Ferrai LaFerrari

© Werk

Autosalon Genf
03/08/2013

Die elektrisierende Welt der neuen Supersportler

Die neuen sportlichen Überflieger setzen auf elektrische Zusatzkraft, die gehobene Limousinen-Liga glänzt mit edlen Vertretern – und das Fußvolk darf sich auf leistbaren Fahrspaß freuen.

von Horst Bauer

Die Neugier wurde arg auf die Folter gespannt. Bis zu Mittag des ersten Pressetages des Genfer Autosalons am Dienstag ließen die Ferrari-Granden die Fans warten. Bis dahin war das Objekt der Begierde zwar physisch auf dem Stand präsent, aber von einer gut bewachten Plane verhüllt.

Erst dann enthüllte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo den lange erwarteten Nachfolger des Enzo – bei dem man sich in Maranello offensichtlich wesentlich stärker auf dessen Entwicklung als auf die Namensgebung konzentriert hat. Der in einer auf 499 Exemplare limitierten Serie gebaute schnellste Straßen-Ferrari alles Zeiten hört auf den Namen „LaFerrari“ und vereint das geballte Know-how der Formel-1-Abteilung in einem (Klein-)Serien-Modell. Darunter erstmals auch die KERS-Technologie, bei der ein 163 PS starker Elektromotor (gespeist aus einer nur 60 kg wiegenden Batterie) für zusätzlichen Schub und geringeren Verbrauch sorgt. Die Eckdaten des LaFerrari: 6,3-l-V12, 800 PS (Gesamtsystemleistung mit E-Motor 963 PS), 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Fiorano-Rundenzeit von 1,20 min (das ist 5 sec. schneller als der Enzo).

McLaren mit Strom

Der direkte Konkurrent des Über-Ferrari steht in Genf einen Stock höher auf dem McLaren-Stand. Vom P1 wird es ebenfalls nur eine limitierte Serie geben (diesfalls 375 Stück) und auch er greift zur Unterstützng des 3,8-Liter-Biturbo-V8 auf zusätzliche Elektro-Kraft zurück (Systemleistung 916 PS). Die Briten nutzen den Strom aber nicht nur für Zusatzschub, sondern ermöglichen es dem Piloten auch, bis zu 20 km rein elektrisch zu fahren (mit maximal 50 km/h). Wer schnell ist und über zumindest € 1,216.000,– Spielkapital verfügt, kann sich beim heimischen Importeur Denzel eines der raren Stücke sichern.

Apropos rar: Gegen den in Genf gezeigten Lamborghini Veneno sind die beiden Vorgenannten wahre Massenware. Von dem gegenüber dem Aventador noch einmal weiter in Richtung Fahrdynamik zugespitzten Lambo (750 PS, 2,8 sec. auf Tempo 100) wird es nur drei Stück geben.

Keine Schranken in dieser Hinsicht legt sich Porsche bei der GT3-Version des aktuellen 911er auf. Den gibt es ab Herbst in einer straßentauglichen Version mit immer noch recht kräftigen 475 PS ab € 172.370,– und in einer dem Clubsport gewidmeten Ausführung mit 460 PS.

Ein Schäuferl mehr Leistung – und das gleich für vier Besatzungsmitglieder – hat die zweite Generation des viertürigen Aston Martin Rapide zu bieten, die jetzt das Kürzel S ziert. Der Zwölfzylinder leistet jetzt 558 PS (statt 477 bisher), das Drehmoment steigt um 20 auf 620 Nm.

Ebenfalls vier Türen hat der Bentley Flying Spur zu bieten, der jetzt nicht mehr als die Limousine der Continental-Reihe angesehen werden will. Mit den 625 PS seines W12 stellt er dabei sogar den großen Bruder Mulsanne in den Schatten.

Das hat der Rolls-Royce Wraith mit ihm gemeinsam. Der ungern als Coupé der Ghost-Baureihe bezeichnete Zweitürer ist mit 632 PS der stärkste „Rolli“ aller Zeiten und glänzt mit Technik-Details wie einem satellitenunterstützten Getriebe, das GPS-Daten über den vorausliegenden Straßenverlauf nutzt, um automatisch den richtigen Gang zu vorauszuwählen.

Vor so viel Kraftmeierei verblassen die erschwinglicheren Vertreter der Sport- und Fahrfreude-Fraktion nur allzuleicht. Was ungerecht wäre. Dem Mercedes A45 AMG gegenüber wegen der Leistung seines Vierzylinders (360 PS um unter 60.000 Euro), dem Alfa Romeo 4C wegen seiner atemberaubenden Optik und dem Kia Pro-Cee’d GT (204 PS)gegenüber wegen des Mutes der Koreaner, den Schritt in Richtung Fahrfreude-Maximierung für Kompaktwagen-Kunden zu gehen.

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