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18.04.2018

Am Steuer eines Formel 4 am Red Bull Ring

Das Projekt Spielberg bietet nunmehr die Möglichkeit an, Formel 4 Rennwagen zu fahren. Wir haben es ausprobiert.

Man könnte ja meinen, dass der Außenspiegel das teuerste Teil an einem Rennwagen ist. „Pass auf den Spiegel auf!“, heißt es beim Einstigen und „Vorsicht, der Spiegel!“ beim Aussteigen.

Wir sind auf dem Red Bull Ring und stehen vor der Aufgabe, ein Formel 4 Rennauto zu fahren (bzw. zunächst einmal würdevoll einzusteigen – und dabei keinen Spiegel abzuknicken). Das Projekt Spielberg hat neun dieser Rennwagen für Fahrerlebnisse angeschafft. Heißt, jedermann kann unter professioneller Anleitung seine Runden in einem echten Formel-Rennwagen drehen.

Die Autos werden von einem 1,4-l-Turbomotor angetrieben, der 210 PS leistet und das 570 kg leichte Auto bis zu 240 km/h schnell macht. Auf 100 km/h beschleunigt man in 3,7 Sekunden. Die Autos entsprechen den aktuellen Reglements und wären so wie sie da sind in der Formel 4 Meisterschaft startberechtigt, erklären uns die Instruktoren.

Einer von ihnen ist Patrick Friesacher, der für Minardi in der Formel 1 gefahren ist. Er erklärt uns einmal die Theorie. Die fleißigen Teammitglieder vom Projekt Spielberg wuseln um uns herum, versorgen uns mit Rennoverall, Helm, Schuhen, Handschuhen und wenn alles passt, werden wir ins Auto gesetzt. Drei Größen (was die Einstellungen betrifft) stehen zur Auswahl: Medium, Large und XL. Im M fühle ich mich am wohlsten, die Pedale sind in der richtigen Reichweite. Drei Pedale hat man, wobei man das Kupplungspedal nur zum Anfahren und kurz vorm Stehenbleiben benötigt. Sonst schaltet man mittels Schaltpaddels am Lenkrad.

 

Projekt Spielberg: Formel 4

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Der Formel 4 als Red Bull Ring Edition schaut aus wie ein kleiner Red Bull F1.

Die emsigen Teammitglieder bereiten die Autos perfekt vor.

Und dann sitzt man drin und wartet, was kommt...

So schaut's im Cockpit aus.

Patrick Friesacher erklärt die Theorie.

Der Instruktor fährt voraus, die Meute hinterher.

"Die Kupplung gaaaaaaanz langsam kommen lassen, nicht zuviel Gas", hatte uns Patrick Friesacher noch eingeschärft und einer aus der Crew fügte hinzu „Wir haben noch jeden raus auf den Ring gebracht“. Das sorgt für Zuversicht.

Nachdem ich im Auto festgeschnürt bin wie ein Paket alter Zeitungen, die Spiegel justiert und das HANS-System auch angebracht ist, wirft einer der guten Geister den Motor an. Gefahren wird im Konvoi, der Instruktor voraus, überholt wird hier nicht.

Ich lasse die Kupplung also gaaaaaanz langsam kommen und das Auto setzt sich in Bewegung (zugegeben, immer kurz vorm Abwürgen, aber es fährt). Als hilfreich erweist sich, dass der Instruktor über Funk mit einem verbunden ist und Anweisungen gibt: Welcher Gang für welche Kurve und wichtig am Anfang: Reifen warmfahren.

Das Auto fährt sich einfacher als gedacht, mit den Schaltpaddels ist der Gangwechsel einfach, die Lenkung reagiert auf den kleinster Zucker und die nicht vorhandene Federung gibt jeden Kieselstein direkt ins Cockpit weiter (seit wann ist der Red Bull Ring so uneben?).

 

Mit jeder Runde steigt das Vertrauen ins Auto und unser Instruktor erhöht das Tempo. Der Motor macht Radau und der Turbo zwitschert beim Gaswegnehmen vor der Kurve. Leuchtdioden im Lenkrad gemahnen ans Hochschalten (wenn’s gelb ist, sollte man den nächsten Gang einlegen) und vorher hatte man uns noch höflich ersucht, nicht ständig in den Drehzahlbegrenzer reinzustolpern. Da man nichts hinmachen will, tu ich ihnen den Gefallen und schalte eher früher als später.

Stichwort Hinmachen. Die Autos sind versichert, es gibt aber einen Selbstbehalt von 2000 Euro für Schäden am Auto und von 500 Euro, wenn an der Strecke was demoliert wird. Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man Vettel-gegen-Hamilton spielt.

Nach ein paar Runden ist es vorbei. Wir rollen an die Box, lassen wie gebeten den Motor noch kurz laufen (das freut den Turbolader) und knipsen den Formel 4 dann aus.

Beim Aussteigen schaffen wir es auch wieder, den Spiegel nicht abzubrechen. Voller Erfolg.