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Absatz um jeden Preis: Tesla-Chef Musk setzt auf Masse statt Marge

Analysten gehen davon aus, dass Tesla weiterhin die Preise senken wird. Eine Reaktion auf die zunehmende Konkurrenz

04/20/2023, 10:12 AM

Der Elektroauto-Pionier Tesla will seine Marktanteile um jeden Preis verteidigen und nimmt dafür eine geringere Gewinnmarge in Kauf. "Es ist besser, eine große Zahl von Autos mit einer geringeren Rendite auszuliefern und diese Rendite in der Zukunft zu kassieren, wenn wir das autonome Fahren perfektionieren", sagte Tesla-Chef Elon Musk am Mittwoch bei der Vorlage der Geschäftszahlen zum ersten Quartal in einer Analystenkonferenz.

Der US-Hersteller hatte zuletzt mit einer Serie von Preissenkungen auf sich aufmerksam gemacht - was Spuren in der Bilanz hinterlässt.

Die Tesla-Aktien gaben im nachbörslichen Handel sechs Prozent nach. "In den sauren Apfel zu beißen und die Margen zu opfern, um den Absatz in Schwung zu bekommen, ist oft der richtige Schritt, aber nur dann, wenn es vorsichtig gemacht wird und nicht für eine längere Zeit, sonst gerät die Marke in Gefahr" sagte Sophie Lund-Yates, Analystin bei Hargreaves Lansdown.

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Im ersten Quartal erwirtschaftete Tesla eine Gewinnmarge von 19,3 Prozent, von Refinitiv befragte Analysten hatten 22,4 Prozent erwartet. Vor einem Jahr gab es noch eine Rekordrendite von 32,9 Prozent. Der Umsatz lag bei 23,3 Milliarden Dollar (21,3 Mrd. Euro), ein Anstieg von 24 Prozent, und damit leicht über den Vorhersagen. Der Nettogewinn sank indes um knapp ein Viertel auf 2,5 Milliarden Dollar.

Musk hielt am offiziellen Auslieferungsziel von 1,8 Millionen Fahrzeugen in diesem Jahr fest, eine frühere Aussage, wonach zwei Millionen Autos übergeben werden sollen, wiederholte er nicht. Der weltweite Marktführer hat bei E-Autos einen Preiskrieg angezettelt, der insbesondere in China heftig tobt. Auch in den USA senkte Tesla die Preise seit Jahresbeginn sechs Mal. Damit will sich Tesla gegen die Konkurrenz von etablierten Autobauern wehren, die immer mehr Elektroautos auf den Markt bringen. In China kommt dazu der Aufstieg von Firmen wie BYD, der neuen Nummer eins auf dem weltweit wichtigsten Automarkt. Tesla steigerte zuletzt zwar seine Auslieferungen weiter, mit vier Prozent fiel das Plus zum Vorquartal aber deutlich geringer aus als zuvor.

Analysten sehen auch hausgemachte Probleme bei Tesla. "Unsere Experten sagen, dass Tesla zu stark abhängig ist vom Model 3 und dem Model Y", sagte Orwa Mohamad, Analyst beim Analysehaus Third Bridge. Investoren warteten auf neue Produkte. "Tesla läuft Gefahr, Marktanteile an andere Marken mit innovativeren Produkten im Preissegment von 40.000 bis 60.000 Dollar zu verlieren", sagte er. Das Unternehmen benötige unter anderem einen SUV, um das Model X abzulösen, und ein kleineres, günstigeres Model 3 im Volumensegement.

Noch in diesem Jahr will Tesla den Cybertruck vorstellen; Musk kündigte eine Veranstaltung dazu für das dritte Quartal an. Im Jänner hatte er den Produktionsstart für den Sommer in Aussicht gestellt, die Serienfertigung sei aber erst 2024 zu erwarten. Bei dem Fahrzeug handle es sich um ein Nischenprodukt, sagte Mohamad: "Der Cybertruck ist ein sehr schwieriges Fahrzeug in der Produktion, mit seiner Edelstahl-Karosse und einer neuen Plattform. Sein Design, seine Positionierung und sein Preis werden die Nachfrage begrenzen."

Dazu kommt, dass die Konkurrenz aufholt. Inzwischen haben auch etablierte Autobauer wie Ford oder Volkswagen wettbewerbsfähige Elektroautos im Angebot. Musk hat ein Auto für 25.000 Dollar angekündigt, sich aber noch nicht dazu geäußert, wann es auf den Markt kommen soll. Im wichtigen Einstiegssegment hat der chinesische Hersteller BYD bei der Automesse in Shanghai ein Fahrzeug für 11.600 Dollar vorgestellt - in der Volksrepublik hat BYD die Konkurrenz zuletzt weit abgehängt.

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