News 05.12.2011

Carsharing: Fahrzeuge sind Stehzeuge

Carsharing: Fahrzeuge sind Stehzeuge
© APA

Im Schnitt parkt jeder Pkw täglich 23 Stunden. Carsharing würde laut einer VCÖ-Studie zu weniger Lärm, Kosten, Schmutz und Parkplatzbedarf führen.

23 Stunden parkt ein heimischer Pkw im Schnitt täglich. Zu 95 Prozent sind die 4.441.027 fahrbaren Autos (Stand 2010) in Österreich also eher "Stehzeug" als Fahrzeug, erläuterten Experten des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien. Vor allem im urbanen Raum könne das sogenannte Carsharing, bei dem sich mehrere Benutzer je nach Bedarf kleine und größere Wagen teilen, zu weniger Belastung durch Lärm, Stau und Umweltverschmutzung beitragen und Platz schaffen.

Besonders viel Potenzial sieht der VCÖ in den Landeshauptstädten: Die Innergürtel-Bezirke Wiens etwa wären prädestiniert für das Konzept, meinte Unternehmenssprecher Christian Gratzer. Hier könne Carsharing für Betriebe auch ein Alternativmodell zum klassischen Firmenwagen darstellen. In der Bundeshauptstadt laufe derzeit die Planung für ein neues Verkehrskonzept, das im Frühjahr 2012 umgesetzt werden soll - der VCÖ fordert unter anderem die Reservierung von "sichtbaren" Flächen für Carsharing.

Bei geeigneten Rahmenbedingungen sind laut VCÖ vor allem Großstädter durchaus bereit, auf den eigenen Pkw zu verzichten, wie das Beispiel Schweiz zeige: Dort greifen bereits 100.000 Personen auf das diesbezügliche Angebot an 1.250 Standorten zurück. Zum Vergleich: In Österreich stehen den 12.000 Nutzern derzeit 100 Standorte zur Verfügung. Der VCÖ hält eine intensivere Verwendung wie in der Schweiz für möglich.

Autos nutzen, nicht besitzen

Das Konzept funktioniert nach dem Motto " Autos nutzen, nicht besitzen". Und das kann je nach Vorhaben das bezüglich Größe und Bautyp am besten Geeignete sein. Ein Gemeinschaftsgefährt ersetze bis zu acht Autos, was nicht nur der Umwelt zugutekomme, sondern gerade im urbanen Raum auch zu einer Reduzierung des Platzproblems beitragen könne, so der VCÖ. Abgesehen davon spare der Nutzer natürlich Fixkosten für Anschaffung, Versicherung Vignette etc. und lebe recht bald um einiges gesünder. "Unnötige" Autofahrten - meist sehr kurze Strecken - würden dann nämlich viel öfter zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad zurückgelegt.

Je geringer die Fahrstrecken, desto größer fällt die jährliche Ersparnis aus, rechnete der VCÖ in der aktuellen Untersuchung vor. Wer etwa mit einem Renault Megane (Kombi) 5.000 Kilometer zurücklegt, spart 2.040 Euro; bei einem Kompaktwagen wie dem Hyundai i30 kommt man bei gleicher Fahrleistung auf 1.675 Euro Einsparung. Das Carsharing-Modell rechne sich für all jene, die bis zu 12.000 Kilometer im Jahr fahren.

Vieles scheint eindeutig für das Konzept zu sprechen - Warum sind die Österreicher im Vergleich zur Schweiz also noch eher zurückhaltend? Die Rahmenbedingungen müssten optimiert werden, meinte VCÖ-Verkehrspolitik-Fachmann Martin Blum. Er fordert ein konkretes Maßnahmenpaket: Neben der Verdichtung des Netzes, einer besseren Sichtbarkeit im öffentlichen Raum, der Einführung einer umfassenden Mobilitätskarte und der Ausrüstung aller Bahnhöfe, in denen Schnellzüge halten, müssten die Kurzparkzonen ausgeweitet und die Verpflichtung zu Stellplätzen bei neuen Wohnbauten abgeschafft werden.

(KURIER.at) Erstellt am 05.12.2011