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© Audi

Fahrbericht
10/26/2021

Noch einmal in den Grenzbereich: Die neue Generation des Audi RS3

So fährt sich der neue RS3, bei dem die Audi Sport GmbH wohl zum letzten Mal zeigen darf, wozu der legendäre Fünfzylinder fähig ist

von Horst Bauer

Das wird ein besonderes Sammlerstück werden. Deutet man die Zeichen der Zeit und die Ankündigungen des Audi-Managements zum Thema Elektrifizierung der Marke, dann ist der neue Audi RS3 wohl der Letzte in der Ahnenreihe.

Wie schade es aus der Sicht von ambitionierten Sportfahrern um den tollen Fünfzylinder-TFSi sein wird, ließ Audi eine handverlesene Schar an internationalen Fachjournalisten zwischen Bergstraßen, Rennstrecke und einer Drift-Fläche noch einmal ausführlich erkunden.

Und um gleich zum entscheidenden Punkt zu kommen: Das Einzige, was den sowohl als Fünftürer als auch als Limousine angebotenen neuen RS3 mit der heraufziehenden Elektroauto-Welt verbindet, sind seine Beschleunigungswerte. Für die 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h ist hier aber eben nicht ein Elektromotor (auch nicht als Booster) zuständig, sondern der nun 400 PS leistende Fünfzylinder-Benziner. Dessen auf 500 Nm erhöhtes Drehmoment spürt man aber nicht nur beim Sprint aus dem Stand, sondern viel eindrucksvoller und praxisgerechter in Form von unbändigem Durchzug aus jeder Fahrsituation heraus.

Unterstützt von dem formidablen 7-Gang-DSG und unabhängig vom jeweiligen Fahrprogramm (von denen es nun sieben gibt) liefert die Antriebseinheit immer beachtlichen Schub, sobald dieser auch nur durch ein leichtes Tippen auf das Gaspedal angefordert wird. Für die adäquate Umsetzung der geballten Kraft des Fünfzylinders in puren Vortrieb sorgen der weiterentwickelte Allradantrieb und die auf Wunsch erhältlichen Semi-Slicks (Pirelli P Zero Trofeo R).

Allrad mit Torque-Splitter

Gustostückerl der Antriebseinheit ist aber der Allradantrieb mit dem speziellen RS Torque-Splitter an der Hinterachse. Das bedeutet in der Praxis, dass das System in der Lage ist, das Antriebs-Moment an der Hinterachse automatisch und voll variabel zwischen den Rädern zu verteilen. Im Anlassfall kann sogar die ganze Kraft nur an ein einziges Rad geschickt werden. Und das sind dann immerhin bis zu 1.750 Nm auf dem kurvenäußeren Rad.

Das reduziert bei scharf angegangenen Biegungen die Tendenz zum Untersteuern und macht damit im speziellen Modus „RS Torque Rear“ auch richtiges Driften erst möglich. Und das aufgrund des enormen Schubs des Fünfzylinders sogar auf trockenem Asphalt. Was im Zuge der Testfahrten auf einer Kreisbahn in einem aufgelassenen Güterterminal in der Nähe von Athen ausgiebig probiert werden konnte.

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Abgesehen von dieser plakativen Anwendung des Torque-Splitters sorgt er aber in Verbindung mit der Progressivlenkung (mit vom Lenkwinkel abhängiger variabler Übersetzung) und dem speziellen RS-Sportfahrwerk (das es auf Wunsch auch mit adaptiver Dämpferregelung gibt) für ein Fahrverhalten, das an Exaktheit beim Umsetzen der Lenkbefehle kaum zu überbieten ist.

Segeln mit dem RS3

Davon profitiert man nicht nur bei heißen Runden auf der Rennstrecke, sondern auch im ganz normalen Verkehr auf der Straße. Hier kann der RS3 jetzt übrigens mit neuen, in die Zeit passenden Fähigkeiten aufwarten. So nennt sich eines der sieben Fahrprogramme nicht zu Unrecht „efficiency“, lässt es sich doch in diesem Modus auch im Leerlauf bestens segeln. Das beruhigt nicht nur das Gewissen beim Gedanken an den nächsten Tankstopp, sondern trägt auch wesentlich zur Alltagstauglichkeit des kompakten Überfliegers bei.

Apropos Alltagsverkehr: Natürlich ist auch die gesamte Armada an heute üblichen elektronischen Fahrassistenten an Bord, vom Abbiegeassistenten bis zur Ausstiegswarnung.

Um nach einer längeren, verbrauchsschonenden Rollphase wieder das Biest im RS3 zu wecken, reicht ein Druck auf den RS-Knopf auf dem Lenkrad. Damit wird der für Rennstreckenbetrieb optimierte Fahrmodus „RS Performance“ aktiviert und damit alle Systeme in Sekundenbruchteilen auf „scharfer Vortrieb“ gestellt. Überholvorgänge können so mit minimalem Zeit- und Platzbedarf abgehakt werden.

Dafür, dass es auch in die andere Richtung Spitzenwerte gibt, sorgt die neu entwickelte und noch standfestere Bremsanlage. Kupferfreie und vergrößerte Bremsbeläge bringen geringeren Verschleiß und durch eine verbesserte Luftführung konnte die Abkühlzeit der Bremsen um 20 % verbessert werden. Zudem ist optional auch eine Keramik-Bremsanlage verfügbar, die sowohl noch weniger Hitzeprobleme hat, als auch um satte 10 Kilo leichter ist.

Bei all der geballten, auf größtmögliche Zuspitzung hin ausgerichteten Ingenieursleistung, welche die Entwickler von Audi Sport in den neuen RS3 gesteckt haben, blieb aber auch noch etwas Kapazität für den Spieltrieb übrig. Wer sich die optionalen Matrix-LED-Scheinwerfer leistet, der wird beim Öffnen des Autos mit einem sich dynamisch aufbauenden RS3-Schriftzug im rechten und einer Zielflagge im linken Tagfahrlicht begrüßt.

Der neue Audi RS3 ist in Österreich ab sofort verfügbar. Die Preislatte liegt für den Sportback bei 71.253 € und bei der Limousine bei 72.376 €. Und kann natürlich dank einer soliden Aufpreisliste ganz leicht noch ein paar Rasten höher gelegt werden.

 

Antrieb

Fünfzylinder-Turbo mit Direkteinspritzung, Hubraum 2.480 cm3, Leistung 294 kW /400 PS zwischen 5.600 und 7.000 U/min, maximales Drehmoment 500 Nm zwischen 2.250 und 5.600 U/min. 7-Gang-DSG, permanenter Allradantrieb mit Torque-Splitter hinten, elektromechanische Progressivlenkung.

Fahrleistungen

Beschleunigung 0 – 100 km/h in 3,8 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit abgeriegelt 250 km/h oder 280 bzw. 290 km/h mit RS-Dynamikpaket plus.

Verbrauch

Normverbrauch nach WLTP: RS3 Sportback 8,3 – 8,8 l/100 km (190 – 201 g/km CO2). RS3 Limousine 8,2 – 8,7 l /100 km (188 – 198 g/km CO2)

Kosten

RS3 Sportback ab 71.253 €, RS3 Limousine ab 72.376 €

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