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22.12.2011

Brief ans Christkind

Man wird sich ja zu Weihnachten noch etwas wünschen dürfen.

Früher hat das geholfen. Einfach einen Zettel schreiben mit allen Wünschen und ihn strategisch günstig so in der Nähe eines Fensters platzieren, das ihn sowohl das Christkind selbst als auch dessen irdische Vertreter sicher finden. Damit waren die Grundbedingungen dafür erfüllt, dass zumindest ein Teil davon in Erfüllung gehen konnte.

Ob das heute im Zeitalter vom SMS, eMail und Posting auch noch auf diesem Weg funktioniert, sei dahingestellt. Es kann jedenfalls nicht schaden, beide Wege zu beschreiten und den Wunschzettel sowohl auf Papier als auch Online zu platzieren. Zumal, wenn er wie im vorliegenden Fall weniger an himmlische als an irdische Mächte gerichtet ist.

Diese hätten es etwa in der Hand, in Hinkunft die Dinge öfter bei ihrem tatsächlichen Namen zu nennen und sich zum Beispiel nicht hinter einer virtuellen Feinstaubwolke zu verstecken, wenn man nur mehr Geld braucht und dafür die Parkgebühren erhöht.

Die Experten-Zunft könnte mit ihren Zahlen-Deutereien wieder sorgfältiger umgehen und nicht jede Presseaussendung als Studie deklarieren, die von wissenschaftlichen Grundregeln so weit entfernt ist wie das Christkind von dem dicken Bartträger mit den Rentieren aus der Cola-Werbung.

Viele Autofahrer könnten einen alten Bekannten neu entdecken und wieder öfter zum Blinkerhebel greifen als zuletzt.

Und Radfahrer, die ihren Frust über sie gefährdende Autofahrer an den Fußgängern abarbeiten, könnten einfach ihr Tempo an die Verkehrslage anpassen.

horst.bauer(at)kurier.at