News 27.04.2016

BMW F 800 GS: Der goldene Weg der Mitte

BMW F 800 GS: Der goldene Weg der Mitte
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Maßvolle Updates für eine lange Bekannte, die sich mit geringen Änderungen als erstaunlich fit erweist.

Heuer jährt es sich zum zehnten Mal, dass BMW mit einem Reihen-Zweizylinder eine weitere Baureihe begründet hat. Seine Karriere hat der flüssig gekühlte Vierventiler in Sporttourern begonnen, zu großer Form ist er allerdings im Naked Bike F 800 R und in der Midsize-Enduro F 800 GS aufgelaufen.

Letztere bekam für die heurige Saison ein Update, das man ruhig als maßvoll bezeichnen kann. Auffälligstes Merkmal des neuen Jahrgangs sind die glänzenden Einfassungen der Kühler mit verändertem Schriftzug; sogenannte Galvano-Elemente. In Verbindung mit dem nun zweifärbigen Sattel in Schwarz-Grau zeitigen die dezenten Modifikationen Wirkung: Die F 800 GS wirkt deutlich hochwertiger, edler. Ausgewiesene Kenner der Materie werden auch das neue Design des Tank-Covers und der Zündschlossabdeckung als erfrischte Elemente erkennen.

Aufgefächertes Programm

Der allgemeinen Modellpolitik folgend ist die F 800 GS nun auch als Basismodell sowie in zwei Style-Versionen zu bekommen: Das sportliche Style 1 (unser Testmotorrad) kommt mit weißem Lack, rotem Rahmen und rotem Federbein. Style 2 als edle Alternative mit schwarzem Lack, mattgrauem Rahmen, weißem Federbein, dunklem Windschild und LED-Blinkern. Das Basismodell ist mattblau-metallic mit grauem Rahmen. Die hübschen Speichenfelgen – die man bei der großen GS extra bezahlen muss – sind in allen Varianten serienmäßig.

bmw f 800 gs…
© /WERk

In technischer Hinsicht wurde indes nicht geschraubt – und die erste Testfahrt zeigt , warum: Die F 800 GS ist auch nach Jahren noch eine gute Wahl, wenn man auf unkomplizierte und wirtschaftlich überschaubare Weise einen Allrounder bewegen will, der bei passender Gelegenheit sogar ins Gelände abbiegen kann. Die Sitzposition ist kommod (und lässt sich mit fünf Sitzhöhen zwischen 820 und 920 Millimeter fein abstimmen), die Ergonomie passt. Auch ein Beifahrer ist hier gut untergebracht.

Das Handling selbst ist spielerisch, selbst trotz des dünnen, 21 Zoll großen Vorderrads – ein Unikum in diesem Segment. Mit 214 Kilo vollgetankt zählt die kleine GS nach wie vor zu den leichtesten Möglichkeiten, eine Reiseenduro zu bewegen.

Viel Zubehör

Apropos Reise: Hier kann man natürlich aus dem vollen Programm schöpfen und neben Gepäcksystemen, Bordcomputer und Hauptständer auch die Traktionskontrolle ASC und das elektronische Fahrwerk ESA bestellen, das per Knopfdruck das Setup auf unterschiedliche Beladungszustände einstellt.

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Auch der mittlerweile gut bekannte Zweizylinder hat über die Jahre nichts von seinem Reiz verloren: Mit seinem ungewöhnlichen dritte Ausgleichspleuel läuft er sanft, zieht kräftig aus den Kurven und punktet mit den legendär niedrigen Verbrauchswerten.

Dass in Kürze KTM mit einem 800er-Zweizylinder auf den Markt kommen wird und auch Honda in der Mittelklasse nun durchwegs auf dieses Konzept setzt, bestätigt den seinerzeit klug eingeschlagenen Weg: Reihen-Zweizylinder sind angenehm für den Fahrer und günstig für den Hersteller.

Von 85 PS darf man sich indes keine Performance-Wunder erwarten, vor allem im oberen Drehzahlbereich wird die Luft dünn. Und auch das starke Eintauchen der Gabel beim harten Verzögern spricht gegen den Angriff auf der letzten Rille.

Dafür macht die F 800 GS, wie schon erwähnt, mit ihrem großen Vorderrad und dem vergleichsweise geringen Gewicht auch im Gelände eine erstaunlich gute Figur, auf Wunsch und ohne Aufpreis gleich ab Werk mit grobstolligen Reifen – für das grobbärtige Abenteuer im neuen Designeranzug.

Antrieb: 2-Zylinder-Reihenmotor, flüssig gekühlt, zwei oben liegende Nockenwellen, 4 Ventile pro Zylinder; Verdichtung 12:1; elektronische Kraftstoffeinspritzung; Trockensumpfschmierung; 6-Gang-Getriebe; Endantrieb über Kette.

Hubraum: 798 cm³

PS/kW: 85 PS/63 kW maximales Drehmoment:83 Nm bei 5750 U/min

Fahrwerk: Stahl-Gitterrohrrahmen, Motor mittragend; vorne 43-mm-Upside-down-Gabel, hinten Stahl-Zweiarm-Schwinge mit Monofederbein; Vorspannung und Zugstufe verstellbar; Federweg v/h 230/215 mm; vorne Doppelscheibenbremse (300 mm) mit 2-Kolben-Bremszangen, hinten Einscheibenbremse (265 mm) mit 1-Kolben-Bremszange; ABS; Reifen v/h 90/90-21 und 150/70-17; Drahtspeichenfelgen.

Maße (L x B x H):2320 x 945 x 1350 mm Sitzhöhe: 880 mm Radstand: 1578 mm Nachlauf: 117 mm Zuladung: 229 kg Gewicht, vollgetankt: 214 kg Tankinhalt: 16 Liter

Vmax: 203 km/h

Testverbrauch: 4,8 l/100 km

Preis:12.863 €

Preis Testbike:14.266 €

Motorbezogene Versicherungssteuer: 239,40 €

(Kurier) Erstellt am 27.04.2016