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05.12.2011

Burg-Porsche

© Bild: Boroviczeny/KURIER

Warum diese Automarke immer noch so falsche Reaktionen auslöst.

Der Burgtheaterdirektor fährt also Porsche. Darf er das denn, fragt sich die irritierte Wiener Kulturszene, wo man doch zu wissen glaubt, was man von Porsche-Fahrern zu halten hat.
Da ist das Klischee vom Midlife-Crisis-geplagten, gockelhaften Mann sofort in den Köpfen, der glaubt, mit seinem 911er zwischmenschliche Defizite kompensieren zu können. Von anderen Vorurteilen gar nicht zu reden, deren nähere Erläuterung die in intellektuellen Kreisen hochgehaltene politische Korrektheit nicht zulässt - und daher meist nur angedeutet wird.

Dass Matthias Hartmann diese Frage ausgerechnet in einem Profil-Interview über seine Pläne für die kommende Theatersaison und die ins Visier des Boulevards gekommene Stimmung im Haus erörtern muss, zeigt, wie sehr diese Automarke immer noch polarisiert. Selbst seine hinterlistige Antwort, er würde das gleiche alte Modell fahren wie der Theaterkritiker des Falter, wird ihn nicht davor retten, weiterhin als jemand gesehen zu werden, der damit "ein Klischee bedient", wie die Interviewerinnen meinen.

Er wird's aushalten. Nicht zuletzt wohl auch, weil Vorurteile gegenüber Porsche auf dem politischen Parkett ebenso en vogue sind, wie die ersten Wortmeldungen des neuen grünen Ministerpräsidenten in Stuttgart gezeigt haben.

Dem Herrn Direktor zum Trost mag auch gereichen, dass nicht einmal der Rolls-Royce von Josef Meinrad seinerzeit in der Lage war, den Status seines Besitzers als Publikumsliebling zu untergraben.