Vorsitzender des Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ) und Leiter des Bereichs Energiedienstleistungen bei der LINZ AG

Vorsitzender des Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ) und Leiter des Bereichs Energiedienstleistungen bei der LINZ AG

© BEÖ/TomTom

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Wie viel Elektromobilität verträgt Österreich, Herr Reinhardt?

Was würde geschehen, wenn alle Autos in Österreich elektrisch fahren würden? BEÖ-Chef Andreas Reinhardt hat die Antwort.

von Sandra Baierl

01/12/2023, 05:00 AM

Die Zahl der Elektroautos steigt stetig an. Doch an Infrastruktur fehlt es noch. Andreas Reinhardt ist der Vorsitzende des Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ) und Leiter des Bereichs Energiedienstleistungen bei der LINZ AG. Wir haben ihn gefragt, wie es denn aussehen würde, wenn alle Autos elektrisch fahren würden. 

KURIER: Was würde passieren, wenn plötzlich alle Autos in Österreich mit Strom fahren würden?

Andreas Reinhardt: Zuallererst würden die Bewohner von Wien, Linz und Graz die Fenster aufreißen und sich über die Ruhe und die unbelastete Luft freuen und aufatmen. Die Tankstellen würde sich um PV-Anlagen kümmern und Ladestellen anbieten, mit denen sie viel weniger Aufwand hätten als mit den Tankwagen, Zapfsäulen und Öltanks. Der LKW-Verkehr auf den Autobahnen würde sinken, da wir die Energie nicht mit lauten Gefahrenguttransporten herumführen müssten. Die Abhängigkeit von Öl aus Ländern, die nicht unsere Werte teilen, wäre plötzlich zurückgegangen, da wir den Strom in Österreich aus erneuerbaren Quellen produzieren. Eine durchaus schöne Vorstellung.

Etwas realistischer: Wenn nur die Hälfte aller Autos mit Strom fahren würden, ab wann wäre das möglich?

In Österreich haben wir 5,1 Millionen Pkw. Bis wir die Hälfte der Fahrzeuge durch E-Autos ersetzt haben, ist ausreichend Zeit die Stromnetze entsprechend zu erweitern. In den Wohnanlagen, die mit Tiefgaragen gebaut oder gerade saniert werden, haben wir heute bereits ausgereifte Lademanagementsysteme, um mehrere E-Autos gleichzeitig ohne Überlastung laden zu können. Norwegen ist uns sieben Jahre voraus, dort kann man sich das heute schon anschauen.

Es gibt kritische Stimmen, die sagen, Elektroautos werden wieder vom Markt verschwinden. Was ist Ihre Meinung?

Im BEÖ kümmern wir uns um den Ausbau der Lademöglichkeiten. Was wir sehen ist, dass das batterieelektrische Fahren komfortabel und einfach ist. Strom ist genug da, und auch wenn es viele Unkenrufe gibt – die Ladestellen sind auch da. Ich sehe keinen Grund und auch keine Anzeichen, dass sich das ändern sollte. Politik und Autoindustrie haben eine Entscheidung getroffen und die heißt batterieelektrisch. So eine Entscheidung wird nicht von heute auf morgen wieder umgestoßen, es hängt viel zu viel Geld an dieser Entscheidung.

Eine Co-Existenz von Elektro, Wasserstoff und E-Fuels ist für viele Konsumentinnen die wünschenswerte Zukunft. Vor allem will man eine Wahl haben. Ein Vernünftiger Ansatz?

Das ist kein vernünftiger Ansatz sondern das Wunschdenken derer, die sich vor Veränderungen fürchten. Drei Infrastrukturen parallel aufzubauen und über viele Jahre zu betreiben macht volkswirtschaftlich keinen Sinn. E-Autos sind bei weitem am energieeffizientesten, Wasserstoffautos fahren mit der gleichen Energiemenge nur ein Drittel so weit und Benzinautos, die mit E-Fuel betrieben werden, fahren überhaupt nur ein Siebentel so weit. 

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Welche Antriebszukunft sehen Sie für den Schwerverkehr, also für LKW?

Ich habe viel mit Frächtern, Herstellern und Verkehrsanalysten diskutiert und dabei ist herausgekommen, dass es naheliegend ist, auch den Lkw von der batterieelektrischen Seite zu denken. Vor Weihnachten bin ich vor einem brandneuen Serienmodell eines E-LKWs gestanden: riesig, leistungsfähig und sehr leise mit einer garantierten 400 Kilometer-Reichweite. Der Hersteller sagt: „Natürlich mit Batterie. Es funktioniert und wir nutzen die selbe Technik wie im PKW. Warum sollten wir etwas anderes machen?"

Wie sehen Sie den Fortschritt in der Mobilitätswende in Österreich. Wo stehen wir?

Uhhhh, da fragen sie mich lieber nicht so genau. Es geht noch immer viel zu langsam. Die prozentuelle Verteilung zwischen öffentlichem Verkehr, Pkw, Fahrrad und Fußgänger verändert sich kaum! Die ASFINAG hat gerade eine Rekordzahl an Lkw über den Brenner im Jahr 2022 veröffentlicht und wir stehen aktuell bei zwei Prozent emissionsfreien Pkw in Österreich. Wir haben noch einen sehr, sehr weiten Weg vor uns, bis wir von einer sichtbaren Mobilitätswende reden können. Nichts desto trotz: Dran bleiben und tun statt (dagegen) reden.

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