meinung
28.07.2018

Statistik mit Tempo

Wenn das Sommerloch erfreulicherweise mit einer Tempo-Debatte gefüllt werden kann, muss auch die Statistik herhalten.

Wie schräg auch immer die Argumentation sein mag, ist sie mit statistischen Zahlen unterfüttert, bekommt sie mehr Aufmerksamkeit.

Jüngstes Beispiel dafür ist die durch den Start des Versuchsbetriebes eines 140-km/h-Limits auf zwei Autobahnabschnitten losgetretene Tempo-Debatte, die von der Bedenkenträger-Industrie dankbar aufgenommen wurde. Wie immer in solchen Fällen schlägt dabei die große Stunde der Zahlendeuter. Da wird dann einerseits penibel vorgerechnet, um wie viel mehr Schadstoffe  durch das 10 km/h höhere Limit anfallen würden. Anderseits aber bezweifelt, dass aufgrund des starken Lkw-Verkehrs auf den Teststrecken die meiste Zeit überhaupt schneller gefahren werden könne.

Das passt dann besser zur Relativierung der möglichen Zeitersparnis.

Natürlich taucht auch wieder die Statistik der Verkehrsunfälle pro 1000 Autobahnkilometer  auf. Dies zur Untermauerung der Aussage, dass deutsche  Autobahnen weniger sicher seien als heimische, weil es  dort kein generelles Tempolimit gibt. Das war zwar auch vor 10 Jahren schon kein zulässiger Schluss, als es 1640 zu 1130 stand (im Vorjahr 1610 zu 1065), weil damals auch die Schweiz (1240) schlechter lag als Österreich – und dort ist das Limit nicht nur niedriger (120 km/h), sondern wird auch penibel eingehalten.

Wer nur die Kilometer zählt, ohne das Verkehrsaufkommen zu berücksichtigen, wird also keine validen Ergebnisse erhalten.
Etwas Aufmerksamkeit in einer Sommerlochdebatte ist aber immer drinnen.