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11.11.2018

Blick in die Zukunft: Wenn der Verkehr in Wien voll autonom wäre

Wie sich das Stadtzentrum durch autonomen Straßenverkehr verändern ließe.

Zu einem Spaziergang der besonderen Art lud das Design-Unternehmen „Wideshot“ heuer anlässlich der „Vienna Design Week“ im Herbst. Auf einer Runde durch den ersten Bezirk in Wien konnten Interessenten mit einer Virtual-Reality-Brille erkunden, wie die bekannte Plätze vor dem Burgtheater, der Börse sowie Am Hof aussehen würden, wenn der Verkehr voll automatisiert erfolgen würde.

„Der erste Bezirk als Beispiel ist nicht zufällig gewählt“, so Wideshot-Geschäftsführer und -Mitbegründer Oliver Bertram einleitend. Mit 141 Stellplätzen (inklusive aller Privatparkplätze) pro 100 Einwohnern ist er der Bezirk mit dem höchsten Parkplatzanteil in Wien. Umgerechnet seien dies bei 16.450 Einwohnern rund 23.000 Parkplätze und mehr als 280.000 m2 Parkfläche.

In ganz Wien sind 720.000 Pkw zugelassen. Pro Pkw stehen 2,5 Parkplätze (samt privater Stellplätze) zur Verfügung. Ein Parkplatz benötigt im Schnitt 12,5 m2 pro Pkw, macht somit 22 Mio. m2 oder rund 5 % der Fläche von Wien, laut Wideshot. Das ist im internationalen Vergleich sehr wenig. In US-Städten machen die Parkflächen deutlich mehr der Stadtfläche aus.

Neuer Freiraum

Wenn in Zukunft der Straßenverkehr autonom erfolgt, werde dies den Parkplatzbedarf deutlich senken, gehen Experten weltweit davon aus. Grund: Die Fahrzeuge würden nicht wie heute die meiste Zeit, im Schnitt 22 bis 23 Stunden, irgendwo geparkt stehen, sondern die meiste Zeit herumfahren, etwa als Robotaxis. In Wien und anderen historischen Städten Europas wird dies noch etliche Jahre dauern, da die Straßeninfrastruktur nicht sehr gut für autonom fahrende Vehikel ist. In der US-Stadt Phoenix dagegen beginnt etwa die Google-Tochter Waymo bereits heuer, Ende des Jahres, mit ihrer ersten Robotaxi-Flotte. Schanghai wird, so Bertram, ab 2019 ebenfalls Straßen für autonome Autos ohne Lenker öffnen.

Der individuelle Pkw-Verkehr könnte so stark zurückgedrängt werden, so die Hoffnung der Befürworter. Über mögliche Staus auf der Straße durch die ständig kreisenden autonomen Vehikel sprechen deren Fans nicht so gern.

Wideshot hat mit seinem Projekt den Blick in die Zukunft um 2040 gewagt und grafisch dargestellt, wie die Plätze bei der Börse, beim Burgtheater und Am Hof aussehen würden, wenn 60 bis 80 % der Parkplätze wegfielen und so die Plätze neu gestaltet werden könnten.

 

Mit der Virtuality-Brille verwandeln sich die aktuellen, mit Autos vollgeparkten Plätze, in begrünte Spielplätze, neue Arbeitsstätten, Ecken zum Entspannen. Der Autoverkehr wird nicht komplett verbannt, aber zurückgedrängt. Auch die aktuelle Garage Am Hof könnte verkleinert werden und der neu geschaffene Platz etwa für Betriebe genutzt werden.

Bis es soweit ist, sind jedoch noch viele Fragen zu klären, so Bertram. Etwa welche neuen Geschäftsmodelle die bisherigen Parkeinnahmen für die Stadt ersetzen könnten. Oder wie der Straßenbelag der Zukunft sein muss, um der Belastung durch die ständig fahrenden autonomen E-Vehikel standzuhalten. Auch die Wünsche der Anrainer werden weiterhin eine Rolle spielen..

Über Wideshot

Wideshot Design GmbH Die Design-Firma mit Sitz in Wien wurde 2010 von Oliver Bertram (Bild) und Johannes Mücke gegründet. Die Idee war, „eine Schnittstelle zwischen Architektur und Design mit der Welt der Unterhaltungsbranche zu schaffen.“ Inzwischen beschäftigt Wideshot 25 Architekten, Designer, Grafiker und 3D-Gestalter. Schwerpunkte der Aufträge betreffen neben der Architektur für Verwaltung und Interieur auch Arbeiten für die weltweite Automobilindustrie. In vielen aktuellen Projekten spielen laut Wideshot Szenarien für autonomes Fahren eine große Rolle und werden bereits umgesetzt, etwa in Parkhäusern für selbst parkende Fahrzeuge.

Im Unterhaltungsbereich macht Wideshot Design für Computerspiele, Film, Werbung sowie für Themenparks. 2018 wurde die Firma für das Projekt „22 All-Tagsträume“ für die Kapsch Carrier Com mit dem „German Design Award“ ausgezeichnet. Der selbst produzierte Kurzfilm „UI – Soon we will all be one“ feierte Erfolge in New York und wurde in Hollywood ausgezeichnet.