News 02.02.2012

Der lange Weg zum variablen Hubvolumen

Der lange Weg zum variablen Hubvolumen
© Hersteller / VW

Zylinderabschaltung. Wie der VW-Konzern dieser Spritspar-Technik zum Durchbruch verhelfen will.

Die Zylinderabschaltung taucht gerne auf, wenn Spritsparen angesagt ist, die Technik dafür aber nicht viel kosten soll. Daher wurde sie bislang vor allem für große Motoren verwendet, zuletzt vor ein paar Jahren. Der Erfolg war bisher mäßig und nach kurzer Zeit verschwand das System wieder. Mehr als ein Wort haben derzeit selbst neue 1000-Seiten-Fachbücher nicht dafür übrig ("Vieweg Handbuch Kraftfahrzeugtechnik"). Das könnte sich ändern.

Inzwischen haben sich nämlich die Rahmenbedingungen für die Zylinderabschaltung deutlich verbessert. Einerseits dank der milden Hybride. Diese können dank Zylinderabschaltung mit "rein elektrischem Fahren" werben: Der Verbrennungsmotor wird zwar mitgeschleppt, da er bei milden Hybridsystemen nicht vom E-Motor abgekoppelt werden kann, aber es wird kein Kraftstoff verbrannt. Honda ist der prominenteste Anbieter dieser Technik, bietet Zylinderabschaltung aber auch für andere Benziner.

Premiere

Während Honda bei den Mild-Hybrid-Modellen alle Zylinder abschaltet, bringt VW nun einen Vierzylinder, wo nur zwei Zylinder deaktiviert werden (Zylinder 2 und 3).

Als Erstes wird die Zylinderabschaltung, VW spricht von "aktivem Zylindermanagement ACT", im 1,4 TSI etwa im Polo eingesetzt. ACT ist zwischen 1250 und 4000 U/min sowie 25 und 100 Nm Drehmoment möglich, entspricht dem "Segeln" und ging, zumindest in der Probefahrt, nicht zulasten des Komforts.

Im EU-Normzyklus ist es in fast 70 Prozent aller Fahrzustände aktiv und soll dort 0,4 l/100 km sparen. VW verspricht aber auch im Alltag spürbare Verbrauchssenkungen damit. Bei konstant 50 km/h im dritten oder vierten Gang lasse sich bis zu 1 l Sprit auf 100 km sparen, bei 70 km/h im fünften Gang 0,7 l/100 km.

ACT dürfte am meisten mit Handschaltern bringen. Umso mehr, als die häufigen langen Übersetzungen zwecks

Verbrauchsreduktion dazu führen, dass Lenker häufig in niedrigen Gängen und so höhertourig, über 1250 U/min, fahren. Laut VW wird es anders als Start-Stopp nicht deaktivierbar sein. Ein ähnliches System bekommt auch der Audi A1 Sportback.

Laut VW ist ACT die weltweit erste Zylinderabschaltung für Vierzylinder und so nur mit Benzindirekteinspritzung und Aufladung möglich. Bei Saugrohreinspritzern würde ACT zu Problemen bei Gaswechsel und Abgasnachbehandlung führen. Bei Hecktrieblern würde es größere Komfortverluste geben. Laut Techniker ist der 1,4 TSI mit ACT teurer als ein "echter" Zweizylinder wie bei Fiat, aber deutlich billiger als ein Mild-Hybrid-System.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

(Kurier) Erstellt am 02.02.2012