News 05.12.2011

Das E-Auto und die Segway-Flotte

Das E-Auto und die Segway-Flotte
© Think City

Flitzer auf leisen Sohlen: Fahrbericht (Teil 3) - Der Think City aus Norwegen ist das erste serienreife Elektroauto der Welt. Der KURIER hat den Kleinwagen getestet.

Der Salzburger hat einen gewissen Hang zum Protz, und das muss wohl so sein in einer Stadt, die beharrlich mit ihren Natur- und Architekturschönheiten glänzt. Belegt wird diese Prahlerei unter anderem durch die Statistik. In keinem anderen Bezirk Österreichs wurden heuer mehr Geländewagen zugelassen, als in der Salzach-Stadt.

Wer also auffallen will, inmitten der fetten, Feinstaub schleudernden SUVs, muss sich bemühen. Zumal mit einem Wagen, der sich zwar Respekt verdient, aber nur knapp über drei Meter misst und gerade einmal 46 PS hat.

Der zweisitzige Think City aus Norwegen gilt als das erste in Massenproduktion hergestellte Elektroauto der Welt und ist über den Landesenergieversorger Salzburg AG seit wenigen Tagen in der Stadt verfügbar.

Leisetreter - Ein Kleinstwagen, sicher, aber wer die Türe schließt, fühlt sich dennoch nicht beengt. Der Start erfolgt klassisch mit Zündschlüssel, nur dass hier kein Motor ruckelt oder lärmt. Ein eigenes Lämpchen am Armaturenbrett zeigt deshalb dem Fahrer, dass der Wagen tatsächlich läuft.

Die Bedienung selbst erfolgt wie mit einem Automatikgetriebe: Es gibt einen Gang fürs Parken, einen fürs Rückwärtsfahren, einen für den Leerlauf, einen für Vorwärts. Dazu gesellt sich der sparsame Economy-Modus, der aber erkennbar auf Kosten der Spritzigkeit geht.

Ein Tritt aufs - nun ja, Gaspedal ist ein Begriff, für den in der E-Zukunft wohl kein Platz mehr ist - ein Tritt aufs Pedal also, und der Wagen lässt beim Losfahren dank hohem Drehmoment fast alle anderen Autos hinter sich. Von 0 auf 50 in 6,5 Sekunden, sagt der Hersteller - und das fast völlig geräuschlos.

Um die Verkehrssicherheit für Fußgänger oder Radfahrer zu erhöhen, werden sich darum bald Sounddesigner damit beschäftigen, wie der lautlose Wagen klingen soll. Es hat Charme, dass der Think sich dann vielleicht mit dem Geräusch eines aufheulenden Ferrari-Motors von der Ampel verabschieden könnte.

Stromzeiger - Die wichtigste Anzeige im Cockpit ist unzweifelhaft der Ladestatus. Der Think läuft 100 km/h Spitze, ab 80 km/h schlägt die Stromverbrauchsnadel jedoch bedrohlich aus. Der Hersteller verspricht 160 km Reichweite, im Praxistest darf man aber getrost zwei bis drei Dutzend Kilometer abziehen. Zwar lädt der Think beim Bergabfahren durch Bremsenergie wieder auf, die Fahrt über spektakuläre Passstraßen wird aber die Ausnahme bleiben.

Der Think ist ein Stadtauto oder eines für Ausflüge in die Umgebung, keines für den Überlandverkehr. Aber laut VCÖ sind nur vier Prozent aller Autofahrten in Österreich länger als 50 Kilometer.

Ladehemmung - Wer den Think auflädt, braucht dazu Steckdose, Platz und Zeit - viel Zeit. Während der Wagen tankt, geht sich locker ein Kaffee, durchaus aber auch ein Fünf-Gänge-Menü aus. Die durchschnittliche Ladezeit beträgt an die drei Stunden, ganz voll ist die Batterie aber erst nach einer ganzen Nacht. Das schränkt die Flexibilität deutlich ein.

Der Salzburger Philosoph Leopold Kohr hat jedoch einst den Satz "small is beautiful" geprägt - und so könnte der sendungsbewusste Mozartstädter bald mit Kleinheit und null protzen. Denn ein Elektro-SUV wird es so schnell nicht geben.
Lesen Sie morgen: Mit Fahrrad und E-Bike auf Testfahrt

"ElectroDrive": Modellregion Salzburg

Paket - In Salzburg werden Elektrofahrzeuge nicht nur verkauft, sondern unter dem Namen "ElectroDrive" von der Salzburg AG auch im Abo angeboten. Seit einem Jahr können E-Roller, Segways und Elektrofahrräder auf 24 bis 48 Monate gemietet oder geleast werden, seit wenigen Tagen auch Elektroautos.

Pauschale - Bis 2012 sollen so 1000 E-Autos und 1000 einspurige E-Fahrzeuge auf Salzburgs Straßen unterwegs sein. Die Preise beinhalten dabei neben dem Fahrzeug auch Leistungen wie Versicherung, die Nutzung von Ladestationen, Serviceverträge und eine Dauerkarte für die Öffis in der Stadt.

