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05.12.2011

Als die Monte in Wien begann

© Bild: ACM / Werk

100 Jahre Monte Carlo Rallye. Wie es den ersten Österreichern 1911 erging.

Genau 100 Jahre ist es her, dass die erste Rallye Monte Carlo ausgetragen wurde. Initiatoren waren der damalige Präsident des Automobilclubs Alexandre Noghes und sein Sohn Anthony, Gabriel Vialon und Fürst Albert I., die in erster Linie ein Ziel verfolgten, nämlich gerade in den schwachen Wintermonaten mehr Touristen ins Fürstentum zu locken. Also organisierte man eine Sternfahrt, bei der die Teilnehmer in verschieden Metropolen starten durften - so z. B. Paris, Genf, Brüssel, Berlin und Wien.

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Aus Wien nahmen zwei Teams die Tour an die Cote d'Azur in Angriff. Zum einen Leutnant Knapp, der mit Gemahlin, Garagenmeister und Chauffeur unterwegs war (was für ihn in einer besonderen Wertung noch von Vorteil war, aber dazu später) und zum anderen Generalkonsul Frankl mit Chauffeur und dem Künstler Gustav Gurschner (Mitbegründer der Wiener Sezession und Kommandant des Freiwiligen Motorfahrercorps). Ein Reporter der Allgemeinen Automobil-Zeitung schildert den Start vor dem Gebäude des k. k. österreichischen Automobilclubs am 23. Jänner 1911 wie folgt: Die beiden konkurrierenden Teilnehmer hatten sich um 1/2 8 Uhr mit ihren Wagen eingefunden, Leutnant Knapp mit einem sehr hübschen roten 16/18 HP Fiat der österreichischen Fiat-Werke, Generalkonsul Egon Frankl mit einem eleganten Austro Daimler der österreichischen Daimler-Motoren-A.G. Leutnant Knapp führte die Lenkung, neben ihm nahm seine Gemahlin Platz, die derart in Pelzen, Decken, Umhüllen, Schutzbrille und Zipfelhaube verborgen war, dass auch nicht einmal die Nasenspitze zu sehen war.

Diese Adjustierung war für die 1319 Kilometer lange Fahrt in einem bis zu minus 18 Grad kalten, schneereichen Winter in einem offenen Auto wohl mehr als passend. Die Route führte die Starter südlich zunächst nach Triest, dann weiter über Verona, Mailand, Genua nach Monte Carlo. Die Streckenführung für die Österreicher war schwierig, ging es doch über kurvige, schlechte Straßen ("und das in Österreich vorgeschriebene Geschwindigkeitslimit war ein weiteres Hindernis" - so die Allgemeine Auto-Zeitung). Leutnant Knapp rammte freilich schon hinter Mürzzuschlag auf einer vereisten Straße einen Prellstein. Die folgende Reparatur kostete ihn 12 Stunden. Störungsfreier die Fahrt von Generalkonsul Frankl, der meldete dazu nach Wien: Vom Semmering ab bis vor Triest, dann von Verona über den Apennin trafen die Sternfahrer auf viel Schnee und vereiste Straßen. Eine gefährliche Partie bildete die Fahrt über den Trojanpass bei starkem Nebel. Um so genussreicher gestaltete sich das letzte Stück der Reise über Genua nach Monte Carlo. Hier gab es schöne, trockene Straßen und es herrschte schon sommerliche Wärme.

Eine kleine Verzögerung gab es dann doch. Die Starter schickten sich zu nächtlicher Stunde an, die Grenze von Italien nach Frankreich zu passieren, was zu dieser Zeit von Amtswegen nicht vorgesehen war. Nach langem Warten und "mannigfachen Auseinandersetzungen" wurde schließlich ein Oberbeamter des Zollbüros aus dem Schlaf geholt, der die Fahrt um 3 Uhr Früh gestattete.

Plätze 7 und 11

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Immerhin kam Leutnant Knapp, trotz Zwangspause, auf den siebten Platz und Generalkonsul Frankl wurde elfter. Die Fahrzeit betrug 85 Stunden - damit war man deutlich schneller als die vom Veranstalter vorgesehenen 5 Tage und 12 Stunden. Von 23 gemeldeten Sternfahrern starteten 20 und 18 kamen ins Ziel. Der Sieg ging an den aus Paris kommenden Franzosen Rougier, der den Siegerpreis von 10.000 Francs einstreifen durfte. Auch der zweite Platz ging an einen Paris-Starter, dritter wurde Direktor Julius Beutler, der von Berlin aus anreiste.

Für die Wertung zählten nicht nur gefahrene Kilometer und Zeit, sondern auch Zustand des Fahrzeugs bei der Ankunft, Anzahl der Fahrgäste (in dieser Wertung wurde Leutnant Knapp zweiter) und Komfort des Vehikels - was dazu führte, dass das Endergebnis erst nach langen Diskussionen verkündet wurde. Rittmeister Esmarch aus Berlin verweigerte den ihm zugedachten sechsten Platz (Begründung: Nächtlicher Zwangsaufenthalt an der Grenze) und wurde disqualifiziert.

Ein Jahr später machten sich bereits neun Starter von Wien aus auf den Weg, insgesamt waren 87 genannt. Einer kam sogar aus St. Petersburg.