Kommentar
10/08/2019

„Wir werden alle brauchen“

Wer nur auf eine Karte setzt, macht sich erpressbar.

von Maria Brandl

Es gibt keine beste Lösung. „Wir werden alle Alternativen brauchen.“ So das Fazit der Tagung der TU Graz über künftige Antriebe für Mobilität, Energieerzeugung und Industrie.

Nicht einmal für die Auto-Mobilität ist klar, ob der batterieelektrische Antrieb weltweit erste Wahl sein wird. Klar ist, dass der Trend langfristig weg von fossilen Kraftstoffen wie Benzin und Diesel geht. Aber welche Alternative sich für welchen Bereich in welcher Weltgegend durchsetzen wird, hängt von vielen Faktoren ab.

Zu allererst von der jeweils ausreichend zur Verfügung stehenden Energieform, die für die Kunden auch leistbar sein muss. Während Europa sich auf den elektrischen Strom einschwört, ruft Japan das Wasserstoffzeitalter aus. China setzt auf beides. Südamerika wird wohl noch viele Jahre Ethanol auf Basis von Zuckerrüben in den Tank leeren. Dabei geht es nicht nur um CO2-Ausstoß oder Wirkungsgrad der Antriebe. Es geht auch um Importabhängigkeit, bei Energie wie bei Fahrzeugen. Und schließlich um Jobs.

Wer nur auf eine Karte setzt, macht sich erpressbar. Umso mehr, als etwa bei den Batteriezellen das Wissensmonopol nicht in Europa, sondern in Asien ist. Bei Brennstoffzellen oder synthetischen Kraftstoffen ist das noch nicht so, aber Asien hat auch hier schon einen Vorsprung in der praktischen Umsetzung.

In der Diskussion um den Antrieb der Zukunft ist mehr Pragmatismus angesagt, weniger Lagerdenken, vor allem in Europa. Sonst wird China künftig nicht nur die Autofarbe vorgeben.