte das „weltweit erste Pre-Crash-System mit externem Seitenairbag“. Damit könne innerhalb von Sekundenbruchteilen die seitliche Knautschzone eines Autos vor einem Unfall vergrößert werden. Wie eine Matratze schiebt sich dabei ein Sicherheitspolster außen zwischen die zwei Unfallgegner.
Tatsächlich sind die Flanken nach wie vor eine der schwächsten Partien eines Autos bei einem Unfall. In Deutschland geht ein Drittel aller getöteten Fahrzeugpassagiere auf seitliche Unfälle zurück, obwohl sie bei Weitem nicht zu der häufigsten Unfallart zählen. In Österreich ist dies nicht viel anders.
ZF eröffnet mit seiner Weltneuheit ein neues Geschäftsfeld. Nachdem die Innenräume der Autos bereits mit Luftsäcken zugepflastert sind, wird nun das Auto außen „in Watte“ gepackt, mit Luftblasen umhüllt. Das soll nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern wird auch das Geschäft ankurbeln.
Der Algorithmus, der die Auslösung des ZF-Seitenairbags regelt, handelt übrigens nach dem Motto „See. Think. Act“, also „Sehen. Denken. Handeln“. Das sollte eigentlich auch für die menschlichen Lenker gelten. Aber diese geben nur zu gerne die Verantwortung an die Technik ab, wie sich schon jetzt zeigt. Umso mehr, wenn sie sich dann auch noch für unverwundbar halten.
Das ist ein gefährlicher Trugschluss.