News 05.12.2011

Blaulicht-Training: Die Kamera sieht alles

Blaulicht-Training: Die Kamera sieht alles
© KURIER / Gnedt Martin

Bei U-Bahn-Pannen rückt die Funkstreife der Wiener Linien aus. Sie muss ein eigenes Fahrtechniktraining absolvieren.

Meine Fahrt ist eh ganz gut gelaufen. Nur beim abgestellten Fahrzeug hätte ich etwas vorsichtiger vorbeifahren sollen. Die Kameras bringen alles zutage", sagt Alexander Scherzer. Der 42-jährige Mitarbeiter der Wiener Linien hat gerade mit dem weißen Golf seines Dienstgebers eine Runde auf dem ÖAMTC-Gelände in Teesdorf (Niederösterreich) gedreht.

Auch ein Bremstest auf nasser Fahrbahn steht auf dem Stundenplan.
© KURIER / Gnedt Martin

Dabei handelte es sich um kein gewöhnliches Fahrtechnik-Training, sondern um eines, das speziell auf die Anforderungen von Blaulicht-Organisationen zugeschnitten ist. Die Wiener Linien verfügen nämlich über eine rund 40 Mann starke Notfall-Staffel, die immer dann ausrückt, wenn es bei den Öffis zu gröberen Pannen kommt. Gebrechen bei U-Bahnen etwa oder die Erkrankung eines Fahrgastes. Das Team koordiniert das Störungsmanagement, kann aber auch vor Ort Reparaturen durchführen.

Damit sie auf ihrer rasanten Fahrt zum Einsatzort nicht selbst verunfallen, müssen die Mitarbeiter regelmäßig das Training beim ÖAMTC absolvieren. Dabei werden Situationen nachgestellt, die bei Blaulicht-Fahrten besonders heikel sind: Das Passieren von roten Ampeln, Zebrastreifen, an denen Kinder warten, oder die Fahrt durch unübersichtliche Kurven mit Gegenverkehr. Im Wagen sind drei Kameras installiert, die jeden Fahrfehler aufzeichnen. Nach der Fahrt gibt es ein ausführliches Feedback vom ÖAMTC-Trainer.
"Manche Fahrer glauben, sie sind unzerstörbar und haben alle Rechte, wenn sie mit eingeschaltetem Blaulicht unterwegs sind. Anderen macht wiederum der Stress zu schaffen, der in so einer Situation auftreten kann", erklärt Thomas Fleer vom ÖAMTC .

Wie einst Niki Lauda

Auch ein Bremstest auf nasser Fahrbahn steht auf dem Stundenplan.
© KURIER / Gnedt Martin

Alexander Scherzer lässt sich hingegen nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Seit zweieinhalb Jahren ist er für die Funkstreife unterwegs. Davor pilotierte er einen Bus der Wiener Linien. "Aber wie seinerzeit der Niki Lauda hatte auch ich keine Lust mehr, dauernd im Kreis zu fahren." Da sei der neue Job schon wesentlich abwechslungsreicher. "Wir sind quasi die Feuerwehr der Wiener Linien", sagt Scherzer nicht ohne Stolz.

Abseits des Übungsparcours, bei den echten Einsatzfahrten, gebe es aber nur selten gröbere Zwischenfälle, betont man bei den Wiener Linien: "Hin und wieder kommt es zu kleineren Blechschäden."

Notfälle: Mehr als 3500 Einsätze

Mannschaft: Rund 40 Mitarbeiter (Funkstreife und Einsatzleiter) sind für die Wiener Linien im Blaulicht-Einsatz unterwegs. Ein Team besteht aus je zwei Personen.

Statistik: Im vergangenen Jahr waren die Funkstreifen unter anderem bei 294 Erkrankungen, 2114 Fahrtbehinderungen (verursacht z. B. durch Falschparker) und 1254 Unfällen im Einsatz.

(Kurier) Erstellt am 05.12.2011