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Fahrbericht
03/24/2015

BMW R 1200 R: Das Ende der Beliebigkeit

Mit Wasserboxer und schlankem Rahmen fährt der Roadster in eine sportliche Zukunft.

Es musste etwas getan werden. Der Boxer-Roadster ist ja gewissermaßen die Keimzelle von BMWs Motorradgeschichte, der Nukleus, um den herum sich über die Jahre ein breites Portfolio an unterschiedlichen Zugängen zum Zweirad angesammelt hat. Dennoch sank die Beliebtheit des Modells beständig. Im vergangenen Jahr verkauften sich nicht nur GS und RT, sondern sogar die supersportliche S 1000 RR und die nostalgische R nineT besser als der traditionsreiche Roadster.

Zeit, einen Neuanfang zu wagen. Gerade die R nineT macht es nun möglich, dass dieser Wechsel überaus radikal ausfallen konnte. Wer es traditionell und bis zu den Speichenfelgen hinunter klassisch will, kann nun ohnehin zum letzten, luftgekühlten Pendant greifen. Der neue Roadster wurde indes sehnig-muskulös und damit so sportlich wie nie zuvor.

Wassergekühlte Power

Die technische Basis besteht zum einen aus dem Wasserboxer, so wie wir ihn aus der GS Adventure kennen – also mit etwas mehr Schwungmasse als in der ersten Version der GS. Mit 125 PS Leistung und 125 Newtonmeter Drehmoment sowie exzellenter Laufkultur macht er dem Naked Bike flotte Beine.

Zum anderen wurden für den Unterbau Rahmen und Fahrwerk fast völlig neu gestaltet. Im Gegensatz zu den Vorgängermodellen mussten die Designer und Ingenieure diesmal nicht aus Kostengründen den Rahmen der großen GS und RT verwenden, sondern durften dem kompakteren Naked Bike einen schlankeren Rahmen maßschneidern; dadurch wirkt der Roadster deutlich graziler.

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Zusätzlich wurde dem Bike erstmals seit 20 Jahren wieder eine konventionelle Vorderradführung verpasst. Die massive Upside-down-Gabel nach Baumuster der S 1000 RR wirkt sportlicher, schafft Platz für den mittig platzierten Wasserkühler und sorgt im nun verschärften Umfeld für eine gestiegene Präzision und ein verbessertes Feedback für den Fahrer.

All die Versprechungen werden bei den ersten Testfahrten ohne Abstriche eingelöst – zumindest in Konfiguration mit aufpreispflichtigem, elektronischem Fahrwerk (Dynamic ESA), mit dem alle Testbikes ausgerüstet waren. Auf Basis eines straffen Grundtons beherrscht die R 1200 R alle dynamischen Tugenden, vom quicken Einlenken bis zur Stabilität in schnellen Kurven und bei hurtigen Autobahnetappen.

Auch bei hartem Verzögern bleibt die R 1200 R stoisch, wobei das elektronische Fahrwerk in diesem Fall die Dämpfung vorne hart zudreht, um das Bremsnicken auszugleichen. Das Bremsen selbst funktioniert mit nochmals vergrößerten Scheiben, radial montierten Vierkolbenzangen und Teilintegral-ABS hervorragend. Ebenfalls Standard sind zu Preisen ab 15.400 Euro die Basis-Traktionskontrolle ASC und die beiden Fahrmodi Rain und Road. Wie bei BMW üblich bekommt man gegen Aufpreis weitere Fahrmodi und die sensibler ansprechende Traktionskontrolle DTC.

Noch ein Satz zur Befürchtung, die auf Sportlichkeit gebürstete R 1200 R könnte die gelobten Allround-Qualitäten der Vorgängerin verwässern: Das ist nicht der Fall. Die Sitzposition ist weiterhin entspannt, der Sozius findet ein kommodes Plätzchen vor. Und mit unzähligen Teilen aus dem Zubehör kann man jeweils favorisierte Stoßrichtungen weiter ausprägen.

Sie galt stets als Universalgenie: Die RS mit Boxermotor. Nach Jahren der Absenz kehrt das legendäre Kürzel nun zurück. Die Basis ist natürlich der Roadster, wobei die Unterschiede nicht nur in der Halbverkleidung und der Scheibe zu finden sind: Auch die Fahrwerksgeometrie wurde leicht verändert, um mehr Stabilität bei hohen Reisegeschwindigkeiten zu bieten.

Die Scheibe selbst ist in zwei Grundpositionen verschraub- und im Alltag per Hand in zwei weiteren Positionen verstellbar; der geteilte Lenker mit Hälften aus edlem, geschmiedetem Aluminium sorgt für eine leicht veränderte Körperhaltung des Fahrers. Vergleichsweise gering fällt das Mehrgewicht durch die Maske aus: Nur fünf Kilo liegen zwischen R und RS.

Wie beim Roadster sind auch beim Sporttourer zwei Style-Varianten verfügbar, wobei im Gegensatz zum Naked Bike das einfärbige Basismodell entfällt.

Moderat ist auch der Aufpreis auf den Roadster: Die Preise beginnen inklusive ABS, ASC und zwei Fahrmodi (Rain, Road) bei 16.150 Euro.