Noch kein Schnäppchen: Ein Auto für Vorreiter und Idealisten

Ein kräftiges "Schluck", man kennt solche Lautmalereien aus Comic-Heften, nun ja, ein solches "Schluck" ist hier durchaus angebracht.

44.000 Euro kostet der Think City, um das Geld gäbe es auch einen neuen 5er BMW. Doch wer einen Think kauft, für den ist der Preis nicht das einzige Kriterium. Es gibt Menschen, die wollen ein Zeichen setzen, Vorreiter sein. Auch weil die laufenden Kosten des Wagens bei nur einem Drittel eines normalen Autos liegen.

Ob die Konkurrenz - Citroën, Smart und Mitsubishi wollen ihre eigenen E-Autos im ersten Quartal 2011 lancieren - den Preis zu drücken vermag, ist fraglich. In Salzburg, das als Modellregion für Elektro-Mobilität ausgewählt wurde, wurde vom Energieversorger Salzburg AG ein eigenes Leasing-Paket für den Think geschnürt. Vorerst nur für Firmenkunden.

Um 890 Euro im Monat sind neben dem Wagen die Errichtung einer eigenen Stromtankstelle, Vollkasko- und Haftpflichtversicherung, und der verbrauchte Strom inkludiert. Und der stammt garantiert aus erneuerbarer Energie.

Zugleich gibt es für Unternehmen eine 5000-Euro-Förderung durch das Umweltministerium. Für Privatkunden wird der Think, den es offiziell erst in drei europäischen Ländern zu kaufen gibt, erst mit Jahresende erhältlich sein - ohne Förderung, wie es aussieht.

Auf Sightseeingtour mit Gewichtsverlagerung

Tanken aus der Dose - Es sieht schwer erlernbar, gefährlich und nach sehr viel Training aus, ist aber - nach zwei Minuten Einschulung - kinderleicht zu fahren. Wer ein Mal auf einem elektrisch angetriebenen Segway gefahren ist, probiert es wieder aus.

Die utopisch anmutenden Einachser mit den großen Rädern werden über Akkus, mit Strom aus der Steckdose angetrieben. Das trendige Gerät hat allerdings seinen Preis. Ab 8000 Euro ist man dabei. Ein sehr schönes Motorrad ist billiger. Laut Verkehrsministerium gilt ein Segway als Fahrrad. Somit gelten auch die Regeln wie für ein Bike.

Publikumsmagnet - Das Restaurant Walfisch im Prater bietet seit Herbst 2008 Segways als besonderen Publikumsmagneten zum Mieten an. Der KURIER begab sich auf Probefahrt. Der Chef des Hauses persönlich, Werner Schmalvogl, schulte das Reporterteam ein: "Soll es nach vorne gehen, verlagern sie ihr Gewicht nach vorne. Gleiches gilt für die Rückwärtsfahrt. Kurven werden mit Gewichtsverlagerungen und leichtem Schulterdruck auf dem Lenker in die jeweilige Richtung erreicht."

Der Trick dieses E-Gefährts liegt in der unglaublichen Technik. Steht man einmal auf der Plattform, hält der Segway das Gleichgewicht von selbst. Man kann sogar die Hände vom Lenker nehmen. Zusätzlich steuern in jeder Radnabe Elektromotoren die Räder. Es ist möglich, sich am Stand um 360 Grad zu drehen.

Die maximale Höchstgeschwindigkeit liegt bei 20 km/h. Jedes Rad wird von zwei Elektro-PS angetrieben. Und die Reichweite (ohne Ersatzakku) liegt bei 30 Kilometern. Wie weit der Gleiter rollen kann, ist aber vom jeweiligen Gelände abhängig. Gastronom Schmalvogl verglich auch die Stromkosten für ein Segway mit konventionellen Geräten im Haushalt: "Ein normaler Fernseher mit etwa 90 Zentimetern Bildschirmdiagonale verbraucht mehr Energie."

14 Segways stehen den Kunden zur Verfügung. Die Wartung ist einfach, ein Service so gut wie nie nötig. Denn die saubere Energie Strom verschmutzt weder die Elektromotoren noch andere Teile des Fahrzeuges.

Exote - Rechnet man die billige Erhaltung, die niedrigen Servicekosten und den Spaß beim Fahren, ist dieses Gefährt das wahre Vergnügen. Der enorme Kaufpreis aber wird den witzigen, einachsigen Elektro-Gleiter immer zum Exoten degradieren.
Segway-Fahrten können unter der Telefonnummer des Restaurants Walfisch (01/729 34 19) gebucht werden. Das Interesse ist derart hoch, dass einige Tage vor der Ausfahrt bestellt werden sollte.

Fahrspaß: Mit nur 600 Watt Energie

Segway - Gilt laut Straßenverkehrsordnung (StVO) als mehrspuriges elektrisches Fahrrad. Die Leistung darf 600 Watt nicht überschreiten. Es besteht keine Helmpflicht. Lenker dürfen sich aussuchen, ob sie auf Radwegen oder auf der Straße fahren wollen. Ist ein Segway allerdings breiter als 80 Zentimeter, muss auf der Straße gefahren werden. Das Gefährt braucht, wie auch ein Fahrrad, keine Nummerntafel. Ein "Pickerl" ist nicht notwendig.

(Kurier) Erstellt am 05.12.2011