Dacia Dokker

© Schubert Daniel

Testbericht
10/09/2013

Dacia Dokker: Verzicht an den richtigen Stellen

Klassisches Beispiel für unglaublich viel Auto fürs Geld.

Der Erfolg der Billigmarke von Renault wird regelmäßig durch Steigerung von Verkaufszahlen und Marktanteil fortgeschrieben. Die Kunst Dacias liegt darin, an Stellen zu sparen, die genügend Kunden einen Mehrpreis nicht wert sind. Beim ersten Kontakt mit dem Dokker kam spontan ein Gedanke auf: Oh, keine Verkleidungen ab der B-Säule, frei sichtbare Schweißpunkte, nacktes Blech. Geht ja gar nicht!

Doch, mit ein bissl Nachsicht schon.

Nach anfänglichem Schrecken gerieten die fehlenden Verkleidungen und sogar die aufdringlichen Schweißpunkte aber in Vergessenheit. Kein Mensch braucht Erstere, um einigermaßen anständig von A nach B zu kommen, und wer beim Fahren ständig auf Letztere schaut, schrottet sein Auto über kurz oder lang.

Glücklich wird also der, der damit zu leben versteht.

Und das geht ungefähr so: Man konzentriere sich auf das aufgeräumte, aber aus billigem Hartplastik gefertigte Armaturenbrett, das (hervorragend funktionierende) Navi mit Audio- und Bluetooth-Integration sowie den für seine 90 PS sehr agilen 1,5-Liter-Diesel. Charakter verleiht dem rumänischen Familienlaster auch die 5-Gang-Schaltung mit ihrem störrischen Retourgang, der meistens erst beim zweiten Versuch dort einrastet, wo er wirklich soll.

Raumwunder

Aber all das wird dem Dokker-Käufer relativ wurscht sein. Was zählt, ist nämlich Folgendes: Bis zu unglaublichen 3000 Liter Laderaum – zu einem Einstiegspreis von 9990 Euro für den 85-PS-Benziner.

ABS und ESP sind im Gegensatz zu früher bereits in der Basisversion Serie. Auch eine Schiebetür für Reihe zwei, jede Menge Beinfreiheit und auf Wunsch diverse Extras. Der Testwagen mit 90-PS-Diesel und Lauréate-Ausstattung kam dann allerdings schon auf gut 16.000 Euro, hatte dafür aber alles an Bord, was man so braucht. Bis eben auf die erwähnten Verkleidungen an B-, C- und D-Säulen.

Der Großraum-Rumäne bietet mehr, als man sich für den Preis erwarten würde. Geht man zu anderen Herstellern, bekommt man zwar ähnlich ausgestattete Fahrzeuge zum gleichen Preis. Allerdings sind die dann meist kleiner – und können somit nicht ein derartig großzügiges Raumangebot offerieren.

Dacia Dokker dCi 90

Antrieb: 4-Zylinder, Diesel, Direkteinspritzer, oben liegende Nockenwelle, 2 Ventile/Zylinder, Alu-Zylinderkopf, Turbolader, Ladeluftkühler; Frontantrieb, 5-Gang-Getriebe;

Spitze 162 km/h, 0–100 in 13,9 Sekunden; Euro 5.

Hubraum: 1461 cm³

PS/kW: 90/66maximales Drehmoment: 200 Nm bei 1750 U/min

Fahrwerk: Selbst tragende Karosserie, vorn McPherson-Federbeine, Dreieckquerlenker, Stabilisator, hinten Verbundlenkerachse, vorn/hinten Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, vorn Scheiben-, hinten Trommelbremsen, Zahnstangenlenkung mit hydraulischer Servounterstützung, ABS, elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP).

Maße (L x B x H): 4363 x 2004 x 1852 mm Wendekreis: 11,6 m Radstand: 2810 mm Kofferraum: 800–3000 l Zuladung: 574 kg Gesamtgewicht: 1854 kg Tankinhalt: 50 l

Normverbr: 4,5 l/100 km118 g/km CO²

Testverbr.: 6,5 l/100 km

Preis: 9990 €

Preis Testwagen: 16.600 €

Motorbezogene Versicherungssteuer: 277,20 €