meinung
12/26/2018

Wende ohne Netz

Warum die Energiewende mehr erfordert als das Verabschieden ehrgeiziger Ziele.

von Maria Brandl

Der Klimagipfel in Kattowitz hat wieder eindringlich vor den Gefahren des Klimawandels gewarnt und effiziente Maßnahmen gegen den vom Menschen verursachten Treibhausgasausstoß gefordert. Eine davon ist die Abkehr von fossilen Energiequellen wie Kohle, Erdgas und Erdöl, die Energiewende.

Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren landauf, landab Windräder als sichtbarstes Zeichen der Energiewende massenhaft Richtung Himmel gewachsen. „Doch was sollen immer neue Windparks, wenn es keine Stromleitungen gibt, um die grüne Energie zum Verbraucher zu bringen?“, fragte vor Kurzem die deutsche Zeitung „Die Welt kompakt“.

Offensichtlich wurde von Politikern wie Umweltbeauftragten europaweit übersehen, dass eine Energiewende auch einen entsprechenden Ausbau der Infrastruktur erfordert. Und dass dies auch in unserer schnelllebigen Zeit keine Frage von Monaten, sondern noch immer von Jahrzehnten ist, wie die endlosen Einsprüche gegen neue Hochspannungsleitungen zeigen. Auch von jenen, die fanatisch die Energiewende fordern, sich aber vehement gegen neue HV-Leitungen in der Nähe ihres schmucken Landhauses wehren.

Deutschland entdeckt nun wieder Wasserstoff als alternativen Speicher überschüssigen Ökostroms. Das gibt es auch nicht gratis, aber das Ganze könnte trotzdem wesentlich billiger kommen als der volle Netzausbau und die Notmaßnahmen bis dahin. Netzstabilisierende Maßnahmen kosten allein Deutschland pro Jahr mehr als eine Milliarde Euro.
Nur Strom zu predigen, ist zu wenig.