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02.11.2014

60 Jahre Alfa Romeo Giulietta: Es begann im Sprint

Die Geschichte der Alfa Romeo Giulietta von den Anfängen in den 50er Jahren bis heute.

Anno 1954 hatte Österreich noch keinen Staatsvertrag. In den USA begann ein junger Lastwagenfahrer namens Elvis Presley seine Musikerkarriere, in Wien wurde der Neue Kurier gegründet und in Italien zeigte Alfa Romeo der Presse ein neues Auto: Die Giulietta Sprint.

Für Alfa ein völlig neues Auto, zumal man nach dem Krieg kleinere und erschwinglichere Autos produzieren musste. Und die erste Giulietta war klein und handlich und vor allem hinreißend schön. Aus einer Verlegenheit heraus musste Alfa das zweitürige Coupé vorziehen. Für ein größeres Publikum war die Giulietta Berlina (Limousine) gedacht, doch hier gab es anfangs größte Probleme mit der Lärmentwicklung im Auto, so dass sich die Markteinführung verschob. Dummerweise hatte Alfa, um das Geld für die Entwicklung der Giulietta aufzubringen, eine Lotterie unter den Kleinaktionären veranstaltet, bei der bereits Autos verlost worden waren. Also verfiel man auf die Idee, das Coupé, mit dem Namen Sprint, 1954 auf den Markt zu werfen.

Bertone-Design

Das Design stammte aus der Feder von Nuccio Bertone und unter der Haube steckte ein kleiner 1,3-l-Vierzylinder-Motor (allerdings mit Doppelnockenwelle) – zunächst mit 65 später mit 79 PS.
Über den Akt der Namensfindung gibt es diverse Geschichten, Alfa erzählt diese: Im Jahr 1950 saßen Alfa-Manager in Paris nach einem Autosalon in einem Restaurant beim Abendessen, als ein russischer Prinz (der in Russland nichts mehr zu suchen hatte und sich deshalb im Pariser Nachtleben herumtrieb) auf sie zustürmte und ihnen vorwarf, dass sie bei Alfa zwar viele „Romeos”, aber keine „Julia” (Giulietta) hätten. So die Geschichte.

Tatsächlich war die Giulietta auch jenes Modell, das bei Alfa Romeo nicht eine kühle Zahl wie 6C oder 1900 bekam, sondern einen klingenden Namen.

Das Auto war sofort ein Erfolg und man kam mit der Produktion kaum nach und die ursprünglich angedachte Produktionszahl wurde rasch nach oben korrigiert. 1955 folgte dann die Limousine und mit ihr kamen tatsächlich die großen Stückzahlen. 1955 wurde aber auch die Cabrioversion Giulietta Spider präsentiert. Sie entstand nachdem der aus Wien stammende amerikanische Autoimporteur Max Hoffman ein kleines, offenes Auto bei Alfa einforderte. Die Sorgen der Alfa-Manager wischte Hoffman mit einer Anfangsbestellung von 600 Fahrzeugen vom Tisch und so entschied sich Alfa, den Spider – nach einem Designentwurf von Pininfarina – zu produzieren. Auch hier überstieg die Nachfrage rasch das Angebot, denn die ersten Autos gingen ja allesamt in die USA.
Es gab auch noch weitere Derivate der Giulietta, wie die Sprint Veloce, die mit weniger Gewicht und mehr PS für den Einsatz im Motorsport konzipiert war, die SZ mit aerodynamischer Zagato-Karosserie oder die Sprint Speciale mit längeren Karosserieüberhängen vorne und hinten.

Bis 1965 wurden insgesamt 176.000 Stück der Alfa Romeo Giulietta gebaut.

Video: So erlebt man die Giulietta Sprint aus dem Cockpit

Alfa Romeo Giulietta 1954 - 1965

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Von Beginn an waren Österreicher am Erfolg der Alfa Giulietta maßgeblich beteiligt. Zunächst war da der Wiener Rudolf Hruska, der seit 1950 für Alfa Romeo arbeitete. Er war als technischer Direktor bei Alfa und zuständiger Projektleiter verantwortlich, dass das Auto von der Entwicklung den Weg in die Großserienproduktion fand. Später wurde er zum Vater des Alfasud.

