News 05.12.2011

Bosch: Zukunft braucht Zeit

Bosch: Zukunft braucht Zeit
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Warum bis 2020 Benziner und Diesel am meisten zur CO2-Reduktion beitragen und der Umbruch in der Autoindustrie enorm ist.

Die Krise in der Autoindustrie ist vorbei. Der weltweit größte Autozulieferer, Bosch, wird heuer erstmals allein mit der Sparte Kraftfahrzeugtechnik mehr als 30 Milliarden Euro umsetzen. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahrs legte die Sparte um 15 Prozent zu.

- Umbruch: Dennoch herrscht Unsicherheit. Die Autobranche befindet sich in einem gewaltigen Umbruch. Einerseits regional, schon heute arbeitet etwa jeder dritte Bosch-Ingenieur in Asien. Anderseits technologisch. "Die Zukunft gehört dem Elektro-Antrieb. Es bleibt nur die Frage: Wann ist Zukunft?", so Bernd Bohr, Geschäftsführer von Bosch Kraftfahrzeugtechnik, auf dem 60. Motorpressekolloquium.

Viel, etwa die hohen Batteriekosten oder die begrenzten Reichweiten, spräche dafür, dass der Übergang zur E-Mobilität deutlich mehr als ein Jahrzehnt brauchen wird. Laut Bohr wird "es noch lange kein simples Entweder-Oder zwischen Verbrennungsmotor und Elektroantrieb geben", sondern ein Nebeneinander. Den E-Antrieb sieht Bohr vorerst mit Batterien. Brennstoffzellen bräuchten noch mehr Zeit. Bosch arbeitet daran mit 50 bis 60 Entwicklern weiter, hält aber vor allem Fragen rund um Wasserstoff-Erzeugung und -Infrastruktur für ungelöst.

- Unter Strom: Die Vorarbeit von Bosch für die elektrische Zukunft ist jedenfalls beträchtlich. Das Verhältnis Aufwand/Ertrag ist wenig "Börsen-freundlich", bei Bosch als GmbH aber möglich: So beträgt zwischen den Bereichen E-Antrieb und Verbrennungsmotor bei den Mitarbeitern mit 800 zu 8000 das Verhältnis 1 : 10, beim Umsatz mit 140 Millionen Euro zu 14 Milliarden. Euro aber 1 : 100.

Bosch will sein E-Mobilitäts-Portfolio noch kräftig ausbauen.
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Grundsätzlich hat Bosch neben einem japanischen Mitbewerber wohl das breiteste Systemwissen beim E-Antrieb. Bosch fertigt von der Leistungselektronik über E-Motoren bis zu Lithium-Ionen-Akkus (zusammen mit Samsung) alles selbst. Zudem werden neue Dienstleistungen für E-Mobile entwickelt, von Ladesäulen bis zu Abrechnungen mit Stromversorgern. So ein "E-Mobility-System" läuft derzeit in Singapur an. Mit Daimler baut Bosch gemeinsam E-Motoren, Lithium-Akkus liefert Bosch an BMW, Fiat, Chrysler, GM und Ford.

2012 soll entschieden werden, wo das zweite Batteriewerk gebaut wird. Das Werk in Korea dürfte 2014 ausgelastet sein. Die Kapazität reicht für 180.000 E-Fahrzeuge. Ziele von Samsung/Bosch (SB LiMotive): 2015 soll eine 35-kWh-Batterie für 200 km Reichweite reichen, 12 Jahre lang halten und pro kWh 350 Euro kosten (2020: 250 Euro).

- Jobs: Bosch wirbt intensiv dafür, in Deutschland neben Batterien künftig auch Zellen zu fertigen. Einerseits, um Wissen aufzubauen, anderseits, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Umso mehr, als die Umstellung auf E-Mobilität hier viele Jobs in der klassischen Autoindustrie kosten wird. Zudem ziehe die E-Mobilität auch Branchenfremde als neue Mitbewerber an.

Grundsätzlich sieht Bohr Deutschland hervorragend dafür aufgestellt, nicht nur wegen Chemie-Riesen wie BASF , sondern auch wegen der exzellenten Maschinenbauer, die sich mit Anlagen für die Zellenfertigung ein neues Standbein schaffen können.

- Basis: Laut Prognosen werden 2020 weltweit 103 Millionen Pkw und leichte Nfz verkauft, davon werden aber nur 3 Millionen E-Autos oder Plug-in-Hybride sein.

Auch in Europa wird das Verhältnis nicht viel anders sein. Laut Rolf Leonhard, Bosch-Bereichsvorstand, dürften E-Mobile und Plug-in-Hybride (können ca. 30 km elektrisch fahren) nur rund 4 g CO2/km zum EU-Ziel einer CO2-Flottenreduktion auf 95 g/km bis 2020 beitragen. 2010 lag dieses Flottenmittel bei 143 g/km. Das heißt, so Leonhard, dass 96 % der nötigen CO2-Reduktion mit Benzin- und Diesel-Pkw erreicht werden müssen. Das sei machbar. Durch eine -Minderung von 30 Prozent per Verbesserung der Motoren, Hybridisierung, Leichtlaufreifen, Leichtbau, reduziertem Luftwiderstand.

Schon heute gibt es Pkw, die nicht nur den CO2-Zielwert der EU für 2015 (130 g CO2/km) unterschreiten, sondern auch jenen für 2020 von 95 g/km (siehe Grafik) . Mehr demnächst im Motor-KURIER.

(Kurier) Erstellt am 05.12.2011