meinung
05/07/2019

Nächste Abhängigkeit

Warum Europa seine bewährte Technologieoffenheit nicht über Bord werfen sollte.

von Maria Brandl

Gesunder Wettbewerb ist meist befruchtend. In der Autoindustrie verhalf etwa der Hype um Aluminium als Leichtbaustoff der etwas träge gewordene Stahlindustrie zu ungeahnten Kreativitätsschüben.

Eine gesunde Konkurrenz würde auch dem Batterie-elektrischen Antrieb guttun. Sie wäre zudem eine große Chance für Europa, nicht die Import-Abhängigkeit beim Erdöl durch die nächste Abhängigkeit, nämlich bei den Batteriezellen, zu ersetzen. Derzeit beträgt diese 100 Prozent.

Europa hat viel Erfahrung bei den Alternativen zum Batterie-elektrischen Antrieb, nämlich dem Brennstoffzellenantrieb mit Wasserstoff sowie den synthetischen Kraftstoffen, die mit überschüssigem Ökostrom erzeugt und so auch als Speicher für diesen verwendet werden können. Anderswo, etwa in China, wird dies – auch mit deutscher Technologie –  bereits erfolgreich in Großserie genützt. Asien arbeitet zudem konsequent am Brennstoffzellenantrieb.

Es ist verständlich, dass vor allem die deutsche Autoindustrie, die extrem China-orientiert ist,  voll auf Batterie-elektrischen Antrieb setzt. China verlangt dies für den Marktzugang. Wenn die EU diese Strategie jedoch zur Doktrin erklärt und die Geldströme darauf konzentriert, verbaut sie sich selbst große Chancen: Auf künftige Exporte, auf nachhaltigen Klimaschutz und auf weniger Importabhängigkeit.

Weder wird der weltweite Verkehr 2050 ausschließlich Batterie-elektrisch erfolgen, noch wird das -Problem gelöst, wenn weniger  aus dem Auspuff, dafür aber mehr aus Kohlekraftwerken und der Produktion kommt.