Aston Martin V12 Vantage S

© Werk

Fahrvorstellung
10/24/2013

Am Steuer des Aston Martin V12 Vantage S

Meisterstück der automobilen Verpackungskunst.

von Horst Bauer

Dass die Haube wieder zugeht, ist die größte Überraschung.

Hat man nämlich einmal nachgeschaut, ob da vorne im kleinsten Aston Martin tatsächlich der 573 PS starke 6,0-Liter-Zwölfzylinder drinnensteckt, der sonst die größeren Brüder wie Vanquish oder Rapide antreibt, traut man sich kaum mehr, die Motorhaube wieder zu schließen. Zu stark scheint das Kraftpaket aus dem engen Motorraum herauszuquellen.

Letztlich gibt’s dann natürlich doch keine Beule in der – von reichlich Beatmungsschlitzen durchbrochenen – Motorhaube des neuen V12 Vantage S. Aber die Verpackungskunst der Aston-Martin-Ingenieure ringt Bewunderung ab. Nicht zuletzt auch wegen der enormen Herausforderung, den einmal dort eingepassten V12 mit ausreichend Luft zu versorgen.

Dass dies gelungen ist, haben die ersten Testfahrten im Wüstenklima von Palm Springs in Kalifornien bewiesen. Selbst die Kombination aus Temperaturen von mehr als 30 Grad, gewundenen Bergstraßen mit wenig Verkehr (und noch weniger Sheriffs) und höchst motivierten Testern am Steuer konnte den Wärmehaushalt des schärfsten Vantage aller Zeiten nicht zum Kippen bringen.

Ähnlich auf Kante genäht wie die Unterbringung der Technik fühlt sich für die Passagiere auch das Cockpit an. Wobei natürlich alles auf den Piloten zugeschnitten ist, dem auch mehr Beinfreiheit gegönnt wird als dem Beifahrer. Vor dessen Füßen liegen – nicht sichtbar hinter der Trennwand – nämlich noch einige Aggregate vergraben, die man wegen akutem Platzmangel aus dem Motorraum auslagern musste.

Aber der V12 Vantage S ist ohnehin ein „Drivers Car“, das auf jede kleinste Regung des Piloten spontan reagiert. Ob dessen Fahrbefehle nun via Gaspedal, Lenkrad oder Schalt-Paddel gegeben werden.

Über Letztere wird ein neues automatisiertes Schaltgetriebe mit sieben Gängen befehligt. Äußerst kurzen Schaltzeiten im Sport-Modus steht dabei die übliche Schalt-Ruckelei im Automatik-Betrieb gegenüber, die auch hier mit etwas Gefühl im Gasfuß leicht abgemildert werden kann.

Schub bis zum Abwinken

Über derlei systembedingtes Ungemach tröstet allerdings der unbändige Schub des 12-Zylinders schnell hinweg. Dank des Drehmoments von 620 Nm aus jeder Fahrsituation heraus spontan abrufbar, gibt’s nach oben hin praktisch kein Halten mehr. Notfalls vergehen nur 3,9 Sekunden, bis Tempo 100 erreicht ist und die theoretische Spitze liegt jenseits von 320 km/h. Mit einem Leergewicht von nur 1615 kg stellt der V12 Vantage S allerdings auch die serienmäßigen Karbon-Bremsen vor keine unlösbaren Aufgaben, wenn es gilt, das Tempo genauso radikal wieder herauszunehmen.

Der Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse von 51 zu 49 geschuldet ist das äußerst neutrale Fahrverhalten in Kurven. Auf trockener Straße bleiben die im Hintergrund auf ihren Einsatzbefehl lauernden elektronischen Assistenten dank der perfekten Fahrwerksabstimmung weitgehend unbeschäftigt. Die Grenze des Möglichen geben hier eher die Magennerven der Besatzung vor. Das wahre Limit – zumal bei abgeschalteten Helfern – ist nur auf der Rennstrecke auslotbar.

Trotz dieser Zugespitztheit eignet sich der V12 Vantage S dank eines brauchbaren Kofferraums (300 l) auch für die Fahrt zum Golfplatz bzw. ins Wochenende zu zweit. Womit die 242.200 Euro Einstandspreis gleich ganz anders klingen.

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