Dass es von der Giulietta auch eine Cabrioversion gab, war das Verdienst von Max Hoffman. Der aus Wien in die USA emigrierte Autoimporteur Hoffman hatte schon die Mercedes-Leute gequält, endlich einen g'scheiten Sportwagen zu bauen (das tat er so lange, bis Mercedes ihm den 300 SL Flügeltürer vor die Tür stellte). Und für Alfa sah er den Markt für ein kleines Cabrio. Er bestellte sofort 600 Stück. Insgesamt wurden von der offenen Giulietta bis 1962 14.300 Stück produziert. Die Limousinenversion der Giulietta mutierte, nachdem das Standardmodell mit 50 PS eher schwachbrüstig ausfiel, ab 1957 zur TI (für Turismo Internazionale) Version mit 65 PS.

Und das Auto wurde dann auch im Motorsport bei Tourenwagenrennen eingesetzt, darunter startete auch ein junger österreichischer Rennfahrer mit einer Alfa Giulietta TI – sein Name: Jochen Rindt. 1962 gewann er auf Giulietta TI das Flugplatzrennen in Wien/Aspern und er startete mit dem Auto beispielsweise bei der Alpenfahrt, der Semperit-Rallye und bei Bergrennen.

1977 wurde der Name Giulietta bei Alfa Romeo wieder belebt. Diesmal präsentierte man eine viertürige Limousine für die untere Mittelklasse. Die kantige, nach hinten zu ansteigende Karosserieform sorgte für Aufsehen, die Technik kam freilich von der Alfetta. 1983 nahm sich Autodelta, die Rennabteilung von Alfa, der Giulietta an und präsentierte die auf 170 PS erstarkte Giulietta Autodelta. Der hohe Preis für das Auto, der vor allem von der teuren Turboaufladung herrührte, sorgte allerdings dafür, dass nur wenige Fahrzeuge produziert wurden. Letztendlich blieb es bei 361. 1985 lief die zweite Generation der Giulietta nach insgesamt rund 380.000 gebauten Fahrzeugen aus und die Giulietta machte Platz für den Alfa 75.

Alfa Giulietta Sprint 2014

Bei Alfa Romeo kommt ein großer Name zurück, denn die aktuelle Giulietta mutiert zum Sprint. Freilich ist das jetzt keine neue Karosserievariante, sondern vielmehr eine im Detail gezielt verfeinerte und veredelte Giulietta. Man feiert damit das 60jährige Jubiläum der Giulietta, die anno 1954 zunächst auch als Coupé namens Sprint eingeführt wurde.

Alfa Romeo Giulietta Sprint

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Im Jahr 2014 bedeutet Sprint, dass die entsprechende Giulietta optisch modifiziert wurde, zur Ausstattung gehören spezielle Leichtmetallfelgen, dunkel hinterlegte Scheinwerfer sowie in glänzendem „Dark Chrome" gehaltene Einfassungen der Nebelscheinwerfer, Querstreben des Kühlergrills, Türgriffe und Abdeckkappen der Außenspiegel sowie die dunklen Fensterrahmen und die getönten Heck- und hinteren Seitenscheiben. Dazu kommen Seitenschweller, die als Diffusor gestaltete Heckschürze und die Auspuffanlage mit größeren Endrohren. Auch im Interieur überwiegt die betont dunkle Note. Den Rahmen des Armaturenbretts hat man im Carbon-Look gestaltet, die Oberfläche des Armaturenbretts selbst ist in mattschwarz gehalten. Zudem gibt's ein Sport-Lederlenkrad, schwarzen Dachhimmel und feine Sitzbezüge in einer Kombination aus Stoff und Alcantara. Und in die Kopfstützen hat man in rot das Wort Sprint eingestickt.

Motoren

Alfa bietet die Giulietta Sprint mit zwei Benzinern und zwei Diesel an. Den 170-PS-Benziner in Verbindung mit TCT-Getriebe kennt man, die beiden Diesel mit 105 und 175 PS (letzterer auch mit TCT-Getriebe) auch. Neu hingegen ist der 1,4 MultiAir Turbo Benziner mit 150 PS. Der Turbomotor beschleunigt den Alfa in 8,2 Sekunden auf 100 km/h und ist für 210 km/h Spitze gut. Den durchschnittlichen Verbrauch gibt Alfa Romeo mit 5,7 Liter an.

Die Preise: Die Giulietta Sprint mit 1,4 TB (150 PS) kostet ab € 26.570,-, mit 170 PS Benziner und TCT ab € 30.330,-. Die Diesel starten bei € 24.880,-. Bestellen kann man das Auto schon, ausgeliefert wird ab Ende November.