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01.03.2013

Abseits des Mainstreams

In der Topversion zielt der Fernost-SUV auf das deutsche Establishment.

Wer in der Lage ist, rund fünfzigtausend Euro für ein Mittelklasse-SUV auszugeben, muss sich nicht zwangsläufig in den Schauräumen der deutschen Premiumhersteller wiederfinden, zumal der gefällig gezeichnete Koreaner das hohe Preisniveau mit Vollausstattung rechtfertigt. Das Manko an Prestige im Vergleich zu den deutschen Platzhirschen egalisiert der großzügig dimensionierte Sorento mit selbstbewusstem Auftritt – vom prägnanten Kühlergrill bis zur Silhouette mit wuchtiger D-Säule.

Dahinter verbirgt sich ein komfortabel ausgestalteter Innenraum, der vier Erwachsene selbst auf längeren Strecken bequem reisen lässt. Das optional erhältliche Panoramadach beschneidet zwar die Kopffreiheit, sorgt aber im Gegenzug an sonnigen Tagen für ein lichtdurchflutetes, freundliches Ambiente. Stauraum für diverse Reiseutensilien bietet der Kia ausreichend und auch an der Gestaltung des Instrumententrägers ist nichts auszusetzen: Alle Bedieneinheiten sind zu logischen Satelliten zusammengefasst, gut zu erreichen und nach kurzer Eingewöhnung einfach zu bedienen.

Besonderes Lob verdienen die einfache und schnelle Anbindung diverser Mobiltelefone via Bluetooth sowie die ideale Platzierung der Aux-in- und USB-Buchsen neben der Zwölf-Volt-Steckdose vor dem Wählhebel. So gerät das Andocken externer Quellen und Abspielen von Musikdateien zum unkomplizierten Kinderspiel.

Flexibilität

Den Sinn fürs Praktische bewahrt sich der Sorento auch bei Transportaufgaben. Die dreigeteilte Rückbank lässt sich schnell zu einer ebenen Fläche umklappen, was den Laderaum auf bis zu 1680 Liter erweitert. Kleinere Utensilien verschwinden geschützt vor neugierigen Blicken in Fächern unter dem Boden, wo im Bedarfsfall auch die Laderaumabdeckung verstaut werden kann. Lästig ist hingegen die hohe Ladekante, denn beugt man sich beim Be- oder Entladen vor, streift man unwillkürlich an der schmutzigen Heckstoßstange.

Weniger gut gelungen ist die Abstimmung des Fahrwerks. Zwar ist das Fahrverhalten des allradgetriebenen SUV stets gutmütig und leicht beherrschbar, doch beinträchtigen herbe Stöße auf schlechten Straßen den Komfort. Umso verwunderlicher, als die harte Auslegung weder die deutliche Seitenneigung in Kurven noch das Schieben über die Vorderachse verringert. Erstaunlich träge setzt der Kia Lenkbefehle in Richtungswechsel um, rollt aber bei hoher Geschwindigkeit gut erlebbar um die Längsachse. Sicherheitseinbußen sind hierbei zwar keine zu befürchten, der Sorento bleibt stets beherrschbar und allzu übermütigem Treiben setzt das verlässlich eingreifende ESP ohnehin ein jähes Ende – aber Agilität fühlt sich definitiv anders an.

Ein Eindruck, den die Antriebseinheit bestätigt. Trotz einer Leistung von fast 200 PS kommt der Koreaner verhalten aus den Startlöchern und lässt es in den oberen Gängen an Durchzug missen. Zwar gibt sich der Vierzylinder-Diesel kultiviert und drehfreudig und harmoniert gut mit der weich schaltenden 6-Gang-Automatik, hat aber mit dem Gewicht von fast zwei Tonnen schwer zu schleppen.

Eine Tatsache, der man auch an der Tankstelle Tribut zollt, denn im Testdurchschnitt genehmigte sich der Kia keine Unmengen, aber mit 9,2 Liter etwas mehr Dieselkraftstoff, als in dieser Leistungsklasse heute üblich ist.

Allradantrieb

Verschneiten Hauseinfahrten oder Steigungen nimmt der Allradantrieb den Schrecken, selbst für Ausflüge ins Gelände ist der Sorento mit Bergab- und Berganfahrhilfe sowie sperrbarer Kraftverteilung gut gerüstet. Seine Domäne liegt aber im Alltagsverkehr auf befestigten Straßen, wo Totwinkelüberwachung und Spurhalteassistent zur Entlastung des Fahrers beitragen. Beim Einparken in enge Lücken entpuppt sich die Rückfahrkamera als willkommene Hilfe, denn die wuchtigen D-Säulen schränken die Übersichtlichkeit im Heckbereich doch recht deutlich ein.

Licht und Schatten bestimmen also das Bild von Kia’s Topmodell, denn einerseits ist der Sorento ein großer, leiser und bequemer Reisebegleiter inklusive siebenjähriger Neuwagengarantie, andererseits schmälern der durstige Motor und die etwas indifferente Fahrwerksabstimmung den positiven Gesamteindruck.Großzügige Platzverhältnisse, komplette Aus­stattung, gute Verarbeitungsqualität, kultivierter Motor.Behäbiges Fahrverhalten, durstiger Motor, relativ geringe Reichweite.

Kia Sorento 2,2 CRDi 4WD

Antrieb: 4-Zylinder-Diesel, Direkteinspritzer, 2 oben liegende Nockenwellen, 4 Ventile/Zylinder, Turbolader, Ladeluftkühlung; Allradantrieb, 6-Gang-Automatik; Spitze 190 km/h, 0–100 in 9,9 Sekunden; Euro 5.

Hubraum: 2199 , 197 PS/145 kW maximales Drehmoment: 422 Nm bei 1800 U/min

Fahrwerk: Selbst tragende Karosserie, Hilfsrahmen, vorn McPherson-Federbeine, Dreieckquerlenker, hinten Mehrlenkerachse, vorn/hinten Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisatoren, Scheibenbremsen (vorn innen belüftet), Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung, ABS, elektronische Bremskraftverteilung (EBV), elektronisches Stabilitätsprogramm ( ESP).

Maße (L x B x H): 4685 x 1885 x 1745 mm Wendekreis: 10,9 m Radstand: 2700 mm Böschungswinkel: vorn/hinten 19,4/22,1 Grad Rampenwinkel: 16,6 Grad Bodenfreiheit: 186 mm

Gesamtgewicht: 2510 kg Kofferraum: 660–1675 l Eigengew./Zuladung 1815 /695 kg

Anhängelast:gebremst/ungebremst 2000 kg/750 kg Tankinhalt: 64 l

Bremsweg warm: 38,0 m Bremsweg kalt: 37,9 m

Normverbr.: 6,7 l/100 km175 g/km CO² Preis:46.190 €Bremsweg kalt:* 37,9 m

Testverbr.: 9,2 l/100 km

Preis Testwagen:50.190 €

Motorbezogene Versicherungssteuer:798,60 €