Alfa Romeo Giulia TI Super

© Luigi Migliore

News
07/26/2016

Alfa Giulia: Alt trifft neu in den Dolomiten

Alfa Giulia TI Super und Arturo Merzario: Erlebnisse mit zwei Motorsport-Legenden bei der Coppa d'Oro delle Dolomiti in Cortina

von Horst Bauer

Bei der Ennstal-Classic tät’s das nicht geben. Das ist der erste Gedanke, der dem Novizen auf dem Parkett des italienischen Oldtimer-Sports bei der Fahrerbesprechung für die Coppa d’Oro delle Dolomiti in Cortina kommt. Steht doch vorne jemand neben dem Fahrtleiter und verkündet stolz, man habe eine für alle offene App hochgeladen, auf der die Sonderprüfungen mit den Sollzeiten samt automatischem Countdown via iPhone vermerkt wären. Dankbarer Applaus – vor allem von den Beifahrern.

Digitales Teufelszeug für die Ennstal-Classic-Väter Helmut Zwickl und Michael Glöckner. Die sind auch bei ihrer seit heute wieder laufenden 23. Ausgabe auf der Fahndung nach allem, was keine analoge Stoppuhr oder mechanischer Tripmaster ist. In der italienischen Szene sieht man das offensichtlich lockerer. Dafür darf nur an den Start, wer eine gültige Fahrerlizenz hat – auch als Beifahrer.

Soweit die augenfälligsten Unterschiede. Dass auch die Zeitnehmung anders läuft (Schlauch über die Straße statt Lichtschranken) fällt für die Besatzung der Alfa Romeo Giulia TI Super mit der Nummer 86 aber nicht ins Gewicht. Das rare Stück aus dem Werksmuseum von Alfa Romeo ist zwar eine Augenweide und an sich äußerst rüstig, aber die Zeiger in den Rundinstrumenten streiken nachhaltig. Und ohne Tacho und Kilometerzähler hilft selbst eine Rennfahrer-Legende wie Arturo Merzario am Steuer nichts, wenn es um exaktes Einhalten von Zeiten und Schnitten geht.

Der Maestro sieht die Sache aber ohnehin gelassen. Bei der internen Teambesprechung legt er die Marschrichtung für die nächsten zwei Tage so fest: Er habe in seinem Leben schon so viel gewonnen, wo es darum ging, möglichst schnell zu sein, dass er nichts mehr gewinnen müsse, wenn es darum geht, möglichst langsam zu sein.Damit war der Siegesdruck weg und die Aufgabenverteilung im Alfa-Romeo-Werksteam geklärt. Der Pilot widmet sich mit immenser Freundlichkeit und Langmut den Foto- und Autogrammwünschen (und Arturo Merzario hat bei den italienischen Autofans gottgleichen Status). Der Beifahrer versucht, dem offiziellen Streckenverlauf zu folgen und dafür zu sorgen, dass die Start- und Stempelzeiten eingehalten werden. Was sich angesichts der Menschenknäuel, die sich bei jedem Stopp um den Piloten scharen und dessen zeitaufwendiger Leutseligkeit als die größte Herausforderung erweist.


Motorsport-Geschichte

Wobei auch die Navigation selbst höchste Konzentration erfordert, weil man eben kaum je mit einem so auskunftsfreudigen Überlebenden der heroischen Anfangsjahre des modernen Motorsports zwei Tage lang alleine in einem Auto sitzt. Denn Arturo Merzario hat nicht nur Generationen von Piloten (und Teamchefs) kommen und gehen gesehen, er hat auch keine Einzelheit vergessen und ist ein Anekdoten-Meister. Da versäumt man schon einmal eine Abzweigung, wenn einem sein ehemaliger Fahrer gerade Carlo Abarth als Teamchef beschreibt, oder der verschlungene Weg von Walter Wolf in die Formel 1 von jemandem geschildert wird, auf den dessen Erstkontakt mit dem GP-Zirkus zurückgeht.

Vor so viel Rennsportgeschichte aus erster Hand verblasst der letzte Platz in der Gesamtwertung . Und den Ärger mit den Strafpunkten hat man sich auch erspart.Die iPhone-App hat nämlich nicht funktioniert.

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