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09.12.2011

Bio frisst Kunststoff

Biosprit ist den EU-Politikern teuer. Bei Problemen wird’s oft für den Kunden teuer.

Immer öfter klagen Autoentwickler über die sich teilweise rasant verschlechternde Spritqualität. Auch im Westen. Ein Riesenproblem für immer sensiblere Einspritzsysteme, die für die Einhaltung strenger Abgasnormen nötig sind.

Doch wie die Praxis zeigt, muss es sich um keinen minderwertigen Kraftstoff handeln, um Probleme zu haben. Es reicht die gesetzlich vorgeschriebene Beimengung von Biosprit. Beim Diesel sind es bei uns derzeit sieben Volumsprozent. Ursprünglich hatten EU-Politiker, so ÖAMTC-Cheftechniker Lang, 10 Prozent angestrebt, aber sich nach einem Aufschrei der Autohersteller auf 7 Prozent geeinigt. Dafür gaben alle Hersteller sämtliche Modelle, auch ältere, frei.

Selbst damit waren sie zu optimistisch, wie nach wie vor auftretende Pannen zeigen. "Biogene Kraftstoffe sind extrem aggressiv", so ARBÖ-Sprecher Woitsch. Gerade die wegen des Leichtbaus favorisierten Alu-Motoren benötigten viele Kunststoffdichtungen, die sich in Kontakt mit Biosprit verkleben, auflösen, verschmutzen oder die Regelventile sonstwie blockieren. Viele, vor allem deutsche Premiumanbieter, aber nicht alle Hersteller, reagierten sofort und tauschten schnell und kostenlos betroffene Kunststoffteile aus. Auch ein von den Autofahrerclubs empfohlenes Additiv hilft.

Zugegeben, nicht jedes Problem ist vorhersehbar. Aber inzwischen sollte selbst noch so Biosprit-verliebten Politikern klar sein, dass das Thema in der Verwendung wie in der Erzeugung mehr Beachtung erfordert. Sich über besorgte Endverbraucher lustig zu machen, wird die Umwelt nicht verbessern.

maria.brandl(at)kurier.at