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News
09/20/2012

Besser als geglaubt

Die nüchternen Zahlen widerlegen den schlechten Ruf unserer Luft.

von Horst Bauer

Wer in den letzten Jahren die Debatte um Luftreinhaltung verfolgt hat, musste zu dem Schluss kommen, dass bei uns alles immer schlimmer wird. Zwar hat sich der Wald auch schon nicht an die seinerzeitigen Untergangsprognosen gehalten, aber sonst schien ja alles andere tatsächlich den sprichwörtlichen Bach runterzugehen. In immer kürzeren Abständen wurden von Experten verschiedenster Organisationen unterschiedliche Schadstoffe aus der Versenkung geholt und aus deren Bedrohungspotenzial immer neue Schreckensszenarien gebastelt. Vom bodennahen Ozon bis zum Feinstaub – in mehreren Ausformungen – lösten sich die jeweils aktuellen präsumtiven Killer in der medialen Aufmerksamkeit ab. Immer verbunden mit der unterschwelligen Aufforderung an uns alle zur Selbstgeißelung ob der eigenen Schuld an den katastrophalen Verhältnissen.

Wie ein Blick auf aktuelle Zahlen der Statistik Austria jedoch zeigt, wurde die Luftqualität in Österreich in den 15 Jahren seit 1995 nicht schlechter, sondern wesentlich besser. Von Schwefeldioxid über Kohlenmonoxid und Ammoniak bis zum Feinstaub sind die gemessenen Werte zum Teil dramatisch gesunken. Und selbst bei den Stickoxiden, deren Werte 2010 über denen von 1995 lagen, ist seit 2006 ein kontinuierlicher Rückgang zu messen.

Das heißt zwar nicht, dass keine Bemühungen mehr notwendig wären, die Schadstoffwerte weiter zu senken. Aber den emotionalen Kampagnen der Apokalypse-Industrie sollte man angesichts solch nüchterner Zahlen doch mit mehr Vorsicht begegnen.

horst.bauer(at)kurier.at