Ducati Diavel

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Motorrad-Test
07/22/2014

Ducati Diavel Carbon: Zwischen Himmel und Hölle

Die Zähmung der Widerspenstigen ist nur teilweise gelungen – zum Glück.

von Peter Schönlaub

Die Ducati Diavel – sprich Diavl – ist eine Ausnahmeerscheinung. Nicht nur bei Ducati, sondern in der gesamten Motorradwelt. Als Hybride zwischen Cruiser und Naked Bike spreizt sie sich vehement gegen jede Kategorisierung und ihr Design polarisiert seit der ersten Minute.

Nach drei Jahren kann man bilanzieren: Dem Erfolg war der eigenwillige Auftritt nicht abträglich. Mehr als 20.000 Stück hat Ducati von dem teuren Premiumbike bislang verkauft, womit selbst die Erwartungen der Italiener deutlich übertroffen worden sind.

Das geplante Update für die heurige Saison fällt daher optisch dezent aus. Neu sind ein Voll-LED-Scheinwerfer, das Design der Schalldämpfer sowie die seitlich am Tank angebrachten Lufteinlässe, die nun aus gebürstetem, dunkel eloxiertem Alu bestehen. Sehr edel.

Motorisch halten nun jene Updates Einzug, die wir im vergangenen Jahr an der Multistrada und heuer in der neuen Monster 1200 begrüßt haben. Das Innenleben des Testastretta-V2 wurde deutlich überarbeitet und mit Doppelzündung ergänzt. Damit soll der flüssig gekühlte V2 mit Superbike-Vergangenheit feinere Manieren zeigen, also geschmeidiger und mit geringeren Lastwechselreaktionen zu bewegen sein. Die Leistung blieb mit 162 PS jedoch unverändert, nur das Drehmoment stieg geringfügig.

Ritt auf der Kanonenkugel

All diese Verbesserungen sind sofort spürbar, ändern aber zum Glück nichts am bekannten Charakter der Italienerin: Als Fahrer hat man weiterhin das Gefühl, unter Aufbietung aller Künste eine Bestie zu bändigen.

Dieser Eindruck entsteht durch eine spektakuläre Mixtur aus Sound, Vibrationen und der Bereitschaft des Motors, beim kleinsten Befehl brachiale Energie freizusetzen – ein echtes Ereignis, das sich bei Bedarf in einer Beschleunigung von null auf 100 km/h in nur 2,6 Sekunden manifestiert.

Dass man diese Leistung tatsächlich auf den Asphalt bringt, liegt nebenbei am vergleichsweise langen Radstand und dem dicken 240er-Hinterreifen. Die ausgeprägte Sitzmulde wird dabei auch dankbar angenommen: So muss man sich nicht am Lenker anklammern wie das Äffchen an der Liane.

Einmal mehr erstaunt trotz dieser kontraproduktiven Eigenschaften, wie beweglich und fahraktiv sich das mächtige Bike gibt. Hier zeigt sich der größte Unterschied zu landläufigen Cruisern oder Power-Nakeds vom Schlag einer Yamaha Vmax: Die Ducati macht auch auf kurvigen Strecken Spaß – wenn man mit der Härte des Fahrwerks einverstanden ist.

Elektronik-Paket

Bei dem Übermaß an Power freut man sich über jede Hilfe, die von Ducati serienmäßig angeboten wird: ABS, Traktionskontrolle und Riding Modes lassen sich vielfach abstimmen.

Für zwischenzeitliche Erholung kann man zum Beispiel den Fahrmodus "Rain" anwählen. Damit wird die Motorleistung per Knopfdruck auf brave 100 PS begrenzt und aus dem gereizten Höllenfürst ein possierliches, handzahmes Teufelchen.

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Ducati Diavel Carbon

Antrieb: 2-Zylinder-V-Motor, flüssig gekühlt, je zwei oben ligende Nockenwellen, Desmodromik, je vier Ventile pro Zylinder; Ride-by-Wire; Nasssumpfschmierung; Verdichtung 12,5:1; 6-Gang-Getriebe; Endantrieb über Kette.

Hubraum: 1198 cm³

PS/kW: 162/119 maximales Drehmoment:130,5 bei 8000 U/min

Fahrwerk: Stahlrohr-Gitterrahmen; vorne 50-mm-Upside-down-Gabel, hinten Alu-Einarmschwinge, jeweils voll einstellbar; Federweg v/h 120/120 mm; vorne Doppel-, hinten Einscheibenbremse (320/265 mm Durchmesser) mit radial montierten Vierkolbensättel vorne und Zweikolbenzange hinten; ABS; Reifen der Dimension 120/70-17 vorne und 240/45-17 hinten.

Maße (L x B x H):2235 x 860 x 1192 mm Sitzhöhe: 770 mm Radstand: 1590 mm Nachlauf: 130 mm Zuladung: 166 kg Gewicht, vollgetankt: 234 kg Tankinhalt: 17 Liter

Vmax:255 km/h

Testverbrauch: 6,7 l/100 km

Preis:24.195 €

Preis Testbike:24.195 €

Motorbezogene Versicherungssteuer: 359,40 €