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10/16/2013

Andreas Aigner: Comeback eines Champions

Fünf Jahre nach dem Gewinn der Gruppe-N-Weltmeisterschaft holte sich Andreas Aigner jetzt auch den Titel des Europameisters.

Heute würde man wohl von Casting-Show sprechen, in der Art von: Austrias next Topdriver. 2004 hieß das aber noch ganz simpel Fahrersichtung. Bei eben dieser von Red Bull, dem mehrfachen österreichischen Rallye-Staatsmeister Raimund Baumschlager und dem deutschen Ex-Europameister Armin Schwarz initiierten Talentewettbewerb qualifizierte sich ein damals völlig unbekannter 20-jähriger Steirer als überlegener Sieger: Andreas Aigner. Der Grundstein für eine steile Karriere war gelegt.

Rasanter Aufstieg

Die Juroren waren einhellig der Meinung: Da haben wir eine Jahrhundertbegabung entdeckt. Und tatsächlich: Bereits im nächsten Jahr gab Aigner sein Debüt in der Rallye-WM in einem Mitsubishi Lancer Evo VIII bei der Zypern-Rallye, ein Rumpfjahr in der Gruppe-N-WM mit zunächst einmal drei weiteren Einsätzen.


2006 ging’s dann richtig los: Aigner bekam überraschend einen Skoda-Vertrag in der Königsklasse der World Rallye Championship (WRC), wo das in Leoben geborene Jungtalent auf einem Fabia WRC als Teamkollege des Finnen Harri Rovanperä bei insgesamt zehn WM-Läufen startete. Mit all den Problemen, die ein Neuling in der WM so haben kann: Gute Ergebnisse folgten wilde Abflüge und technische Defekte. Und auch die ein oder andere Unstimmigkeit mit der Red-Bull-Teamführung.

Vor der Wende

2007 dann der von vielen Beobachtern als Abstieg kommentierte Wechsel zurück in die Gruppe-N: Aigner bekam den Übergang von der Topklasse in die seriennahe Production Word Rallye Championship (PWRC) nur mit Mühe auf die Reihe, ein bescheidener 13. Platz am Ende der Saison war folglich die eher magere Ausbeute.


2008: Die große Wende – Aigner gewann in diesem Jahr nicht nur drei WM-Rallyes (Argentinien, Griechenland, Türkei, alle auf Schotter), sondern auch den Titel eines PWRC-Weltmeisters. Acht Jahre nach Manfred Stohl, dem dieses Kunststück als erstem Österreicher im Jahr 2000 gelungen ist.

Das Comeback

Danach: Kein Geld, wenig Motivation, ewig die Klinken von Sponsoren für nix und wieder nix zu putzen, keine Engagements – zumindest keine, die dem Talent Aigners angemessen gewesen wären. Bis 2012: Der Steirer war wieder da, so plötzlich wie er in der Versenkung der österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft verschwunden ist.
Comeback also in der damals neu etablierten European Rallye Championship (ERC) auf einem von Stohl-Racing aufgebauten und eingesetzten Subaru WRX-STI: Aigner verpasste nur mit viel Pech schon in seinem ERC-Premierenjahr den Titel, Grund genug für Stohl, die Sponsoren und Aigner selbst eben heuer den Titel anzuvisieren. Mit durchschlagendem Erfolg: Der mittlerweile 29 Jahre alte Steirer feierte mit drei ERC-Siegen auf Gran Canaria, Korsika und in Kroatien einen Lauf vor Schluss vorzeitig den Titelgewinn. Den zweiten großen Erfolg in seiner von Höhen und Tiefen nicht armen Karriere.


„Welt- und Europameister in der Production Cup-wertung – das hört sich wirklich gut an“, freut sich Aigner, der im Lauf der Jahre nicht nur zu einem echten Siegpiloten gereift ist, sondern auch gelernt hat, taktisch klug zu fahren – und eben nur dort anzugreifen, wo’s sinnvoll ist. Die Jahre des blindwütigen, ungestümen Angasens sind vorbei, auch jene, in denen er – den Sieg vor Augen – mitunter das Auto wegwarf, weil er geglaubt hat, bis zum Schluss auf der allerletzten Rille glühen zu müssen.

Nur um zu beweisen, dass er der Schnellste ist.
Pläne für 2014? „Ja, etliche“, sagt Aigner. Vielleicht gar wieder WM? „Wär’ schon super“. Wie immer am Ende einer Saison: Nachgedacht wird über alles, gesprochen wird mit jedem – so wie’s im Moment aussieht, bleiben Aigner die Sponsoren erhalten. Und damit auch die Basis für künftige Erfolge.