© KURIER / Pascal Sperger

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12/20/2011

2-Rad-Novize: Lernerfolgskontrolle

KURIER.at macht den A-Schein: Die praktische Prüfung ist reine Routine. Für den Prüfer.

Zur Erklärung: Ich mache gerade den A-Schein und schreibe darüber, wie man sich als Motorrad-Frischling fühlt. Diesmal über klamme Hände, unfreundliches Gehabe und bekannte Fragen bei der praktischen Prüfung.

Langsam werde ich ungeduldig. Schon knappe 60 Minuten warte ich auf den Prüfer. Es regnet, es ist kalt und kein Mensch kommt daher. Ich bin genervt. So habe ich mir die Fahrprüfung nicht vorstellt. Meinem Fahrlehrer Robert Hinner geht es ähnlich. Er schaut kontrollierend auf Uhr und Handy, blickt genervt in die Luft und auf den Boden. Ich werde grantig, poste meinen Unmut auf Facebook. Dadurch kommt der Prüfer zwar nicht schneller, aber digitales Dampfablassen entspannt.

Ich zünde eine Zigarette an. Und wie so oft, wenn man wartet, nach dem ersten Zug endet das Warten: Das Fahrschulauto biegt auf den Parkplatz.

"Ich mag keine Motorradfahrer…"

Der Prüfer steigt aus und unterhält sich kurz mit Hinner. Man merkt, die Männer kennen sich. Vier Augen blicken auf mich, ich höre meinen Namen, er spricht mich an: "Sperger?! A-Schein? Schlecht, ich mag nämlich keine Motorradfahrer. Hab heute schon zwei durchfallen lassen…" - "Aha. Ein drittes Mal wird nicht vorkommen." - "Mal schauen…" - "Wir werden`s sehen."

Gewiss, zum Job des Fahrprüfers gehört, Leuten zu sagen, dass sie nicht bestanden haben. Doch bekanntlich macht der Ton die Musik: Wer Fahrschüler so begrüßt, darf sich nicht wundern, dass ihm ein gewisser Ruf vorauseilt. Ich beschließe, seine Art zu ignorieren. Manche Krot muss man eben schlucken - ich will mich mit frechen Aussagen keinesfalls disqualifizieren.

Theorie und Praxis

Die eigentliche Prüfung beginnt unvermittelt und läuft nach dem Motto: Zuerst Theorie, dann Praxis. Ich werde nach Motoröl, Bereifung und Kühlmittelstand befragt. Muss erklären, mit welchen Einrichtungen am Motorrad andere Verkehrsteilnehmer gewarnt werden können und wie man überprüft, ob der Bremskreislauf undichte Stellen aufweist. Das Prozedere ist schnell erledigt, weil mir Hinner alle Fragen bereits in den vergangenen Fahrstunden gestellt hat.

Es folgt der praktische Teil der Prüfung. Wie im Grundkurs werden mehrere Hütchen in einer Reihe auf dem Übungsparkplatz aufgestellt und Tennisbälle nebeneinander platziert. Jeder 2-Rad-Novize muss die gleichen sechs Übungen absolvieren. Mit stoischer Routine erklärt der Prüfer, was er sehen muss. Erstens: Mit geringer Geschwindigkeit zuerst nach links und rechts abbiegen. Ein Kinderspiel. Zweitens: Mit konstanter Geschwindigkeit, relativ flott einen Achter fahren. Ziemlich simpel. Drittens: Auf zirka 30 km/h beschleunigen, Geschwindigkeit halten und das Motorrad im Slalom durch die aufgebauten Hütchen lenken. Unproblematisch. Viertens: Von 35 km/h abbremsen und punktgenau anhalten. Auch kein Stress. Fünftens: Auf mindestens 50 km/h beschleunigen, zwischen den Tennisbällen mit dem Bremsen beginnen und innerhalb von 19 Metern zum Stehen kommen. Machbar. Sechstens: Nochmals auf 50 Sachen beschleunigen, wieder durch die Tennisbälle fahren und ausweichen. Spaßig, sogar in der Prüfungssituation.

Der Prüfer sieht zufrieden aus, nickt, notiert und markiert etwas auf dem Prüfungsbogen. Hinner verkabelt mich und redet mir gut zu: "Das war alles in Ordnung. Zum Abschluss fahren wir auf der Straße. Das dauert 25 Minuten." Der Prüfer ergänzt: "Wir fahren im Auto hinterher. Ich sag Ihnen per Funk, wo Sie abbiegen sollen. Falls Sie das Kommando verstanden haben, dann bitte deutlich mit dem Kopf nicken. Okay?" - "Ja, deutlich nicken. Kein Problem."

Befehle abnicken

Noch auf dem Parkplatz erhalte ich den ersten Befehl: "Bei der Ausfahrt biegen wir links ab." Ich antworte mit der gewünschten Kopfbewegung, aber höre: "Ich sehe kein Nicken…". Das Kichern ignoriere ich und werfe demonstrativ mein Kinn zur Brust und den Helm in den Nacken. Das muss reichen, noch deutlicher geht nicht. Ich biege ab, beschleunige, beobachte das blaue Fahrschulauto im Rückspiegel und warte auf die Stimme im Ohr. "Vorne rechts", meint die. Ich antworte mit wieder mit theatralischer Gestik. Das geht 20 Minuten so. Befehl. Nicken. Abbiegen. Befehl. Nicken. Sie verstehen schon.

Auf den Straßen herrscht wenig Verkehr. Das Fahren, Lenken, Schalten und Bremsen fällt mir leicht. Ich bin konzentriert, fühle mich sicher. Doch die Kälte stört. Die klammen Finger wollen deshalb bei roten Ampeln bewegt werden. Die Befehle per Funk klingen zwar mit jeder Kurve versöhnlicher, dafür drücken die Kopfhörer immer unangenehmer ans Ohr. Doch wer den A-Schein will, der erduldet gerne.

Fahr vorsichtig …

Wir biegen wieder auf den Parkplatz. Ich stelle den Motor ab, steige von der Kawasaki, ziehe Helm und Handschuhe aus. Das Auto hält, die beiden unterhalten sich, grinsen und steigen aus. "Tja, Herr Sperger. Das wars wohl …" Kunstpause. Man merkt, der Mann mag Theater. "… Gratuliere. Sie haben bestanden." Ich denke überglücklich: "Yes, yes, yes!", aber antworte mit einem einfachen "Danke". Der Prüfer drückt mir mehrere Zettel in die Hand, ich unterschreibe und erhalte einen vorläufigen Führerschein. Meinen A-Schein! Hinner gibt mir die Hand, gratuliert, lächelt und meint: "Zieh das aus!" - "Hä?" - "Die Fahrschülerjacke. Die brauchst du nicht mehr." Stimmt. Ich ziehe sie über den Kopf und drücke sie ihm in die Hand. Hinner schmeißt "den Fetzen" in den Kofferraum und meint, ich soll ein letztes Mal nachfahren. Ohne leuchtend gelben Überwurf fahre ich grinsend zurück zur Garage. Mir wird klar: Ich habe die Angst überwunden und die Ausbildung glimpflich überstanden. Ich bin ein Easy Rider. Quasi, denn ab jetzt gilt: Fahr vorsichtig…

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