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05/22/2012

Cabrios: Von leistbar bis leistungsstark

Crazy, sexy, cool: Die schönsten Cabrios dieser Saison sind das alles und noch mehr – nämlich sogar vernünftig.

von Bernhard Praschl

Cool ist das neue sexy, heißt es. Was andere Branchen so nach und nach für sich entdecken – in der Automobilindustrie ist diese Erkenntnis schon auf Schiene. Siehe das neue Chevrolet Camaro Cabrio, das sich wieder so kompromisslos knackig gibt wie in der Muscle-Car-Ära. Oder der neue Mercedes SL. Ein Gentleman, sicher, aber einer, der bei Bedarf den bösen Buben mit üppigem Bizeps raushängen lässt.

In der getunten AMG-Interpretation kann das Luxus-Cabrio von Mercedes 537 PS mobilisieren. Auch nicht schwach: Sein britischer Herausforderer, ein offener Aston Martin Vantage, mit 426 PS. Sportwagen-Werte in edler Hülle, die auch einen Porsche 911er-Fahrer beeindrucken. Der Inbegriff des Sportlers gibt sich mit 350 PS zufrieden.

Man muss aber wirklich nicht die Extremisten in dieser Disziplin bemühen, um zu erkennen, dass Cabriolets faszinieren – Selbstfahrer wie auch Beifahrer. Beobachten Sie die Reaktionen der Zaungäste, wenn ein moderner Klassiker wie das Mégane Coupé-Cabriolet von Renault vorbeifährt. Ob offen oder in geschlossenem Zustand ist egal, der Franzose mit dem Faltdach versteht es, mit durchaus bürgerlichen Tugenden – leistbar und solide – zu überzeugen. Das familientaugliche Cabrio fährt heuer bereits in das zehnte Jahr seiner erfrischenden Existenz. Alles andere als ein Exote, hat es wie das Golf Cabrio viel dazu beigetragen, den Anteil der Oben-offen-Fahrer in den letzten Jahren sukzessive auszubauen.

Die Auswahl ist dabei größer als je zuvor, alleine wegen der unterschiedlichen Zugänge zur Frischluft. Das aktuelle Golf-Cabrio bleibt dem Stoffdach-Look treu, der 3er-BMW, Renault und Peugeot vertrauen auf das klappbare Stahldach, ein mobiler Sonnenanbeter wie der Mazda MX-5 ist sowohl fetzig als auch mit Hardtop zu haben.

Natürlich, wer sich im Auto offen zur Schau stellt, braucht sich nicht darüber zu beschweren, begehrliche Blicke auf sich zu ziehen. Aber: Je mehr Cabriolets auf den Straßen unterwegs sind, desto normaler ist dieser Anblick. Wenn erst der Range Rover Evoque Cabrio auf den Markt kommt, wird nichts mehr normal sein. Eine Kreuzung zwischen SUV und Cabrio? Ein Experiment? Ein Design-Irrtum? Keinesfalls. Der Mix klingt nur gewagter als er tatsächlich ist. Wer sich etwas auskennt in der Automobilgeschichte, erinnert sich an die von Audi vor fünf Jahren bei der Los Angeles Motorshow präsentierten Studie Cross Cabriolet quattro , ist schon einmal über den Chevy Blazer mit Fetzendach gestolpert oder hat Fotos vom nur in den USA angebotenen Nissan Murano Cabrio gesehen. Allesamt keine echten Schönheiten, aber doch irgendwie cool. Auch weil sie Raritäten sind.

Noch ist nicht entschieden, ob der kompakte Offroader Range Rover Evoque tatsächlich in einer Frischluft-Version auf den Markt kommen wird. Das Interesse scheint jedenfalls vorhanden zu sein. Seit Fotos von einem offenen Mini Countryman kursierten, ist anzunehmen, dass auch andere Hersteller ihre einschlägige Palette dementsprechend ausweiten wollen.

Falls eine Autofirma den Trend verschläft, sind Tuner zur Stelle. Deren Vorstellungen bewegen sich zwar häufig genug an der Grenze zum schlechten Geschmack, im Vorjahr jedoch entzückte sowohl bei der Essener Motor Show als auch beim GTI-Treffen am Wörthersee die Studie eines Skoda-Cabrios. Bei näherem Hinsehen aber wies dieser Fabia RS 2000 eine Schwachstelle auf: Besagtes Auto hat zwar vier Türen aber kein Verdeck.

Anmerkung: Mehr Cabriolets sehen Sie in der Bildergalerie.