bentley flying spur

© Max Earey

Fahrbericht
05/22/2013

Bentley Flying Spur: Die feine englische Fahrt

Ultimative Luxuslimousine mit unerreichtem Leistungsvermögen

von Ad Raufer

Bentley, 1919 im Londoner Stadtteil Cricklewood etabliert, seit 1998 zum mächtigen VW-Konzern gehörend und offizieller Hoflieferant des britischen Königshauses, repräsentiert wie kaum ein anderer Hersteller puren automobilen Luxus. Wer einen Flying Spur besitzt – der 2005 auf den Markt kam und jetzt einem umfangreichen Facelift unterzogen wurde – ist ganz oben angekommen und darf im angenehmen Bewusstsein leben, unter den viertürigen Hochleistungslimousinen eine der ganz exklusiven zu fahren.

Einem knapp 2500 Kilo schweren Auto mit doppelt aufgeladenem 6-Liter-Zwölfzylinder, 625 PS und 800 Newtonmeter das Etikett der hedonistischen Maßlosigkeit umzuhängen, fällt in Zeiten des Downsizings nicht wirklich schwer. Wer aber tief in der Seele noch einen Funken Begeisterung aufspüren kann, wird wegen der Großartigkeit dieses Autos einfach nur versonnen staunen.

Perfektion im Detail

Die Türen fallen satt und nahezu geräuschlos ins Schloss, im Cockpit empfangen den Spur-Piloten klassische handgefertigte Materialien: Edles Holzfurnier, hochflorige Teppiche und makellos vernähtes Leder vermitteln ein Gefühl der Solidität und ergeben jene polyglotte Clubatmosphäre, die man – hoher Perfektion zum Trotz – in deutschen Premiumprodukten vergeblich sucht.

Und so kommt’s zwar ein bisschen snobby, aber keineswegs arrogant rüber, wenn Bentley vom neuen Flying Spur als „best luxury sedan in the world“ spricht.

Die Deutsch-Briten sehen ihr renoviertes Produkt im Segment etwa eines Rolls-Royce Ghost, Jaguar XJ, Aston Martin Rapide, Maserati Quattroporte oder Mercedes S-Klasse – im Selbstverständnis von Bentley formvollendete Mitbewerber, aber keine echten Gegner.

Das aus heutiger Sicht anachronistische Monumental-Triebwerk schiebt die 5,3-Meter-Wuchtbrumme ebenso vehement wie entschlossen nach vorn, ein sanfter Tritt aufs Gaspedal – das offenbaren erste Testkilometer am Steuer des Flying Spur – und die Landschaft huscht im schnellen Vorlauf vorbei.

625 PS versprechen allerdings weit mehr Dramatik als sie halten, weil das enorme Gewicht eben die Agilität beeinträchtigt. Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Im Spur über Leistungsmangel zu klagen, wäre so, als ob man eine opulente Malakofftorte mit Schlag mit einer Diät-Süßspeise verwechseln würde.

Der Zwölfzylinder überträgt die Kraft über eine neue vom deutschen Zulieferer ZF stammende 8-Gang-Automatik. Die Gangwechsel erledigt das Getriebe ohne jeden Schaltruck, also kaum wahrnehmbar und innerhalb von nur 200 Millisekunden. Der serienmäßig zum Einsatz kommende Allradantrieb arbeitet mit etwas hecklastiger Kraftverteilung von 60:40, das Fahrwerk ist kompromisslos auf Komfort abgestimmt, dessen adaptives Dämpfersystem lässt den Flying Spur selbst in sportlichster Stufe nicht unangenehm über Fahrbahnverwerfungen brettern, sondern federt lediglich etwas pointierter an und reduziert gleichzeitig auch die Seitenneigung.

Exklusivität hat ihren Preis: Wer das Auto – bei uns übrigens ab Juli zu haben – in der Garage stehen haben möchte, muss zuerst exorbitante € 246.880,– aufs Händlerkonto überweisen.